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| 17:41 Uhr

Cottbus plant Neukauf
Neue Straßenbahnen zu schwer für alte Brücken?

 Hält die Sandower Brücke auch die neuen deutlich schwereren Straßenbahnen aus? Das Bauwerk ist immerhin schon 62 Jahre alt. Es wurde im Oktober 1957 eingeweiht.
Hält die Sandower Brücke auch die neuen deutlich schwereren Straßenbahnen aus? Das Bauwerk ist immerhin schon 62 Jahre alt. Es wurde im Oktober 1957 eingeweiht. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Cottbusverkehr will neue Straßenbahnen kaufen. Die Fahrzeuge werden deutlich mehr wiegen als die alten – wahrscheinlich zu viel für den Zustand einiger Brücken. Von Peggy Kompalla

Das Stadtparlament hat im vergangenen Jahr den Kauf von sieben Straßenbahnen gebilligt. Dafür gab es Applaus. Schließlich benötigt Cottbusverkehr die neuen Fahrzeuge dringend, um seinen in die Jahre gekommenen Fuhrpark zu erneuern. An dem 25. April 2018 ahnte vermutlich niemand, dass das auch Konsequenzen für mehrere Brücken haben wird. Denn die modernen Fahrzeuge bringen zwischen zehn und 15 Tonnen mehr Gewicht auf die Waage. Diese Last könnte zumindest für zwei Brücken zu viel sein.

Die Straßenbahnen passieren auf ihren Linien drei Brücken – die Sandower Brücke, die Brücke über den Priorgraben an der Madlower Hauptstraße und die Bahnhofsbrücke. Letztere wird derzeit nicht genutzt, was am Umbau des Verkehrsknotens liegt. Die Arbeiten verzögern sich, so dass die Freigabe von August auf Herbst verschoben wurde. Allerdings birgt die Bahnhofsbrücke nicht das Problem. Sie wurde erst in den Jahren 2011 und 2012 komplett saniert.

Anders sieht es mit den Brücken in Sandow und Madlow aus. Diese sind wohl nicht für das Gewicht der neuen Fahrzeuge ausgelegt. Die Verwaltung hält sich auf Nachfrage zu dem Thema bedeckt. Stadtsprecher Jan Gloßmann erklärt: „Die Herausforderung kennen wir. Alles andere wird sich ergeben, wenn feststeht, welche Bahnen tatsächlich gekauft werden.“

Cottbusverkehr steckt derzeit in den Endabstimmung der vorliegenden Angebote, wie Unternehmenssprecher Robert Fischer bestätigt. Die sind besonders aufwendig, da sich die Städte Cottbus, Brandenburg an der Havel und Frankfurt (Oder) für die Bestellung der neuen Fahrzeuge zusammengeschlossen haben. Die drei Verkehrsbetriebe müssen sich auf ein Modell und einen Hersteller einigen, obwohl alle unterschiedliche Voraussetzungen mitbringen.

Unabhängig von der noch ausstehenden Entscheidung werden die neuen Bahnen in jedem Fall mehr wiegen. Cottbusverkehr zufolge bringen es die alten Bahnen auf ein Gewicht von 41 Tonnen, wenn sie voll besetzt sind. Die neuen Fahrzeuge werden demnach zwischen zehn und 15 Tonnen mehr auf die Waage bringen. „Das liegt an der modernen Technik, der Bauart und der Ausstattung“, sagt Robert Fischer. Demnach werden die neuen Fahrzeuge unter anderem breiter ausfallen und mit Klima-Anlagen ausgerüstet. Es gebe aber auch höhere Anforderungen an die Crashsicherheit – also die Fähigkeit eines Materials, Personen bei einem Unfall zu schützen. All das trage zu der höheren Last bei.

Die Sandower Brücke ist im Jahr 1957 eingeweiht worden. Dabei handelt es sich um einen Stahlbetonbau. Sie ist also 62 Jahre alt. Die Brücke über den Priorgraben werden die wenigsten Cottbuser zur Kenntnis genommen haben, obwohl sie vermutlich jeder schon passiert hat. Sie liegt in der Madlower Hauptstraße kurz hinter der Kreuzung mit der Spreestraße. Sowohl Straßenbahn als auch Autoverkehr passieren die Brücke.

Cottbusverkehr will in diesem Jahr die Bestellung für die neuen Straßenbahnen rausgeben. Der städtische Verkehrsbetrieb rechnet dann mit dem Einsatz der sieben neuen Fahrzeuge frühestens im Jahr 2021 oder 2022.

 Hält die Sandower Brücke auch die neuen deutlich schwereren Straßenbahnen aus?
Hält die Sandower Brücke auch die neuen deutlich schwereren Straßenbahnen aus? FOTO: Michael Helbig