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| 17:18 Uhr

Cottbus
Cottbus setzt grüne Akzente

Die Kirsche ist einer von 172 neuen Bäumen am Skadower Wiesenweg. Zur Schippe greifen neben dem Floralia-Mitarbeiter Umweltausschusschef Wolfgang Bialas (CDU), Umweltamtschef Stephan Böttcher und Landwirt Hans Pschuskel (v.l.).
Die Kirsche ist einer von 172 neuen Bäumen am Skadower Wiesenweg. Zur Schippe greifen neben dem Floralia-Mitarbeiter Umweltausschusschef Wolfgang Bialas (CDU), Umweltamtschef Stephan Böttcher und Landwirt Hans Pschuskel (v.l.). FOTO: Peggy Kompalla
Cottbus. Die Stadt geht als Vorbild im Bienen- und Umweltschutz voran. Der Imkerverein lobt den Vorstoß des Stadtparlaments. Bereits bei Ersatzpflanzungen wird an Insekten gedacht. Von Peggy Kompalla

Entlang des Skadower Wiesenweges recken sich wieder Bäume in den herbstlichen Himmel. Die Mitarbeiter von Floralia setzen dieser Tage 172 Laub- und Obstbäume in Döbbrick-Ost. Sie sind ein Ersatz für den Eingriff in die Natur für die Cottbuser Ortsumfahrung. Die Planer des Landesbetriebes Straßenwesen legen bei der Neupflanzung Wert auf alte Gehölze, die zudem für Insekten eine möglichst lange Blütentracht bieten. Das loben der Umweltausschusschef Wolfgang Bialas (CDU) und Umweltamtsleiter Stephan Böttcher und packen beim Pflanzen einmal selbst mit an. Mit dem Projekt wird bereits umgesetzt, was das Stadtparlament künftig der Stadt abverlangt. Cottbus soll auf seinen kommunalen Flächen Bienenweiden und Blühstreifen anlegen und auf den Einsatz von Pestiziden verzichten. Der Cottbuser Imkerverein lobt beide Beschlüsse als großes Etappenziel. Sie wurden in der vergangenen Woche einstimmig gefasst. Eingebracht hatten beide Vorlagen Grüne, SPD und Linke.

Damit sollen ab dem kommenden Jahr zum einen auf öffentlichen kommunalen Flächen Bienenweiden und Blühstreifen angelegt werden. Zum anderen wird die Stadt künftig auf eigenen Flächen auf den Einsatz von Pestiziden verzichten. Dies gilt dann auch für private Dienstleister, die mit der Pflege städtischer Flächen beauftragt sind sowie für kommunale Unternehmen. Selbst bei der Verpachtung kommunaler Flächen für eine landwirtschaftliche Nutzung soll in den Verträgen der Verzicht auf Pestizide aufgenommen werden. Beide Beschlüsse in Kombination sind aus Sicht des Imkervereins wichtig: „Damit hat sich die Stadt Cottbus für konkrete Maßnahmen zum Erhalt und zur Förderung der Insekten und damit für mehr Umweltschutz ausgesprochen“, lobt Sven Hoffmann vom Verein. Vereinschef Bruno Reinert ergänzt, dass damit zwei Hauptforderungen der Imker umgesetzt werden. „Der drastische Rückgang der Insekten ist sicher auf eine Kombination verschiedener Faktoren zurückzuführen. Neben den immer stärker zunehmenden Monokulturen und einem steigenden Mangel an Nahrungspflanzen zu verschiedenen Zeiten im Jahr ist auch der Einsatz von Pestiziden als Ursache zu benennen“, so Reinert.

Der Imkerverein hatte im Vorfeld der Abstimmung in einem Brief an die Fraktionen für eine Zustimmung zu beiden Beschlüssen geworben. Damit lief er offene Türen ein. So setzt sich der Umweltausschuss seit geraumer Zeit mit diesen Themen auseinander und regte unter anderem alternative Pflegezyklen für kommunales Grün an. Mit den beiden Beschlüssen gehen die Politiker nun einen Schritt weiter. Aus Bitten werden verbindliche Forderungen.

Ganz ohne solche Vorgaben bekommt der Skadower Wiesenweg in Döbbrick-Ost nun eine Baumreihe. Nicht nur die Gehölze sind für Insekten zuträglich. Rechts und links des Feldweges betreiben zudem Wolfram Hotzler und Hans Pschuskel mit ihren Betrieben biologische Landwirtschaft. Darauf weist Letzterer bei einer symbolischen Pflanzaktion hin. Der CDU-Stadtverordnete freut sich über die Rückkehr des alten Feldweges. Der war zu DDR-Zeiten im Jahr 1975 überpflügt worden, obwohl er seit den 1860er-Jahren für die Anrainer als Zufahrt zu ihren Wiesen diente. In den 2000ern sei er auf Initiative von Bürgern und mithilfe des Liegenschaftsamtes wieder hergestellt worden. „Bei der Vermessung haben wir alle Grenzsteine von 1934 wiedergefunden“, erzählt Pschuskel. Der Weg verbindet nun wieder über zwei Kilometer Skadow mit Döbbrick-Ost bis hin zum Schwarzen Graben. Er ist aber nicht allein eine Zufahrt für die Bauern, sondern verbindet mit der neuen Baumreihe auch Biotope.

Darauf weist Marina Zeibig vom Landesbetrieb Straßenwesen hin. Immerhin werden dort insgesamt 172 Bäume gepflanzt – 98 Laub- und 74 Obstgehölze. Dazu zählen Hainbuche, Maulbeere, Baumhasel, Mehlbeere, Eberesche, Linde und Stieleiche sowie verschiedene alte Apfel- Süßkirsch- und Birnensorten. „Wir haben uns gegen eine Allee entschieden, damit die Landwirte mit ihrer großen Technik genügend Raum haben“, erklärt Marina Zeibig. Dies sei in enger Abstimmung mit den Anrainer beschlossen worden. Noch sind die Mitarbeiter von Floralia mit dem Pflanzen beschäftigt. Ein Jahr lang übernimmt das Unternehmen die Pflege der Bäume, danach folgen vier weitere Jahre zur Entwicklungspflege.

Umweltausschusschef Wolfgang Bialas zeigt sich zufrieden: „Das ist eine gute Sache – gerade in Kombination aller Faktoren.“ So sei die Pflanzung ein Vorbild für die Zukunft. Der Landesbetrieb Straßenwesen schließt damit im Wesentlichen seine Ersatzleistungen ab.