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| 17:10 Uhr

Pressegespräch
Cottbus setzt auf neue Projekte zur Integration

Cottbus. Der Ausländeranteil liegt bei 8,8 Prozent. Syrier bilden rein zahlenmäßig den neuntgrößten Ortsteil.

„Cottbus bleibt eine Zuzugskommune im Land Brandenburg“, sagt Sozialdezernentin Maren Dieckmann beim Pressegespräch am Dienstagnachmittag. Thema ist die Integration. Aktuell leben 8743 Ausländer in der Stadt. Das entspricht einem Anteil an der Gesamtbevölkerung von 8,8 Prozent. Rund 3000 davon sind Flüchtlinge, die durch das Jobcenter oder das Sozialamt betreut werden.

„Doch es ist sehr viel ruhiger geworden“, betont Stefanie Kaygusuz. Aus ihrer Sicht ist die positive Entwicklung der bisherigen Integrationsarbeit zu verdanken. Sie selbst ist Koordinatorin im Servicebereich Bildung und Integration in der Stadtverwaltung, ein Bereich, dem mittlerweile 13 Mitarbeiter angehören. Nur zwei davon werden durch die Stadt, der große Rest über Fördermittel finanziert.

Insgesamt 674 Flüchtlinge konnten seit Anfang 2018 durch das Jobcenter in Arbeit gebracht werden. Mehr als 40 junge Menschen befinden sich in der Ausbildung. „Viele haben außerhalb von Cottbus eine Arbeit gefunden und pendeln“, sagt Kaygusuz. Hier sieht sie Nachholbedarf bei den Cottbuser Unternehmen. Ab Sommer werden zumindest alle Eigenbetriebe und Gesellschaften der Stadt Einstiegsqualifizierungen anbieten, um geflüchteten Menschen den Start in die Ausbildung zu ermöglichen.

Für das ganz neu gestartete Quereinsteiger-Programm für ausländische Lehrkräfte haben sich insgesamt 45 Menschen beworben. „Darunter sind ehemalige Schulleiter oder junge engagierte Lehrerinnen, vor allem aus Syrien“, berichtet Kaygusuz. 25 von ihnen werden innerhalb eines Jahres fit gemacht für den Pädagogenberuf.

Menschen aus Syrien stellen mit insgesamt 2419 Personen die größte Gruppe an Ausländern in der Stadt dar. „Rein rechnerisch sind sie der neuntgrößte Ortsteil von Cottbus“, sagt Stadtsprecher Jan Gloßmann. Dahinter folgt Polen mit 661 Menschen, Afghanistan mit 558 und die Russische Förderation mit 484 Personen.

Neu ist auch das Modellprojekt Vorschule, an dem sich die Kästner-, Nevoigt- sowie Hildebrandt-Grundschule in Cottbus beteiligen. Hierbei sollen Kinder mit Migrationshintergrund an fünf Tagen pro Woche für jeweils vier Stunden betreut und kindgerecht auf die Schule vorbereitet werden. Auslöser waren im vergangenen Jahr mehr als 60 Kinder, die ohne vorherigen Kindergartenbesuch eingeschult werden mussten.

„Mit unserer Migrationssozialarbeit haben wir dem Land lange in den Ohren gelegen“, erzählt Kaygusuz weiter. Heute arbeiten mehr als 50 Menschen in Cottbus in ganz verschiedenen Einrichtungen wie Schule, Frauenhaus, Erziehungsberatungsstelle, Migrationsberatungsdienst oder als Quartiersläufer in Sandow und Ströbitz.

Stolz ist Stefanie Kaygusuz darauf, dass auch andere Kommunen von den Cottbuser Erfahrungen profitieren wollen. „Es besteht ein großes Interesse“, betont Bernd Weiße, ehemaliger Sozialdezernent und heute Rentner. Denn meist erfolge die Integration dezentralisiert. Cottbus mit seinem separaten Servicebereich sei eine Ausnahme.

„Die Integration bleibt eine Generationenaufgabe“, betont Kaygusuz. Viele der geförderten Projekte laufen noch bis zum Jahr 2022, gehofft wird auf eine Anschlussfinanzierung. Stadtsprecher Jan Gloßmann verweist auf die bestehende politische Forderung der Stadt, dass Förderung auch dorthin fließen soll, wo ein erhöhter Bedarf besteht.

(sha)