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Cottbus
Späte Integrations-Hilfe aus Potsdam

 Der Oberbürgermeister der Stadt Cottbus, Holger Kelch (CDU), sagt, die Hilfe hätte früher kommen können.
Der Oberbürgermeister der Stadt Cottbus, Holger Kelch (CDU), sagt, die Hilfe hätte früher kommen können. FOTO: Ralf Hirschberger / dpa
Cottbus. Zehn neue Sozialarbeiter sollen an Cottbuser Schulen Integration vorantreiben. Von Daniel Schauff

Zehn neue Schulsozialarbeiter soll Cottbus kurzfristig bekommen – finanziert bis auf Weiteres aus Landesmitteln. Am Mittwoch entscheiden die Stadtverordneten darüber. Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) rechnet mit einer „breiten Zustimmung“, auch für die sieben weiteren Stellen, die in Ordnungsamt und im Fachbereich Immobilien als Objektverantwortliche für die Asylwohnheime eingerichtet werden sollen. Nein, allein gelassen fühle er sich von der Landesregierung jetzt nicht mehr, sagt Kelch. Aber auch: „Ich bedaure, dass es soweit kommen musste.“

Kelch betont: Seinen Hilferuf hätte das Land schon viel früher hören können – schon im letzten Jahr, noch bevor unter anderem das Alkoholverbot in der Innenstadt bereits damals angespannte Lage entspannen sollte.

Spätestens seitdem sei klar gewesen: Den massiven Zuzug Geflüchteter konnte Cottbus mit den vorhandenen Integrationsstrukturen und dem ausgereizten Haushalt nicht stemmen. Erst ein erneuter Hilferuf nach neuen schweren Auseinandersetzungen zwischen Deutschen und Geflüchteten in der Stadt habe das Land vernommen. Gelder für Sozialarbeiter sind zugesagt. Insgesamt 30 bis 40 soll die Stadt einstellen, die Schulsozialarbeiter, über die das Stadtparlament nun entscheidet, machen den Anfang. Stefanie Kaygusuz-Schurmann, Leiterin der Asylkoordinationsstelle im Rathaus, betont: Die werden sich nicht nur um Geflüchtete kümmern, sondern auch um die Prävention von Rechtsextremismus.

Die Lage habe sich entspannt, seit die Sofortmaßnahmen in Kraft getreten seien, schätzt der OB ein. Mehr Polizei und Ordnungsamtsmitarbeiter sichern derzeit die Cottbuser Straßen, Uniformen gehören seit den jüngsten Vorfällen zum Stadtbild. Eine Dauerlösung könne das aber nicht sein, sagt Kelch. „Wir wollen ein friedliches Zusammenleben“, betont er und spricht damit auch als Präsidiumsmitglied des Städte- und Gemeindebunds. Sein nach Monaten endlich erfolgreicher Hilferuf sei auch ein Signal an die anderen Kommunen im Land. In einigen gebe es auch Sorgen um das friedliche Zusammenleben – Kelch hofft, dass der Cottbuser Ruf nach Unterstützung ein „Weckruf“ an die Landesregierung sei, auch in anderen Kommunen genauer hinzusehen.

„Betroffen“ sei er über das Bild, das in den vergangenen Wochen von Cottbus entstanden sei. Einige Medien hätten die Lausitzmetropole in eine „rechtsextreme Ecke“ gestellt. Er habe nie gesagt, dass Cottbus kein Problem mit Rechtsextremismus habe. Dennoch gebe es unter den Cottbusern viele, die sich gegen Rechtsextremismus einsetzten. Darüber aber sei kaum berichtet worden.

Den Zuweisungsstopp nach Cottbus sieht Kelch mit gemischten Gefühlen: Einerseits schaffe der ein wenig Zeit zum „Luftholen“ und für die Arbeit an den Integrationsstrukturen, andererseits sei er für das Image der Stadt schlecht. Stadtsprecher Gloßmann stellt aber klar: Ein Zuweisungsstopp sei kein Zuzugsstopp. Es könnten immer noch Geflüchtete nach Cottbus kommen – nur die direkte Zuweisung aus der Erstaufnahme sei ausgesetzt.

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