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| 17:36 Uhr

eG Wohnen
Cottbus schnappt sich Solarpreis

Bis zum Ende diesen Jahres sollen die beiden energieautarken Häuser in der Kahrener Straße fertiggestellt sein. Die Fotovoltaik-Platten an der südlichen Außenfassade müssen noch angebracht werden.
Bis zum Ende diesen Jahres sollen die beiden energieautarken Häuser in der Kahrener Straße fertiggestellt sein. Die Fotovoltaik-Platten an der südlichen Außenfassade müssen noch angebracht werden. FOTO: LR / Jenny Theiler
Cottbus/ Bonn. Umweltschutz muss nicht teuer sein – im Gegenteil. Häuser, die sich selbst mit Energie versorgen können, sparen Geld und jeder profitiert davon. Jetzt wird das Projekt der eG Wohnen Cottbus mit einem bundesweiten Preis ausgezeichnet. Von Jenny Theiler

So langsam nimmt das neue Wohnprojekt in der Kahrener Straße in Cottbus Form an. Im August 2017 hat die eG Wohnen 1902 hier den Grundstein für zwei bisher einzigartige Häuser in Deutschland gelegt. Die Mehrfamilienhäuser sind für die aktive und passive Nutzung der Solarenergie optimiert und sollen somit in der Lage sein, sich selbst mit Strom und Wärme aus der Sonne zu versorgen. Das Projekt ist in Kooperation mit Professor Timo Leukefeld vom Freiberg Institut für Energieautarkie entwickelt worden und erhält am morgigen Samstag den deutschen Solarpreis.

In Zusammenarbeit mit der EnergieAgentur.NRW findet die Preisverleihung in Bonn statt. Der Verein Eurosolar bezeichnet das Cottbuser Projekt als ein Vorzeigeprojekt von Professor Timo Leukefeld und der eG Wohnen 1902 für den Strukturwandel in der Lausitz. „Gleichzeitig wird mit dem neuen Wohnkonzept ein politisches Signal für ein alternatives Mieterstrommodell zum Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) gesetzt.“ Zudem bringe das Projekt ein enormes wirtschaftliches Potenzial für die gesamte Region mit.

Die beiden Häuser in der Kahrener Straße sollen zum 31. Dezember endgültig fertiggestellt sein, sodass bereits ab Januar die ersten der insgesamt 14 Wohnungen vermietet werden können. Interessenten gäbe es bereits, erklärt die eG Wohnen auf Nachfrage der RUNDSCHAU. Vorstand Uwe Emmerling ist vom umweltbewussten Wohnprojekt in Sandow hundertprozentig überzeugt.

„Wir haben ein Konzept entwickelt, das in Verbindung mit der Bauweise, den technischen Installationen und dem Energiesystem gar nicht schiefgehen kann“, sagt er. Es könne lediglich zu Abweichungen der errechneten Verbraucherwerte kommen, die zu erwarten seien, aber das sei vom Wetter abhängig. „Sollten wir im nächsten Jahr noch einmal einen solchen Jahrhundertsommer erleben, wird sich das natürlich positiv auf die Energiegewinnung auswirken und wenn nicht, dann bleiben am Ende immer noch zwei Häuser, in denen man gut wohnen kann“, so Uwe Emmerich.

Um das geplante Energiekonzept durchzusetzen, ist beim Bau der Häuser mit hochwertigen und vor allem massiven Materialien gearbeitet worden. „Nur weil es ein Energiesparhaus ist, heißt das nicht, dass deswegen auch die Wohnqualität beeinträchtigt wird“, betont Uwe Emmerling. Für die künftigen Mieter bedeutet das Projekt in Verbindung mit der massiven Bauweise, dass die Energiekosten nur noch halb so hoch sein werden wie in einem standardisierten Mehrfamilienhaus mit externer Versorgung. Denn laut Kalkulation sollen rund 70 Prozent des Wärme- und Strombedarfs mithilfe eines hauseigenen Langzeitwarmwasserspeichers abgedeckt werden. Die Finanzierung der Energie wird im Festpreis von 10,50 Euro pro Quadratmeter festgelegt. Strom- und Wärmekosten werden also mit der Miete in einem Pauschalbetrag entrichtet. Das Haus versorgt sich selbst mit Sonnenenergie, und der Mieter spart an den Nebenkosten.

„Meines Wissens ist das Wohnprojekt in dieser Ausführung bisher in Deutschland einzigartig“, betont Uwe Emmerling. Konzipiert wurde es von Professor Timo Leukefeld und ist im Zeitalter von steigenden Energiekosten und globaler Erwärmung eine Lösung, mit der am Ende jeder zufrieden sein sollte.

Um den Folgen des Klimawandels entgegenzuwirken und gleichzeitig eine umweltgerechte Entwicklung zu fördern, ist auch in der Lausitz vom Vollzug der Energiewende die Rede. Mit dem Konzept der energieautarken Häuser hatte sich die eG Wohnen 1902 beim Verein Eurosolar beworben. Am 5.  September teilte die europäische Vereinigung für erneuerbare Energien die Preisträger des Deutschen Solarpreises 2018 mit. Das Konzept der sich selbst versorgenden Häuser setzte sich in der Kategorie „Solare Architektur und Stadtentwicklung“ durch. „Insgesamt wurden acht Akteure ausgezeichnet, die durch Engagement und Innovation die erneuerbare, dezentrale und bürgernahe Energiewende aktiv voranbringen“, erklärt Steffen Otzipka, Pressesprecher des Vereins Eurosolar. Der Deutsche Solarpreis wird seit 1994 vergeben.