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"Cottbus querbeet" setzt auf Humor und Erfahrung

Erste Leserunde mit Heidrun Bartholomäus, Dr. Horst Kasprzik und Arnulf Zimmermann (l.).
Erste Leserunde mit Heidrun Bartholomäus, Dr. Horst Kasprzik und Arnulf Zimmermann (l.). FOTO: Elsner
Cottbus. Zu seinem ersten Jubiläum zeigt sich "Cottbus querbeet" in großartiger Verfassung. Am Montagabend stellte Juryvorsitzender Klaus Wilke in der Stadt- und Regionalbibliothek beim 5. Schreibwettbewerb elf Preisträger-Geschichten von zehn Autoren vor, die allesamt druckreif sind. Ulrike Elsner

Tiefmenschliche Konflikte, die betroffen machen, oder lustige Begebenheiten pointiert erzählt - dieser Jahrgang hält jede Menge Hörenswertes bereit. Dass sie von den Autoren selbst gelesen werden, macht die Geschichten noch authentischer. Für erkrankte Preisträger ist Heidrun Bartholomäus vom Staatstheater eingesprungen - ein Bekenntnis der Schauspielerin zu ihrem Publikum, das der Veranstaltung zusätzlich Glanz verleiht.

Zwar seien die hohen Teilnehmerzahlen der zwei vorangegangenen Jahre nicht erreicht worden, stellt Klaus Wilke zu Beginn fest. Dass sich der Wettbewerb dennoch hervorragend entwickelt hat, macht der Literaturkritiker an der "guten Qualität der eingereichten Arbeiten, ihrer Themenvielfalt und ihrer interessanten sprachlichen und stilistischen Gestaltung" fest. Die Geschichten handeln von moderner Technik und ihrem Einfluss auf den Menschen, suchen ihre teilweise märchenhaften Ansätze in Geschichte und Brauchtum der Niederlausitz oder erzählen packende Episoden menschlichen Miteinanders.

Es ist bemerkenswert, wie die Autoren den Spannungsbogen halten und bei der Suche nach neuen Worten Kreativität beweisen. "Ich neugiere", formuliert Gisela Kalina, eine frühere Deutschlehrerin, in ihrer Geschichte von den "Beutelnachbarn", die von feiner Beobachtungsgabe kündet.

Dr. Horst Kasprzik folgte einer Anregung des früheren brandenburgischen Ministerpräsidenten Manfred Stolpe, als er vor 20 Jahren die Zeitzeugen gründete. Dass diese Idee goldrichtig war, zeigt sich in der aktuellen Verfassung der Gruppe. Selbst wenn die Texte der Zeitzeugen Brücken zur Vergangenheit schlagen, sind sie erfrischend offen für die Gegenwart. Für Dr. Horst Kasprzik selbst ist das Schreiben "ein Generationenbrief". Ganz ohne Pathos, dafür aber mit viel Humor, wie seine Geschichte "Muss ich das verstehen?" beweist. Darin setzt sich der Ingenieur für Fernmeldetechnik und Dr. der Informatik im Ruhestand damit ausein ander, dass selbst ihm als ausgewiesenem Fachmann die Technik in ihren Siebenmeilenstiefeln davonzulaufen droht.

Die meisten Lacher jedoch erntet Arnulf Zimmermann, Autor und Karikaturist, für seine heitere Erzählung "Wenn einer eine Reise tut". Ihr Fazit kann wohl jeder im voll besetzten Lesecafé unterschreiben. Es lautet: "Kein Verlust ist so schwerwiegend, als wenn man den Humor verliert. Also: Hüte ihn!"

Für einen weiteren Superlativ sorgt Martin Kühne, Stadtverordneter der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Der leidenschaftliche Freizeitsportler setzt mit seinem "Protokoll eines 100-Kilometer-Laufs" dem internationalen Staffellauf zwischen Cottbus und Zielona Gora und dem Gemeinschaftsgeist seiner Teilnehmer ein Denkmal.

Andrea Teschner, Altenpflegerin aus Burg, beschäftigt sich mit dem Thema Erziehung. Ihr Motto formuliert sie so: "Von der Schwierigkeit, Gutes zu tun, und von der Leichtigkeit, gut zu sein."

Haide Wolfram, ehemalige Deutschlehrerin, sei eine Jahrhundertzeugin, betont Klaus Wilke. "Denn sie hat beizeiten mit ihren Großeltern gesprochen und ist auch mit deren Erfahrungen ausgestattet." Diesmal aber trägt die Cottbuserin eine Alltags- und Detektivgeschichte bei, die Anlass zum Schmunzeln gibt.

Uta Mitschke, Postzustellerin aus Jänschwalde, zählt schon heute zu den Chronisten des Ostsees. In ihrem Wettbewerbstext aber erzählt sie auf sehr berührende Weise von einem kleinen Mädchen, das zur Lebensretterin wird. Josef Kauczor, früher Dipl.-Ing. bei der Wasserwirtschaft, setzt mit seiner ironischen Prosa über die Digedags den erfrischenden humorvollen Schlusspunkt eines äußerst vergnüglichen Abends.