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| 12:53 Uhr

„Nulldrei55“
Ein Podcast für ein lauteres Cottbus

 Eine Aufnahme des Cottbuser Podcasts „Nulldrei55“.
Eine Aufnahme des Cottbuser Podcasts „Nulldrei55“. FOTO: LR / Daniel Roßbach
Cottbus. Ronny Gersch war früher Sprecher von Energie Cottbus. Mit seinem Podcast „Nulldrei55“ will er von Cottbus ein positives Bild vermitteln. Aber auch Probleme wie Rechtsextremismus sollen nicht verschwiegen werden. Von Daniel Roßbach

Janine Wirtz, Julia Müller und Mary Rüegg sitzen um einen Tisch, auf dem ein übersichtliches Mischpult steht. Vor jeder der drei Frauen hängt ein Mikrophon an einer Halterung. Sie sind zu Gast im Podcast „Nulldrei55“, der von Ronny Gersch moderiert wird, und den es seit Ende März gibt.

In der neunten Folge sprechen Wirtz, Müller und Rüegg über das Netzwerk „Businessfrauen Lausitz“, zu dessen Gründerinnen sie gehören. In diesem Netzwerk tauschen sich Frauen, die sich selbstständig machen möchten oder das schon getan haben, über ihre Erfahrungen aus. Das ist eins der Unterfangen, das in „Nulldrei55“ vorgestellt wird.

„Den Cottbus Podcast“ nennt Robert Gersch seine Sendung in deren Untertitel. Nulldrei55 ist dabei nicht der erste regionale Podcast aus der Lausitz: Schon seit 2017 gibt es den Spreewaldpodcast.

Ronny Gerschs Podcast-Stimme ist in Cottbus bekannt

Gersch war von 1994 bis 2010 als Presse- und Stadionsprecher für Energie Cottbus tätig. Danach arbeitete Gersch zunächst für die Fußballvereine FC Schalke 04 und VfL Wolfsburg. Später beriet Gersch mit seinen Kontakten im Sport die Frima Celexo, die Investments in Pflege-Immobilien vermittelt, und die ihre Büros am selben Innenhof in Cottbus hat, in dem auch Gerschs neue Unternehmen angesiedelt sind.

 Ronny Gersch bei seinem Abschied als Sprecher des FC Energie Cottbus im Februar 2010.
Ronny Gersch bei seinem Abschied als Sprecher des FC Energie Cottbus im Februar 2010. FOTO: picture alliance / dpa / Thomas Eisenhuth

Gemeinsam mit Partnern betreibt er dort eine Agentur für Personal-Rekrutierung und Frimen-Marketing. Gerschs Agentur tritt auch als präsentierender Sponsor des Podcasts auf. Der wird in den Räumen der Agentur in der Cottbuser Friedrich-Ebert-Straße produziert.

In dem Podcast will Gersch, wie er sagt, „Macher vorstellen.“ Der Podcast zielt dabei klar darauf ab, ein positives Bild von Cottbus zu vermitteln. „Ich denke, dass es unheimlich viele Leute gibt, die in Cottbus interessante Sachen auf den Weg bringen aber es die Wahrnehmung gibt, Cottbus sei Provinz“, sagt Gersch: „Das mag von Außen so aussehen, aber die Menschen sind nicht Provinz. Zumindest diese Macher nicht.“

Für diese mögliche Diskrepanz zwischen Geschehen und Wahrnehmung sieht Gersch Ursachen in der Mentalität von Cottbus: Die Menschen hier seien „manchmal zu leise. Klar ist Bescheidenheit eine gute Eigenschaft, aber man könnte auf mehr, was es hier gibt, stolz sein.“

Im Cottbuser „Nulldrei55“-Podcast kommen auch Probleme vor

Übermäßige Bescheidenheit kann man Gersch in seinem Auftreten und der Gestaltung der Räume seiner Agentur nicht vorwerfen. Goldene Verzierungen, Skulpturen und Gestaltungselemente sind überall dort zu sehen.

 Podcast-Macher Ronny Gersch in seinem Büro in der Cottbuser Friedrich-Ebert-Straße.
Podcast-Macher Ronny Gersch in seinem Büro in der Cottbuser Friedrich-Ebert-Straße. FOTO: LR / Daniel Roßbach

Trotzdem kommen in dem Podcast auch kritische Themen mit Blick auf die Stadt vor. So spricht in einer Folge der Betreiber des Clubs Scandale, der demnächst seinen Standort verlassen muss, über das Umfeld, dass Cottbus für Jugendkultur bietet.

„Es geht nicht darum, die Stimmung zu transportieren, wir hätten hier keine Probleme oder Herausforderungen,“ sagt Gersch über den Anspruch des Podcasts. Zum Teil würden „Probleme, die wir mit uns herumschleppen, aber auch hereingetragen. Etwa wenn Menschen mit bestimmten politischen Meinungen hier demonstrieren, die Initiative dazu aber gar nicht aus Cottbus kommt“, spricht Gersch das Flüchtlings-feindliche Bündnis ‚Zukunft Heimat’ an.

„Die kommen aus dem Spreewald, aber nicht der Spreewald ist die Region, von der gefragt wird, was ihr für Leute habt, sondern Cottbus.“ Damit wolle er aber nicht bestreiten, dass Rechtsextremismus in und für Cottbus ein Problem sei, dem sich die Zivilgesellschaft stellen müsse. Dieses Problem existiere, und werde auch nicht nur von Medien konstruiert. Auch in dieser Hinsicht sind Gersch „viele Menschen in Cottbus einfach zu leise.“

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