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| 15:32 Uhr

Interview mit Dr. Olaf Konopke, Chef der Notaufnahme des CTK Cottbus
„Wenn man Durst hat, ist es schon zu spät“

 Dr. Olaf Konopke ist mit Leib und Seele Notarzt und mit seinen Kollegen an diesen Hitzetagen in Cottbus im Einsatz. Der Mediziner leitet seit 2005 die Zentrale Notaufnahme des Carl-Thiem-Klinikums Cottbus.
Dr. Olaf Konopke ist mit Leib und Seele Notarzt und mit seinen Kollegen an diesen Hitzetagen in Cottbus im Einsatz. Der Mediziner leitet seit 2005 die Zentrale Notaufnahme des Carl-Thiem-Klinikums Cottbus. FOTO: LR / Verena Ufer
Cottbus. Temperaturextreme gehen oft mit massiven Gesundheitsproblemen einher. Ausreichend trinken ist für Dr. Olaf Konopke, Chef der Notaufnahme des Cottbuser Carl-Thiem-Klinikums (CTK), die wichtigste Prävention.

33, 36, 38, bis 40 Grad Celsius – das sind die Prognosen der Meteorologen für diese Woche. Wann immer die Temperaturen in der Region ansteigen oder auf hohem Niveau verharren, nehmen die Notarzteinsätze zu. Das ist auch akustisch wahrnehmbar. Das Signal der Rettungswagen verschmilzt dann scheinbar allmählich mit den Stadtgeräuschen – so oft ist es zu hören. Die RUNDSCHAU sprach in einer kurzen Pause zwischen zwei Einsätzen mit Dr. Olaf Konopke, dem Chefarzt CTK-Notaufnahme.

Herr Dr. Konopke, Hitzeperioden sind harte Zeiten für Sie und Ihre Kollegen. Mit welchen akuten, oft lebensbedrohlichen Gesundheitsproblemen werden Sie konfrontiert?

Konopke Der menschliche Körper toleriert hohe Temperaturen nur eine gewisse Zeit. Besonders bei chronisch kranken und älteren Menschen verschlechtert sich der Gesundheitszustand schnell. Deshalb lautet die Diagnose bei den meisten Menschen, zu denen wir gerufen werden: „Verschlechterung des Allgemeinzustandes“. Bei chronischen Herzpatienten kann es zu einem starken Blutdruckabfall kommen, weil sich die Gefäße durch die Hitze weiten. Kreislaufkollaps und Herzrhythmusstörungen drohen.

Viele ältere Menschen trinken viel zu wenig, weil das Durstgefühl nachlässt.

Konopke Flüssigkeitsmangel ist tatsächlich ein großes Problem. Denn der führt zur Austrocknung. Die wiederum hat Durchblutungsstörungen, Schwindel, Desorientiertheit zur Folge. Weswegen es dann oft auch noch zu gefährlichen Stürzen kommt. Wenn Nierenpatienten nicht die richtigen Flüssigkeitsmengen zu sich nehmen, verschlechtern sich ihre Werte. Das heißt, es droht eine Vergiftung des Körpers. Manche älteren Menschen reagieren auch mit Fieber auf große Hitze.

Die beste Prävention ist also…

Konopke Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Und dabei gilt der Grundsatz: Wenn man Durst hat, ist es eigentlich schon zu spät. Da macht der Körper bereits auf einen Flüssigkeitsmangel aufmerksam.

Wie viel sollte man täglich trinken?

Konopke Da gibt es keine allgemeingültigen Standards. Es hängt von vielem ab: von den Außentemperaturen etwa. Ist es heiß, schwitzt man – und dementsprechend mehr Flüssigkeitszufuhr braucht der Körper. Von der Nahrung auch: Ist sie flüssiger, kann weniger getrunken werden. Es muss jeder für sich selbst herausfinden, welches die richtige Trinkmenge ist, mit der er sich wohlfühlt. Weniger als 1,5 Liter sollte es aber nicht sein. Gesunde Menschen haben damit kein Problem. Chronisch Kranke, etwa Herzpatienten, die oft Entwässerungstabletten nehmen, sollten sich mit ihrem Hausarzt beraten.

Welche Ratschläge haben Sie noch für Die RUNDSCHAU-Leser, damit sie die Hitzewoche gut durchstehen?

Konopke Sie sollten auf ihre Ernährung achten. Wenig Fett und leichte Kost mit viel Obst und Gemüse gehört auf den Speiseplan. Wer kann, sollte Arbeit im Freien auf die Morgen- und die Abendstunden legen. Generell wäre es gut, körperliche Anstrengungen möglichst zu meiden. Luftige Kleidung hilft dem Körper, mit der Hitze zurechtzukommen. Eine Bitte habe ich besonders an die älteren Herrschaften: Bitte meiden Sie Ausgänge in der gleißenden Mittagshitze, dabei kann es ganz schnell zu bedrohlichen Gesundheitsproblemen kommen.

Zu welchen Tageszeiten werden Sie und Ihre Kollegen in solchen Wärmeperioden wie jetzt am häufigsten zu Notfällen gerufen?

Konopke Ab Mittag bis in den Nachmittag hinein. Tatsächlich in der heißesten Zeit des Tages.

Die Tage bis zum Sonntag werden „Sahara-Woche“ genannt. Bis zu 40 Grad Celsius halten Meteorologen für möglich. Haben Sie mit Ihrem Team in der Notaufnahme besondere Vorkehrungen getroffen, extra Ärzte- und Pflegepersonal angefordert?

Konopke Nein, wir sind personell so gut aufgestellt, dass wir es schaffen sollten, auch Arbeitsspitzen zu bewältigen. Wenngleich man ja nie genau wissen kann, was kommt. Doch wir sind ja Teil eines leistungsfähigen Krankenhauses. Und natürlich werden wir – wie immer– die Patienten streng nach Dringlichkeit versorgen. Vorrang haben immer Menschen, deren Leben akut in Gefahr ist. Ich denke, dass alle, die in der Notaufnahme etwas länger warten müssen, dafür Verständnis haben.

Herr Dr. Konopke, Sie sind Facharzt für Anästhesie, arbeiten aber bereits seit dem Jahr 2005 als Leiter der Zentralen Notaufnahme des Thiem-Klinikums. Eine ziemlich lange Zeit in einem harten Job. Sie fahren ja auch selbst regelmäßig Einsätze?

Konopke Ja, das ist eine relativ lange Zeit. Aber ich arbeite bis heute sehr gern in der Notaufnahme. Weil ich hier nie sagen kann, ich habe schon alles gesehen. Man wird bei den Einsätzen immer wieder mit Neuem, mit echten Herausforderungen konfrontiert. Und manchmal erlebt man dabei auch Dankbarkeit, wenn man Patienten in einer bedrohlichen Situation schnell helfen kann – gerade in solchen Hitzezeiten.

Apropos: Wie finden Sie persönlich die aktuellen Temperaturprognosen?

Konopke Super, ich mag die Wärme. Auf Herbst und Winter könnte ich glatt verzichten.