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| 16:04 Uhr

Cottbus
Bahnhof mit möglichst wenigen Barrieren

 Der Cottbuser Bahnhof wird seit dem Jahr 2016 zum modernen Verkehrsknoten umgebaut. Im Herbst soll er fertig sein.
Der Cottbuser Bahnhof wird seit dem Jahr 2016 zum modernen Verkehrsknoten umgebaut. Im Herbst soll er fertig sein. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Neuer Verkehrsknoten erhält Systeme, die Sehbehinderten bei der Orientierung helfen. Von Peggy Kompalla

Der Bahnhof in Cottbus soll für alle Menschen einfach und problemlos nutzbar sein. Deshalb sind Neuerungen für Sehbehinderte an dem neuen Verkehrsknoten vorgesehen. Dazu zählen ein Plan zum Fühlen, aber auch Ansagen per Knopfdruck. Cottbusverkehr will die Bedürfnisse der Betroffenen künftig mehr in den Fokus rücken. Bei einem Gespräch mit dem Blinden- und Sehbindertenverband Brandenburg wurde diese Verabredung getroffen.

Verbandschef Joachim Haar lobt das Treffen als konstruktiv. Auch Cottbusverkehrsprecher Robert Fischer sagt, dass das Gespräch für den Verkehrsbetrieb erhellend war. „Bei Barrierefreiheit denken wir zuerst an Menschen, die in der Fortbewegung eingeschränkt sind. Aber natürlich haben auch Sehbehinderte mit Hindernissen zu kämpfen. Das ist uns noch einmal richtig bewusst gemacht worden in der Runde.“

Joachim Haar hat selbst nur ein sehr stark eingeschränktes Sehvermögen. Er sagt: „Die Anzeigen von Cottbusverkehr kann ich nicht lesen.“ Der Mehrzahl der Sehbehinderten gehe es genauso. Das liege am mangelnden Farbkontrast und der Größe der Schrift. Deshalb begrüßt er das geplante Zwei-Sinne-System am neuen Verkehrsknoten. „Da muss man nur auf eine Taste drücken, und eine Stimme liest vor, was auf der Anzeige steht“, erklärt Haar. Dieses System gebe es bereits an den Bahnhöfen Potsdam und Chemnitz.

Zur Orientierung für Menschen mit Sehbehinderung wird es zudem einen taktilen Lageplan vom Bahnhof geben. Auf der Tafel kann der Aufbau des Verkehrsknotens ertastet werden. Zudem soll es zum Verständnis Tonansagen per Knopfdruck geben. Die Tafel wird am Ostausgang des Bahnhofsgebäudes aufgestellt.

Generell begrüßt Joachim Haar dies. Er sagt: „Ich kenne den Plan nicht, deshalb kann ich ihn nicht bewerten.“ Anders sei dies beim taktilen Lageplan am Altmarkt, wo der die Cottbuser Altstadt ertastet werden kann. „Der ist sehr unangenehm anzufassen“, sagt Haar. „Er hat viele scharfen Kanten. Vermutlich ist er schön anzuschauen.“

Sehbehinderte sind auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen. Ihnen machen dabei insbesondere Doppelhaltestellen zu schaffen. Das sind typischerweise Umsteigepunkte, wo mehrere Bahnen und Busse aufeinandertreffen. „Wir wissen nicht, welche Bahn an welcher Stelle steht“, erklärt Joachim Haar. Deshalb wäre eine Ansage hilfreich. „Die Busse oder Bahnen sagen, wer sie sind, wenn sie an der Haltestelle eingefahren sind“, sagt Haar.

Tatsächlich sind laut Cottbusverkehr auch zwei Busse mit einem solchen System ausgestattet, wie Robert Fischer bestätigt. „Aber die Anwendung ergibt erst Sinn, wenn die Mehrzahl der Fahrzeuge darüber verfügt.“ Deshalb werde das Verkehrsunternehmen bei der Anschaffung künftig darauf achten. Immerhin wurden kürzlich die letzten Busse ausgemustert, in denen es bislang im Inneren keine Ansagen gab.