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| 18:10 Uhr

Neu-Schmellwitz
„Die meisten leben gerne hier“

Jahrelanger Abriss und eine schrumpfende Einwohnerschaft – trotzdem fühlen sich die meisten Neu-Schmellwitzer wohl in ihrem Stadtteil, sagt Stadtteilmanagerin Karin Kühl.
Jahrelanger Abriss und eine schrumpfende Einwohnerschaft – trotzdem fühlen sich die meisten Neu-Schmellwitzer wohl in ihrem Stadtteil, sagt Stadtteilmanagerin Karin Kühl. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Seit zehn Jahren hat das Stadtteilmanagement sein Ohr an Neu-Schmellwitz. Von Daniel Schauff

Ein paar Probleme gibt es, die immer wieder aufkommen, sagt Karin Kühl. Sperrmüll etwa, Abfall an den Straßenecken, des Öfteren auch Ambrosia-Wildwuchs auf den Grünflächen zwischen den Plattenbauten – ansonsten aber kämen die Menschen mit ganz persönlichen Problemen in den Neu-Schmellwitzer Stadtteilladen. Karin Kühl ist seit zehn Jahren Stadtteilmanagerin in Neu-Schmellwitz, dem Stadtteil, der neben Sachsendorf am ärgsten vom Stadtumbau betroffen ist. Tausende Wohnungen sind seit kurz nach der Wende abgerissen worden – wo einst reihenweise Plattenbauten in den Himmel ragten, liegen nun riesige Grünflächen.

„Die meisten leben gerne hier“, sagt die Stadtteilmanagerin. Sie eingeschlossen – Karin Kühl ist in den 80er-Jahren nach Neu-Schmellwitz gezogen, lebt immer noch dort und fühlt sich wohl. „Der Frieden macht es aus“, sagt sie. Klar gebe es auch Ärger, mit Deutschen wie mit Geflüchteten, der aber halte sich in Grenzen. Von der Revierpolizei habe sie gerade erst die Bestätigung bekommen – Neu-Schmellwitz sei ein friedliches Pflaster.

Und ein junges. „Wir sind einer der jüngsten Stadtteile“, sagt Karin Kühl. Ein Fakt, der kaum zum Image des Stadtteils passt. „Neu-Schmellwitz wurde über lange Zeit schlechtgeredet“, sagt die Stadtteilmanagerin. Abrisskulisse, Einwohnerrückgang, wenig Farbe an den Fassaden – das Stadtteilmanagement stellt sich seit Langem dagegen. Zwischen 2010 und 2016 ist ein Bürgergarten entstanden, die Verschönerung der Grünflächen mit Neu-Schmellwitzern gehört zur Arbeit des Stadtteilmanagements.

4335 Menschen lebten laut Stadtverwaltung mit Hauptwohnsitz im November 2017 in Neu-Schmellwitz. Einst war das Quartier als Wohngebiet für über 13 000 Menschen gedacht. „Egal, wie viele Menschen hier sind, sie alle haben eine Zukunft zu haben“, sagt Karin Kühl.

Seit 2008 ist Neu-Schmellwitz Gebietskulisse Soziale Stadt. Heißt: Es fließen Fördermittel von Bund, Land und Stadt in den Stadtteil. Das Stadtteilmanagement wird dadurch erst möglich. In Neu-Schmellwitz fungiert die Regionalwerkstatt Brandenburg als Träger. Neu-Schmellwitz ist unter den Soziale-Stadt-Kulissen eine Besonderheit, betont Doreen Mohaupt, bei der Stadtverwaltung zuständig für die Stadtentwiclung. Investitionen kann es in einer noch bestehenden Abrisskulisse nicht geben, Stadt und Stadtteilmanagement müssen also mit dem arbeiten, was in Neu-Schmellwitz noch vorhanden ist. Und das offenbar mit Erfolg. „Wer den Stadtteil 2006 gesehen hat und mit heute vergleicht, der sieht, dass sich einiges getan hat“, sagt Karin Kühl. Einen nicht gerade kleinen Anteil daran sieht sie in der Arbeit des Stadtteilmanagements und des offenen Netzwerks, das bereits seit 2006 in Neu-Schmellwitz besteht und sich auf die Fahnen geschrieben hatte, ehrenamtlich die sozialen Herausforderungen durch den Stadtumbau anzupacken. Akteure aus unterschiedlichen Bereichen treffen sich auch jetzt noch einmal im Monat, um gemeinsam Aktivitäten zu organisieren: Am Bürgerfest sind sie beteiligt, am Frühjahrsputz, am regelmäßigen „Frühstück 50+“ für Neu-Schmellwitzer jenseits der 50 Lebensjahre. Den engen Kontakt zur Stadtverwaltung betonen sowohl Karin Kühl als auch Doreen Mohaupt.

„Auf Augenhöhe“ – so beschreibt Ivette Kirschner, Geschäftsführerin der Regionalwerkstatt Brandenburg, das Erfolgsrezept des Stadtteilmanagements in Neu-Schmellwitz. Viele Probleme, mit denen die Bewohner täglich konfrontiert seien, kenne auch sie selbst, sagt Karin Kühl und könne sich umso besser darum kümmern. Mit Freunde offenbar, denn nach zehn Jahren sagt sie: „Ich höre nicht auf. Ich mache weiter.“