ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:36 Uhr

Kunstszene Cottbus
Angekündigter Abschied

 Zwei Hauptakteure in der Galerie Haus 23: Jörg Sperling und Matthias Körner (v.l.). Sie verantworten die letzte Ausstellung des Hauses.
Zwei Hauptakteure in der Galerie Haus 23: Jörg Sperling und Matthias Körner (v.l.). Sie verantworten die letzte Ausstellung des Hauses. FOTO: Peggy Kompalla
Cottbus. Das Haus 23 öffnete im Jahr 1989 als erste private Galerie in Cottbus. Nach 30 Jahren zeigt sie nun die letzte Ausstellung. Damit endet eine Ära. Von Peggy Kompalla

Es ist ein angekündigter Abschied: Die Galerie Haus 23 eröffnet am Freitag ihre letzte Ausstellung. Gezeigt werden die Arbeiten von 30 Künstlern, die dem Haus in den vergangenen 30 Jahren verbunden waren. Damit wird die Schau zur Retrospektive für die Galerie selbst. Die öffnete im Spätsommer 1989, als die DDR in ihren letzten Zügen lag und bot Künstlern in Cottbus einen neuen Freiraum. Die unabhängige Galerie prägte über Jahrzehnte die Kunstszene der Stadt und weit darüber hinaus.

Der schwarze Pulli spannt über dem breiten Kreuz, ist schweißnass. Hans-Georg Wagner wuchtet eine Skulptur die steile, enge Holztreppe hinauf. Der Bildhauer schnauft unter der Last seiner eigenen Arbeit. Jörg Sperling packt mit an. Der Kunstwissenschaftler organisiert und kuratiert gemeinsam mit dem Maler Matthias Körner die letzte Schau des Hauses. „Dabei sind die 30 Künstler, die uns wichtig sind, die hier Akzente gesetzt haben“, sagt Körner.

Nach der Bedeutung des Hauses gefragt, antwortet der Bildhauer Wagner prompt: „Die Galerie war für mich lange eine Reibefläche. Ich habe immer auf eine Einladung gewartet.“ Kurze Pause. „Irgendwann ist sie ja gekommen.“ Allerdings sei er auch jemand, der Widerstände brauche. „Ich wollte nie Teil einer Szene sein. Ich bin eher ein Eigenbrötler.“ Das aufzugeben, habe sich dann doch gelohnt. Die Galerie wurde ein wichtiger Bezugspunkt für den Cottbuser Bildhauer. Wehmut? Fehlanzeige. „Jede Sache hat ihre Zeit“, sagt Wagner. „Die Sehgewohnheiten ändern sich. Die Leute brauchen vielleicht einen neuen Ort.“

Sentimentalität lassen auch Sperling und Körner nicht aufkommen. Der Entschluss für das Ende bleibt für sie auch kurz vor der letzten Ausstellung richtig. Der Maler sagt kritisch: „Die Bedeutung fehlt. Die Übersättigung ist spürbar.“ Zudem verteile sich die Galeriearbeit auf zu wenigen Schultern. Und der Nachwuchs bleibe aus – sowohl im Trägerverein, als auch bei den Künstlern, die in dem Haus ausstellen wollen. Sperling ergänzt: „Die Galerie hat schon seit Längerem einiges vom Charme des Beginnens und Alternativen verloren.“

Ganz anders vor 30 Jahren: Damals gab es keine unabhängige Galerie in Cottbus. Überall guckte der Staat drauf. Autodidakten hatten keine Chance, ihre Arbeiten zu zeigen. Wegen dieser Enge suchten die beiden Bildhauer Thomas Herrmann und Manfred Reuter neue Freiräume. Sie wurden fündig in einem Abrisshaus mit der Adresse Marienstraße 23. Die Kunstfreundin Elke Dieminger kaufte das Haus und deklarierte den Ort als Lagerraum für ihre Plessierbrennerei, um vom eigentlichen Zweck abzulenken. „Damals herrschte eine Aufbruchstimmung“, erinnert sich Jörg Sperling. Die Eröffnung der Galerie am 15. September 1989 wurde als „Atelierfest“ tituliert. „Das war ein Trick“, erzählt der Kunstwissenschaftler. „Damit der Staat nicht so einfach eingreifen konnte, wie bei einer Ausstellung.“

Die Galerie trägt immer noch die Handschrift von Thomas Herrmann, der im Jahr 1992 in den Freitod ging. „Er hat immer auf Reduzierung gesetzt“, sagt Matthias Körner. Sein Blick schweift durch die Räume. „Das ist bei dem Ort so, aber auch bei der Kunst. Sie steht im Mittelpunkt, nicht das Brimborium.“ Gerade in den 90er-Jahren sei das Haus 23 damit ein Gegenpol zum Kunstmarkt gewesen. „Ob sich ein Werk verkauft, hat bei uns nie eine Rolle gespielt.“

 Die Galerie Haus 23 schließt nach 30 Jahren: Am Freitag eröffnet die letzte Ausstellung "30+XXX". Sie ist bis zum 30. September zu sehen.
Die Galerie Haus 23 schließt nach 30 Jahren: Am Freitag eröffnet die letzte Ausstellung "30+XXX". Sie ist bis zum 30. September zu sehen. FOTO: Peggy Kompalla
 Die Eingangstür zur Galerie Haus 23 und zur Kneipe Marie.
Die Eingangstür zur Galerie Haus 23 und zur Kneipe Marie. FOTO: LR / Peggy Kompalla
 Zwei Hauptakteure in der Galerie Haus 23: Jörg Sperling und Matthias Körner (v.l.). Sie verantworten die letzte Ausstellung des Hauses.
Zwei Hauptakteure in der Galerie Haus 23: Jörg Sperling und Matthias Körner (v.l.). Sie verantworten die letzte Ausstellung des Hauses. FOTO: Peggy Kompalla
 Die Eingangstür zur Galerie Haus 23 und zur Kneipe Marie.
Die Eingangstür zur Galerie Haus 23 und zur Kneipe Marie. FOTO: LR / Peggy Kompalla