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Aus dem Gerichtssaal
Prozessauftakt mit Hindernissen

Mit einer groß angelegten Aktion hatte die Polizei nach Zeugen in Cottbus gesucht.
Mit einer groß angelegten Aktion hatte die Polizei nach Zeugen in Cottbus gesucht. FOTO: Annett Igel-Allzeit
Cottbus. Holpriger Start im Verfahren um den Tod einer Cottbuser Rentnerin.

Bereits am 23. Oktober vorigen Jahres hatte der Prozess um den gewaltsamen Tod der 82-jährigen Rentnerin Gerda K. aus Cottbus vor dem Landgericht begonnen. Seitdem ist über den Verlauf des Verfahrens gegen einen jungen Syrer kaum etwas an die Öffentlichkeit gedrungen, weil die Cottbuser Jugendstrafkammer nichtöffentlich über den Fall verhandeln muss.

Ein von der Staatsanwaltschaft extra beauftragter medizinischer Gutachter hatte festgestellt, dass der Täter zur Tatzeit, im Dezember 2016, „nicht älter als 18 Jahre“ gewesen sein kann. Damit muss die Hauptverhandlung nach dem Jugendgerichtsgesetz unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt werden.

Nach Recherchen der RUNDSCHAU hat der Prozess bisher einigermaßen holprig angefangen. Die Beweisaufnahme hat noch nicht begonnen. Schon zu mehreren Verhandlungsterminen waren nach Angaben eines Gerichtssprechers Zeugen geladen worden. Sie mussten aber unverrichteter Dinge wieder nach Hause gehen. Stattdessen habe sich die Jugendstrafkammer nach Verlesung der Anklageschrift zunächst mit „mehreren Ablehnungsanträgen“ der Verteidigung befassen müssen. Dabei geht es in der Regel um Befangenheitsvorwürfe gegen das Gericht. Außerdem habe der Verteidiger des angeklagten Syrers die Unvollständigkeit der Gerichtsakten moniert und das offenbar zu Recht. Denn die Ankläger hätten dem Gericht Dokumente nachliefern müssen.

Erschwerend kam hinzu, dass ein Dolmetscher ausgetauscht werden musste. Der Angeklagte habe den Übersetzer nicht richtig verstanden, sagte der Gerichtssprecher. In Syrien wird meist ein syrischer Dialekt des Arabischen gesprochen. Vereinzelt gibt es auch Bevölkerungsgruppen, die syrisch sprechen, was sich von der arabischen Sprache unterscheidet.

Mit welchem Tempo es in dem Prozess weitergeht, ist bisher nicht absehbar. Die Anklage ist überzeugt, dass der Angeklagte die Rentnerin im Dezember 2016 ermordete, um Geld oder andere wertvolle Gegenstände in ihrer Wohnung zu erbeuten. Die Leiche der Frau war in ihrer Wohnung entdeckt worden, nachdem die Rentnerin nicht bei einer Weihnachtsfeier ehemaliger Kollegen erschienen war.