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E-Mobilität in der Lausitz
Cottbus mit wenig Energie

Die beliebteste Stromtankstelle in Cottbus befindet sich direkt vor dem Stadthaus. Dort müssen Elektro-Auto-Fahrer schon mal warten bis sie an der Reihe sind. Besonders ärgerlich ist es dann, wenn ein Verbrenner die Zapfsäule zuparkt.
Die beliebteste Stromtankstelle in Cottbus befindet sich direkt vor dem Stadthaus. Dort müssen Elektro-Auto-Fahrer schon mal warten bis sie an der Reihe sind. Besonders ärgerlich ist es dann, wenn ein Verbrenner die Zapfsäule zuparkt. FOTO: Patrick Pleul / dpa
Cottbus. Es fehlt öffentliche Infrastruktur für E-Autos. Andere Städte und Regionen machen es besser.

Michael Heger hat es nicht bereut, sich ein E-Auto zuzulegen. Nach gut drei Monaten und 3300 zurückgelegten Kilometern möchte er seinen Elektroflitzer nicht mehr hergeben. Doch ausgerechnet in der Energieregion Lausitz ist es mit der Energie nicht weit her. In Cottbus gibt es gerade einmal zwei öffentliche Ladestationen. Forst mache da Einiges besser und andere Regionen sind weit vorn.

Michael Heger schwärmt neuerdings von Usedom. Dorthin ist der Cottbuser mit seinem Elektro-Auto jüngst in den Urlaub gefahren. „Ist man erst mal aus der Lausitz raus, wird es einfacher“, sagt er ganz nüchtern. „Usedom ist das Elektro-Auto-Traumziel. Dort gibt es überall bequem zu erreichende Ladestationen. Da kann man sogar in der zweiten Reihe zur Strandpromenade kostenlos parken und gleichzeitig laden, während in Cottbus vor dem Stadthaus regelmäßig Schlangestehen angesagt ist.“

Die Ladestation in der Innenstadt wird vom Energiekonzern Leag betrieben und ist der attraktivste Anlaufpunkt in Cottbus. Die zweite öffentliche Ladestation gehört dem Stromversorger enviaM und befindet sich in ihrer Kolkwitzer Zentrale am Annahofer Graben unweit von Meiers Obsthof. An beiden Stationen gibt es den Strom kostenlos. „Aber darum geht es gar nicht“, betont Michael Heger. „Mir ist klar, dass der Strom irgendwann überall etwas kosten muss. Aber in der Lausitz fehlt einfach die Infrastruktur.“

Dabei gibt es in Cottbus laut dem Internet-Stromtankstellen-Verzeichnis GoingElectric noch sechs weitere Ladestationen in der Stadt. Die gehören allerdings in der Mehrzahl Autohäusern oder Hotels und sind meist den Kunden und Gästen vorbehalten oder nur zu den Öffnungszeiten nutzbar. Auch die Säulen auf dem Uni-Campus sind nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. „Das ist alles ziemlich unübersichtlich“, gibt Michael Heger zu. „Besonders ärgerlich ist es dann, wenn ein Verbrenner die Ladestation zuparkt.“ Mit Verbrenner meint er Benziner oder Dieselautos. Wer in der Region mit einem Elektroauto unterwegs ist, muss also deutlich mehr Aufwand betreiben, um an Saft zu kommen. „Echte Entlastung könnte das neue Parkhaus am Carl-Thiem-Klinikum bringen“, berichtet Michael Heger. Die dort geplanten fünf Ladesäulen stehen allerdings noch nicht. Die Montage ist für das nächste Jahr geplant. „Die Parkplätze sind zumindest schon abgeklebt.“

Das kleine Forst hat im Gegensatz zur Großstadt Cottbus am Montag am Kreishaus seine dritte öffentliche Stromtankstelle in Betrieb genommen. Am Rathaus und am Rosengarten befinden sich die beiden weiteren Ladestationen. „Die Stadtwerke Forst bieten zudem Autostromverträge für zu Hause an. Etwas Vergleichbares gibt es in Cottbus leider noch nicht“, sagt der Cottbuser.

Laut Statistik gehört Michael Heger zu einer Minderheit. Demnach sind derzeit gerade einmal 27 Elektroautos mit Cottbuser Kennzeichen unterwegs – davon dürfte ein großer Teil Firmenwagen sein, auch die Stadtverwaltung ist mit Elektroautos unterwegs. Dafür sind im Rathaus-Hof Ladestationen aufgestellt worden. Im Spree-Neiße-Kreis sind 36 Elektrofahrzeuge zugelassen.

Michael Heger lässt seine Gedanken schweifen. „Es wäre doch schön, wenn einer der Discounter oder Einkaufsparks in Cottbus Stromtankstellen aufstellen würde. Dann könnte man Tanken und Einkaufen gut verbinden. Auch am Kino wäre so etwas nicht schlecht.“ Es gibt also noch viel zu tun in Cottbus.