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Cottbus legt Hand auf Außenpark

Cottbus. Die Stadt will Bauspekulationen mit einem Bebauungsplan für den Branitzer Außenpark einen Riegel vorschieben. Sie sieht das angestrebte Unesco-Weltkulturerbe in Gefahr. Peggy Kompalla

Eine neu gegründete Branitz Garden GmbH mit Sitz in Berlin hat für fast eine halbe Million Euro die mit verfallenen Gewächshäusern versehenen zwölfeinhalb Hektar in der Branitzer Siedlung gekauft. Bestes Bauland, mitten im Denkmalbereich des Branitzer Parks liegt. Genau das ist Problem, mit dem sich das Stadtparlament im September beschäftigten muss.

Die Stadt will möglichen Bauspekulationen einen Riegel vorschieben, indem sie nun einen Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan für das Areal vorlegt. Was zunächst widersprüchlich klingt: Sie kann auf dieser Grundlage Baugesuche ablehnen und eine Veränderungssperre erlassen. Mit einer Satzung über das Besondere Vorkaufsrecht kann ein weiteres Sicherungsinstrument aktiviert werden.

Aus Sicht der Stadt handelt es sich beim Erhalt des Außenparks nicht um eine Schönheitsfrage, sondern um die Zukunft: "Dem Erbe Pücklers in Cottbus wird spätestens seit der Wiedervereinigung Deutschlands höchster Stellenwert gegenüber privatwirtschaftlichen Interessen eingeräumt."

Nach Einschätzung der Stadt wird das positive Bild von Cottbus im Wesentlichen von der Branitzer Park- und Kulturlandschaft geprägt, die zudem ein Denkmal von internationalem Rang ist. Deshalb bemühen sich Stadt und Land um die Aufnahme des Branitzer Parks ins Weltkulturerbe der Unesco. Mit dem Ostsee ist die Stadt darüber hinaus Bauherrin über eine große Landschaftsbaustelle, "welche den Anspruch erhebt, das Pücklersche Erbe mit seinem landschaftsgestalterischen hohen Anspruch fortzuführen". Beide Orte finden in Zukunft über den Branitzer Außenpark eine Verbindung.

Pücklers Parklandschaft lebe von der Gliederung zwischen den freien Flächen des Außenparks und den Siedlungsstrukturen. Deshalb stelle sowohl der Bau der ehemaligen Gärtnerei in den 60er-Jahren als auch die Anpflanzung des Grünschutzgürtels für den einst geplanten und später aufgegeben Tagebau Cottbus-Süd "äußerst gravierende Eingriffe" in das Landschaftsgefüge dar. Die Stadt erklärt: "Ziel ist es deshalb an dieser Stelle die Beseitigung störender Strukturen und die Wiederbelebung der Parklandschaft nach historischem Vorbild zur Bewahrung eines der bedeutendsten Landschaftsparks Europas."

Maßgebliches Entwicklungsziel für die im aufzustellenden Bebauungsplan erfasste Fläche von rund 29 Hektar ist Pücklers Gedanke der Ornamental Farm - also gestalteter Feldflur im Wechsel von gärtnerischer, land- und forstwirtschaftlicher Nutzung. Erschlossen wird der Außenpark durch den Drive - den Umfahrungsweg. Einen Teil dieses Weges zwischen Torhaus und Branitzer Siedlung hat die Stadt bereits wiederhergestellt. Der Plan ist, den Weg östlich der Liebermannstraße - und damit auf dem Gelände der alten Gärtnerei - fortzuführen. Die Stadt erklärt dazu: "Der Drive hat auf dem Weg der Erlangung des Titels Unesco-Weltkulturerbe für die Branitzer Parklandschaft allerhöchsten Stellenwert."

Zum Thema:
Der ehemalige Betrieb Cottbuser Gartenbau e. G. an der Forster Straße wurde in den 1960er-Jahren mitten im Branitzer Außenpark errichtet. Das Gelände wurde nach 1990 an einen niederländischen Investor verkauft, die Produktion allerdings eingestellt. Seit mehr als 20 Jahren verfällt das Areal. Der Stadt zufolge ist damit der Bestandsschutz für die Anlage erloschen. Vandalismus, Brände und Verfall haben in den Jahren 2016 und 2017 zu ordnungsbehördlichen Verfahren geführt, die Mängel aber nicht beseitigt.