Von Peggy Kompalla

Für ihre Bachelor-Arbeit müssen sie auf die Jagd gehen – mitten in Cottbus. Dafür stellen die beiden Studierenden Christian Freund und Sabina Harcenkova Fallen auf. Sie sammeln in den nächsten Wochen Krabbelgetier auf acht Grünflächen, die unterschiedlich intensiv gemäht werden. Die jungen Wissenschaftler wollen herausfinden, welchen Einfluss die Grünpflege auf die Insekten- und Spinnengemeinschaften haben. Dabei sind ihre Erkenntnisse nicht nur für ihren Abschluss wichtig, sondern fließen auch in ein großangelegtes Projekt ein. Im Rahmen von Green Urban Labs (Grüne städtische Labore) sucht die Stadt Cottbus alternative Pflegekonzepte für Freiflächen in Schmellwitz und wird dabei vom Bund unterstützt.

Prof. Dr. Klaus Birkhofer führt seine Schützlinge in die Feldarbeit ein. Er betreut die Bachelor-Arbeiten der beiden. Auf der Wiese hinter dem ehemaligen Haus der Armee wirft Christian Freund ein rotes Fähnchen über die Schulter. Es segelt zu Boden. Der Punkt wird eine Ecke des zehn Mal zehn Meter breiten Untersuchungsfeldes. An den vier Ecken werden die Bodenfallen aufgestellt. „Der Zufall ist wichtig“, erklärt der Ökologie-Professor. Ansonsten würde ein Vorauswahl das Ergebnis verfälschen. Danach geht es an die Muskelarbeit. Löcher müssen ausgehoben werden. Das ist nicht immer leicht, im trockenen Lausitzer Boden. In den Löchern müssen die Plastikbecher bis zum Rand verschwinden. „Es dürfen keine Erhebungen am Rand entstehen“, erklärt Klaus Birkhofer den Studenten. Das würde die Insekten vom Weg abbringen und das Fangergebnis deutlich mindern. Damit keine Mäuse in den Fallen ertrinken, kommt ein Gitter in die Becher. Dann werden die Koordinaten aufgenommen, die Vegetation und Bedingungen direkt im Umfeld der einzelnen Fallen beschrieben. Und weiter geht es.

Auf acht Grünflächen in Schmellwitz und Sachsendorf bauen die Studenten die Fallen auf. Die meisten Stücke sind in kommunaler Hand, einige gehören den Wohungsunternehmen GWC, eG Wohnen und Wisag. Die Vermieter begleiten die Forschungsarbeit der Stadt wohlwollend. „Auf gut der Hälfte der Flächen wird gar nicht gemäht“, erklärt der Professor. Er erwartet deutliche Unterschiede – sowohl in der Anzahl der Individuen als auch der Arten – im Vergleich zu den Flächen, die mehrfach gemäht werden. Dabei haben die Studenten die Bodenlebewesen im Blick – Wanzen, Zikaden, Spinnen, Laufkäfer. „Schmetterlinge, Hummeln und Wildbienen lassen wir außen vor“, erklärt Klaus Birkhofer. „Wir werden nach der Untersuchung Aussagen darüber machen können, welche Auswirkungen die verschiedenen Bewirtschaftungsformen auf die Insekten und Spinnen haben werden.“

Christian Freund ist aus Karlsruhe an die BTU nach Cottbus gekommen – wegen des internationalen Studienganges Umwelt- und Ressourcenmanagement. „Mich interessieren die Zusammenhänge zwischen Umweltwissenschaften und Wirtschaft“, erklärt er. Nach dem sechsten Semester steht nun der erste Abschluss an. Ein Forschungsfeld direkt vor Ort könne genauso spannend sein, wie etwa in Namibia, wo er auch bereits mit der BTU auf ökologischer Exkursion war. Der Studiengang biete zudem viel interdisziplinäre Arbeit. Das bestätigt der Professor: „Hier muss man über den Tellerrand schauen und immer wieder mit den Hydrologen oder den Bodenfachleuten zusammenarbeiten.“ Die Proben, die die Bachelor-Studenten auf den Cottbuser Wiesen nehmen, werden auch nach der Auswertung aufbewahrt. „Sie können also auch in Zukunft noch für weiterführende Auswertungen herangezogen werden“, versichert Professor Birkhofer.