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Kurios, traurig, freudig
Cottbuser Kripo-Chef plaudert aus dem Nähkästchen

4000 Euro Falschgeld führten die Ermittler bis nach Bulgarien.
4000 Euro Falschgeld führten die Ermittler bis nach Bulgarien. FOTO: Andreas Arnold / dpa
Cottbus. Falschgeldflut und ein Kind im Kühlschrank: Der Chef der Kripo der Polizeidirektion-Süd in Cottbus spricht über außergewöhnliche, spektakuläre und ungelöste Kriminalfälle des Jahres 2017 in der Lausitz. Von Daniel Schauff

4000 Euro – wertlos. Ein Cottbuser wollte sein altes Auto verkaufen, ein angeblicher Händler aus Guben hatte sich bei ihm gemeldet. Er wolle das Auto in Osteuropa weiterverkaufen. Es gab ein Treffen, der Käufer packte die Scheine auf den Tisch und verschwand. Beim nächsten Einkauf merkte der Cottbuser Autoverkäufer: bei den 4000 Euro handelte es sich um Falschgeld. Eine Anzeige bei der Polizei folgte, die betrieb einigen Aufwand, um Spuren am Falschgeld zu sichern. Treffer: Fingerabdruck. Der führte die Ermittler schließlich nach Bulgarien, wo gerade eine ordentliche Falschgelddruckerei aufgebaut worden war.

Marco Mette, Leiter der Kriminalpolizei der Polizeidirektion Süd in Cottbus, erinnert sich an den Freudenschrei der Kollegin nebenan. Für die RUNDSCHAU hat er sich durch die Fälle des vergangenen Jahres gewühlt. Spuren, sagt er, seien nach wie vor das Wichtigste bei polizeilichen Ermittlungen. Die würden nicht nur bei Falschgeldfällen helfen, auch bei Einbrüchen.

„Wir konnten eine ganze Reihe von Wohnungseinbrüchen in der Cottbuser Innenstadt aufklären“, sagt Mette. Nicht zuletzt das noch ziemlich frische „Sachgebiet BTM“, Kollegen, die sich um Rauschgiftkriminalität und die damit verbundene Beschaffungskriminalität kümmern, erklärt der Kripo-Chef. Die meisten dieser Fälle hingen mit Crystal zusammen – Südbrandenburg und damit auch Cottbus seien nach wie vor Hochburgen der gefährlichen Synthetikdroge. „Wir wissen, wer mit wem unterwegs ist“, sagt Mette und meint damit die Mitglieder der Cottbuser Drogenszene. Ausgemerzt hat sie die Polizei nicht, das gibt der Kripo-Chef unumwunden zu: „Es kommen immer neue Crystal-Konsumenten dazu“, sagt er. Drogen und Beschaffungskriminalität werden auch weiterhin ein Dauerthema für die Polizei bleiben, kündigt er an, freut sich gleichzeitig auch jetzt noch über das Gesicht des Diebstahlopfers, dem die Beamten die gestohlene teure Ski-Ausrüstung wiedergeben konnten.

Eine Baufirma hatte einen Brief ans Innenministerium verfasst und sich für den Ermittlungserfolg der Polizei an oberster Stelle bedankt. Der Firma waren Lkw abhanden gekommen, die später im Ausland sichergestellt werden konnten. Auch das sei eine positive Nachricht aus 2017, sagt Mette. Die Zusammenarbeit mit den polnischen Kollegen laufe immer besser – eine Einschätzung, die auch seine Kollegen in den Grenzstädten Guben und Forst teilen. Trotzdem: Autodiebstahl sei nach wie vor ein Problem für die Beamten in Cottbus und Region.

Mette blättert weiter durch die Akten auf der Suche nach den polizeilichen Höhepunkten des vergangenen Jahres. Er stößt auf den Fall eines 13-jährigen Jungen, untergebracht in einem Jugendheim, der plötzlich verschwunden war. Die Heimleitung hatte schon im Dezember 2016 eine entsprechende Anzeige bei der Polizei gemacht, immer wieder suchten die Beamten den Jugen, mehrmals auch bei dessen Vater. Der hatte das Sorgerecht für das Kind verloren, auch die Mutter durfte den Jungen nicht großziehen. Eingermaßen sicher war sich die Polizei derweil, dass der Junge kein Opfer einer Straftat geworden war – gleich mehrere Meldungen gingen ein, denen zufolge der Junge in der Cottbuser Innenstadt gesehen worden sei. Rund ein Dreivierteljahr nach dem Verschwinden des 13-Jährigen aus dem Heim versuchten die Beamten es erneut beim Vater. Einer der Polizisten kam auf die Idee, im Kühlschrank nachzusehen, wo sich der Junge tatsächlich versteckte – offenbar jedes Mal, wenn die Polizei vor der Tür stand.

Ein kurioser Fall, der allerdings auch den Kripo-Chef zum Nachdenken bringt: „Wir haben damit keinen glücklich gemacht“, sagt Mette. Das Jugendamt könne nicht anders, als den Eltern das Kind wegzunehmen, Vater und Sohn wollten aber zusammen sein. Zum Wohl des 13-Jährigen gehe das aber nicht. Mittlerweile ist der Junge in einem anderen Heim untergebracht, weit weg von Cottbus. Und wird erneut gesucht, sagt Mette: „Der Kühlschrank des Vaters fällt jetzt wohl weg.“

Über laufende Ermittlungen kann der Kripo-Chef nicht mit der RUNDSCHAU reden. Als besonders tragischer Fall bleibt der Tod der ägyptischen Studentin Anfang 2017 vielen Cottbusern in Erinnerung. Auch die Brandserie in Schmellwitz sorgte für Aufsehen. Da stehe man kurz vor dem Abschluss der Ermittlungen, verrät Mette.

Als Erfolg könne er die Maßnahmen in Folge der immer häufigeren Auseinandersetzungen zwischen Deutschen und Flüchtlingen vor allem auf dem Stadthallen-Vorplatz verbuchen. „Die haben gewirkt“, bilanziert Mette und betont, dass das nicht nur der Verdienst der Polizei sein. „Da haben viele zusammengearbeitet“, sagt der Kripo-Chef. „Das schaffen andere Städte nicht.“