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| 15:58 Uhr

Cottbus
Kohlehaufen verpestet die Luft

 Das erste Tuch zeigt das morgendliche Putzergebnis auf dem Glastisch, das zweite die Verschmutzung wenige Stunden später.
Das erste Tuch zeigt das morgendliche Putzergebnis auf dem Glastisch, das zweite die Verschmutzung wenige Stunden später. FOTO: privat
Cottbus. Die Halde sorgt seit Monaten für Ärger bei den Anwohnern. Sie leiden unter dem Dreck.

Thomas Waldt hat die Nase voll. Wortwörtlich. Seit er vor rund einem Jahr sein neu gebautes Einfamilienhaus in der Peitzer Straße bezogen hat, leidet er unter akuter Luftverschmutzung. „Wenn ich mit die Nase putze – alles schwarz. Auf der Haut – ein öliger schwarzer Film. Möbel, Fenster, selbst unser weiß-roter Kater ist total schwarz.“

So wie Thomas Wald geht es vielen Anwohnern in der Peitzer Straße: Auf der gegenüberliegenden Seite des Stadtrings lagert ein Brennstoffhändler Kohlenstaub. Im Internet kann man sich die riesige Halde über Google Earth anschauen, sie wächst beständig.

Anwohnerin Simone Melcher: „Vor vier Jahren haben wir es das erste Mal bemerkt. Damals haben uns die Ämter gesagt, der feine schwarze Staubfilm rühre von der Mohnblüte her.“ Seit gut einem Jahr aber ist die Luftverschmutzung in der Gegend zu einem Dauerproblem geworden, egal ob der Mohn gerade blüht oder nicht.

Thomas Wald steht seit elf Monaten in intensivem Kontakt mit unterschiedlichen Behörden. „Bisher konnte mir niemand sagen, wer überhaupt zuständig ist“, sagt er zornig. Zwar habe der Brennstoffhändler die Auflage bekommen, seine Halde mit einer Plane abzudecken. „Aber die ist inzwischen längst wieder eingerissen“, klagt Waldt. Außerdem bedeckt sie nur etwa ein Drittel des Staubhaufens.

„Jeder Windstoß reicht aus, um die Kohlenstaub aufzuwirbeln und zu uns zu tragen“, sagt Thomas Waldt. Die Familien aus der Nachbarschaft haben ihn zu ihrem Sprecher gemacht. „Weil wir uns alle um unsere Gesundheit sorgen“, sagt er. Und seine Frau ergänzt: „Man kann sich gar nicht vorstellen, wie sehr wir unter dem Schmutz leiden. Wir können draußen keine Wäsche aufhängen, uns nicht mit hellen Hosen auf die Möbel setzten. Alles ist sofort schmutzig.“

Simone Melcher traut sich inzwischen kaum noch, ihre Freunde einzuladen. „Man schämt sich ja, weil alles so dreckig ist. Doch kaum hat man geputzt, ist der Schmierfilm wieder da.“

Auf Nachfrage bestätigt das Landesumweltamt, dass der Fall tatsächlich schon seit knapp einem Jahr bekannt ist. Behördensprecher Thomas Frey erklärt, dass die Zuständigkeit juristisch schwer zu klären war. Jetzt aber habe sich herausgestellt, dass es sich bei dem Brennstoffhandel, der den Kohlestaubberg lagert, um eine Altanlage handelt, deren Überwachung in der Verantwortung des Landesamtes für Umwelt liegt.

Frey kündigt eine sofortige Anhörung des Betreibers an. Dabei werden dem Betreiber Maßnahmen vorgeschlagen, die Abhilfe schaffen können. Aus Sicht des Amtes könne das die vollständige Abdeckung des Kohlenstaubhaufen mit einer witterungsfesten Plane sein,  die auch bei stärkeren Wind nicht „abhebt“. Auch eine Lagerung des Kohlenstaubes in abgedeckten Containern sei denkbar.

Auf jeden Fall, so Frey, werde das Amt aufgrund der schon länger währenden Beschwerdesituation auf eine kurzfristige Umsetzung der vereinbarten Maßnahmen drängen.

Adrian Kahl, Geschäftsführer des Brennstoffhandels, wundert sich. Bei ungünstigem Wind werde der Kohledreck tatsächlich aufgewirbelt. „Früher hat sich nie jemand beschwert, der Staub stört nur die neu Zugezogenen.“ Neue Planen will er trotzdem auslegen. „Obwohl das für uns mit hohen Kosten und Aufwand verbunden ist.“

 Der Kohlenstaubhaufen am Stadtring wächst beständig.
Der Kohlenstaubhaufen am Stadtring wächst beständig. FOTO: LR / Hilscher