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| 20:07 Uhr

Stadtparlament hat zugestimmt
Cottbus kauft neue Straßenbahnen

Eine Straßenbahn aus Schokoteig und Marzipan gab es am Mittwoch zur Feier. Darüber freute sich Cottbusverkehrchef Ralf Thalmann (r.), sein Aufsichtsrat, der Oberbürgermeister und die Stadtparlamentsvize Karin Kühl.
Eine Straßenbahn aus Schokoteig und Marzipan gab es am Mittwoch zur Feier. Darüber freute sich Cottbusverkehrchef Ralf Thalmann (r.), sein Aufsichtsrat, der Oberbürgermeister und die Stadtparlamentsvize Karin Kühl. FOTO: Peggy Kompalla / LR
Cottbus. Mit großer Mehrheit und unter dem Applaus der Abgeordneten hat das Stadtparlament dem Kauf sieben neuer Straßenbahnen für Cottbus zugestimmt. Von Peggy Kompalla

Ralf Thalmann verrät mit einem Strahlen, dass ihn demnächst noch einige Nachtschichten erwarten. Die nimmt der Cottbusverkehrchef mit Freude in Kauf. Denn das Stadtparlament hat am Mittwoch mit nur einer Enthaltung dem Kauf von sieben Straßenbahnen zugestimmt. „Das ist ein Meilenstein in der Unternehmensgeschichte“, sagt der Geschäftsführer. Der Applaus im Hohen Haus ist also angebracht.

Seitdem Ralf Thalmann vor drei Jahren seinen Posten als Geschäftsführer bei dem städtischen Verkehrsbetrieb antrat, arbeitete und kämpfte er für diese Entscheidung. Genauso wie sein Vorgänger, der mit dem Langläuferprogramm den Straßenbahnbetrieb überhaupt aufrecht erhalten hat. Die 20 Bahnen bringen es mittlerweile auf 31 Jahre. Bereits heute ist nicht mehr auszuschließen, dass einzelne Fahrzeuge bei Schäden außer Betrieb genommen werden müssen – weil eine Reparatur nicht mehr lohnt oder schlicht Ersatzteile nicht mehr geliefert werden können. Deshalb denkt Ralf Thalmann im Stadthaus an seine Mannschaft: „In der Straßenbahnwerkstatt gibt es jetzt wieder freudige Gesichter, weil es endlich weitergeht.“

Die Entscheidung für den Kauf haben sich die Lokalpolitiker nicht leicht gemacht, wenn auch die Sympathie für die Sache in allen Parteien gleich groß ist. Immerhin werden für die neuen Fahrzeuge bis zum Jahr 2023 stolze 15,8 Millionen Euro fällig. Mit 8,4 Millionen Euro kommt mehr als die Hälfte aus der schmalen Stadtkasse. Das frisst fast den gesamten Investitions-Etat auf.

Cottbus bestellt gemeinsam mit den Verkehrsbetrieben Frankfurt (Oder) und Brandenburg an der Havel die neuen Fahrzeuge. Das macht die Bestellung nicht nur günstiger, sondern auch später die Wartung über eine gemeinsame Lagerhaltung und Spezialisierung der einzelnen Werkstätten. Frankfurt bestellt 13 Bahnen, Brandenburg vier und acht als Option. Cottbus schreibt neben den sieben Fahrzeugen noch 13 als Option auf den Bestellschein. Damit geben die drei Verkehrsbetriebe zunächst den Bau von 24 Straßenbahnen in Auftrag. Mit den Optionen umfasst die gemeinsame Bestellung 45 Fahrzeuge.

Das Land Brandenburg unterstützt Cottbus mit rund 6,4 Millionen Euro beim Kauf der sieben Bahnen. Für die 13 weiteren fehlt bislang jegliche Zusage oder gar Aussicht auf Förderung. Deshalb entspinnt sich am Mittwoch im Stadthaus ein Schlagabtausch. Eberhard Richter (Linke) wirbt zuerst dafür, dass sich alle Landtagsfraktionen für eine bessere Förderung einsetzen. „Dann würde Brandenburg endlich mit den restlichen ostdeutschen Bundesländern gleichziehen, die die Neuanschaffung von Straßenbahnen zwischen 40 und 60 Prozent fördern“, betont Richter. Wilfried Schreck (SPD) gibt seine Vision preis: „Ich hoffe, dass wir in den 20er- oder 30er-Jahren mit neuen Straßenbahnwagen an den Ostsee fahren.“ Joachim Käks (CDU) ruft daraufhin: „Da ihre Seite der Regierungskoalition angehört: Fassen Sie doch einfach einen entsprechenden Beschluss.“

Für Ralf Thalmann geht die Arbeit jetzt richtig los: Das Lastenheft muss fertiggestellt, Vereinbarungen zwischen den drei Verkehrsbetrieben geschlossen werden. Das ist die Voraussetzung für die europaweite Ausschreibung. „Dann können wir im Dezember den Auftrag auslösen.“ Dann wird die Anzahlung fällig.