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Cottbus ist Radklau-Hochburg

Der Deutsche Städtetag fordert, die Räder besser zu schützen - aber wie? Foto: Friso Gentsch/Archiv
Der Deutsche Städtetag fordert, die Räder besser zu schützen - aber wie? Foto: Friso Gentsch/Archiv
Cottbus. Cottbus ist bundesweit die Hochburg der Fahrraddiebe. Das geht aus einer Studie des Online-Vergleichsportals billiger.de hervor, das 100 Städte untersucht hat. Besonders dramatisch ist der Anstieg der Delikte in Cottbus. Täglich verschwinden im Schnitt fünf Fahrräder. Das hat auch Auswirkungen auf Spree-Neiße. Peggy Kompalla

Es gibt Ranglisten, auf die Städte wohl gern verzichten würden. Auf ebenso einer ist Cottbus nun gelandet und sogar auf Platz eins vorgerückt. Im Jahr 2014 war die Lausitzer Großstadt Deutschlands Fahrradklau-Hochburg. Das belegt eine Studie des Internetvergleichsportals billiger.de. Damit setzt Cottbus den Trend aus den Vorjahren fort. Denn 2013 landete die Stadt in einem ähnlichen Ranking auf Platz zwei.

In Cottbus verschwanden im Jahr 2014 laut der Statistik 2022 Fahrräder. Auf die Einwohnerzahl hochgerechnet katapultiert das die Stadt auf Rang eins. Zumal die Straftaten mit einem Plus von 385 im Vergleich zu 2013 noch einmal deutlich zugelegt haben.

Den typischen Fahrraddieb gibt es in Cottbus nicht. Das erklärt Polizeisprecher Ralph Meier. "Die Motive reichen von Beschaffungskriminalität für den Drogenkonsum bis hin zur einfachen Bereicherung." Auch gebe es keine bestimmten Marken, die Raddiebe im Blick hätten. "Abgesehen von gezielten Diebstählen hochwertiger Räder kann praktisch jeder Fahrradbesitzer Opfer eines Diebstahls werden. Als Hehlerware spielt der tatsächliche Wert oftmals eine untergeordnete Rolle", erklärt Meier.

Polizeidirektorin Bettina Groß sieht jedoch einen Zusammenhang zwischen dem Anstieg der Diebstähle und der Drogenkriminalität. "Die Abhängigen finanzieren über den Verkauf von Diebesgut ihre Sucht." Der Druck auf die Abhängigen sei groß. Demnach kostet eine Tagesration Crystal Meth zwischen 50 und 100 Euro. Zudem seien die Betroffenen innerhalb weniger Wochen nicht mehr arbeitsfähig. Tatsächlich stammt in Cottbus die große Mehrzahl der Tatverdächtigen aus der Stadt oder der Region - nämlich zwei Drittel.

In Cottbus gibt es der Polizei zufolge nur einen Klau-Schwerpunkt: Das ist der große Fahrradständer am Hauptbahnhof. Der Polizeisprecher konstatiert jedoch: "Es gibt praktisch keinen Ort, an dem Fahrräder nicht gestohlen werden."

Die Erfahrung zeigt, dass der Zeitfaktor für Diebe entscheidend ist. "Benötigt ein Dieb mehr als drei Minuten, um ein Rad zu stehlen, lässt vor allem der Gelegenheitsdieb die Hände davon", heißt es in der Studie. Deshalb sei ein stabiles Schloss ein Muss. Zudem sollte das Rad an einen festen Gegenstand angeschlossen sein.

Die Cottbuser Klau-Hochburg hat offenbar Auswirkungen aufs Umland. Diesen Schluss legt die aktuelle Studie nahe. Denn die beiden Landkreise Spree-Neiße (1951 Diebstähle) und Oberspreewald-Lausitz (1307) führen die Kreis-Rangliste an.