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| 17:05 Uhr

Cottbus
Das ist die bunteste WG der ganzen Stadt

Im Dachgeschoss der Wohnungen findet das WG-Leben statt. Hier quatschen oder kochen die acht Bewohner zusammen mit ihren Freunden.
Im Dachgeschoss der Wohnungen findet das WG-Leben statt. Hier quatschen oder kochen die acht Bewohner zusammen mit ihren Freunden. FOTO: Stephan Meyer / LR
Cottbus. In den oberen Stockwerken des alten Cottbuser Stadthauses ist eine internationale Wohngemeinschaft entstanden. Von Stephan Meyer

In den neu geschaffenen Wohnräumen im Alten Stadthaus geht es international zu. In einem zweistöckigen Appartement haben sich acht Personen aus fünf verschiedenen Ländern zusammengefunden. Die Bewohner stammen aus Deutschland, Brasilien, Chile, Türkei und Venezuela. Während Drei- oder Vier-Personen-WGs üblich sind, stellen achtköpfige Wohngemeinschaften doch eher eine Ausnahme dar. Im ehemaligen Stadthaus ist jedoch dieses Jahr eine Wohnung entstanden, die von vornherein für bis zu zehn Personen angelegt war. Die Idee dahinter stammt von Rocco Schmidt, Inhaber von APEX Projekt, welcher für die Verwaltung der Immobilie verantwortlich ist. Seit Mitte September ist das Appartement bezugsfertig. Probleme potentielle Mieter von dem Wohnkonzept zu überzeugen habe Schmidt nie gehabt. Mit Beginn des Wintersemesters der BTU sei die Anfrage groß gewesen, vor allem von ausländischen Studenten. Einer der Mieter ist der Architekturstudent Nils Humpert.

„Wenn ich Freunden erzähle, dass ich mit so vielen Personen in einer Wohnung lebe, werde ich oft gefragt, wie das denn funktioniere“, erzählt der 18-Jährige. „Aber ehrlich gesagt, habe ich vorher gar nicht so genau darüber nachgedacht“, gibt er ehrlich zu. „Ich ging immer davon aus, dass das irgendwie klappen wird.“ Da er aus einer großen Familie kommt, haderte er nie mit der Vorstellung in eine Vielpersonen-WG zu ziehen. Erst vor sechs Tagen ist, die aus der Türkei stammende, Ilkem Avci eingezogen. Die 20-Jährige hat in ihren Mitbewohnern bereits Freunde gefunden. „Gerade im ersten Semester finde ich es wichtig, mit mehreren Personen zusammenzuleben, um neue Leute kennenzulernen“, erklärt sie ihre Beweggründe in die WG zu ziehen. Masterstudentin Malena Sagemann aus Bremen schätzt ebenfalls die Gesellschaft. „Es ist immer jemand da, mit dem man sich unterhalten oder etwas unternehmen kann.“ Man sei füreinander da, findet auch Brasilianer Jeylson da Silva, der in einem Gastronomiebetrieb auf dem Altmarkt arbeitet. „Mir ging bei der Entscheidung in so eine große WG zu ziehen aber auch darum meine Deutschkenntnisse zu verbessern“, ergänzt er.

Probleme hätte es wegen der vielen Bewohner noch nicht gegeben. Zwei Bäder, zwei Küchen, sowie vier Kühlschränke reduzieren das Konfliktpotential ungemein. Außerdem kommt einmal die Woche eine Reinigungskraft in das Haus. Das gehört zum „All in One“-Konzept der Wohnungen. In der Miete sind unter anderem auch Kosten für einen Hausmeister und Internet enthalten.

In einer Wohngemeinschaft zu leben, ist vor allem für die Venezolanerinnen Ginely und Geliana sowie den Chilenen Gerardo etwas Besonderes. „In Chile geht es bei Studenten nur ums Überleben“, sagt Gerardo halb im Scherz. „Das Studium ist sehr teuer und üblicherweise lebt man bei seinen Eltern.“ Das sei auch in Venezuela üblich, erklärt Geliana. „Jedoch wird das Studium dort überwiegend von staatlichen Geldern finanziert.“

Vor allem die ausländischen WG-Bewohner schätzen an Cottbus die Ruhe und die kurzen Wege. „Besonders der Verkehr ist in Caracas stressig“, sagt Gineley „Hier brauche nur fünf Minuten, um zur Uni zu kommen.“

Im Alten Stadthaus auf dem Cottbuser Altmarkt ist, mit einer 4er- und einer 10er-W, neuer Wohnraum für Studenten, Azubis und Singles entstanden.
Im Alten Stadthaus auf dem Cottbuser Altmarkt ist, mit einer 4er- und einer 10er-W, neuer Wohnraum für Studenten, Azubis und Singles entstanden. FOTO: Stephan Meyer / LR