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| 15:35 Uhr

Cottbus im Strukturwandel
Heizen mit Ostseewasser

  Philipp Kammer erklärt die Funktion einer Seewasserpumpe. Am Ostsee könnte sie 330 Tage im Jahr im Einsatz sein .
Philipp Kammer erklärt die Funktion einer Seewasserpumpe. Am Ostsee könnte sie 330 Tage im Jahr im Einsatz sein . FOTO: LR / Hilscher Andrea
Cottbus. Die Stadtwerke wollen eine Seewasserpumpe für ihr Fernwärmenetz nutzen. Ein kühner Plan. Von Andrea Hilscher

Der Ostsee soll vieles richten. Naherholungsziel für die Cottbuser werden, Wassersport bieten und schöne Unterkünfte für Touristen. Wohnen am Fluss ist schon jetzt ein heißes Thema. Zu all diesen Funktionen kommt jetzt noch ein weiterer Plan, der schon ab 2020 in die Umsetzung gehen könnte: Die Stadtwerke wollen den Ostsee als Wärmequelle nutzen.

Im Rahmen der 29. Cottbuser Umweltwoche stellte der Diplomingenieur Philipp Kammer von der Heizkraftwerksgesellschaft Cottbus am Freitag die Grundzüge des Plans öffentlich vor. „Wenn wir von Energiewende sprechen, dann denken wir zunächst immer an Stromerzeugung“, sagte Kammer bei seinem Vortrag im Landesbergamt. „70 Prozent unseres Energiebedarfs gehen aber in die Wärme“, so Kammer.

Für die Stadtwerke eine Herausforderung. Kurz vor dem Baubeginn für fünf kleiner, mit Gas betriebene Blockheizkraftwerke ist den Experten klar, dass auch diese nur eine Brückentechnologie darstellen. „Wir haben uns mit Geothermie, Solarthermie und Windwärme beschäftigt – all das ist zu teuer oder nicht umsetzbar für uns“, sagt Kammer. Dennoch müsse ein Weg gefunden werden, um erneuerbare Energien ökologisch, flexibel und für den Verbraucher bezahlbar einzusetzen.

Fündig wurden die Cottbuser im Ausland: In Skandinavien und in der Schweiz haben sie sich mehrere Anlagen mit Wärmepumpen angesehen, auch Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) hat sich in Zürich über die neue Technologie informiert. Das Prinzip ist simpel: See- oder Meerwasser wird entnommen, um zwei Grad heruntergekühlt, die dabei freigesetzte Energie genutzt. Das Wasser wird dann wieder an seinen Ursprungsort zurückgeführt.

Das Problem: Skandinavien und die Schweiz verfügen über moderne Fernwärmenetze, die mit einer Wasservorlauftemperatur von 85 Grad auskommen. „Unser Netz in Cottbus ist älter, wir arbeiten derzeit noch mit hundert Grad und mehr“, erklärt Philipp Kammer. Derartige Temperaturen aber seien mit einer Seewärmepumpe nicht sinnvoll zu erreichen. „Wir müssten also zusätzlich Energie einsetzen, um die Vorlauftemperatur des Wassers zu erhöhen.“

Eine Hürde, die sich nach Einschätzung der Ingenieure meistern lässt. Die Pläne für ein derartiges Projekt sind zumindest schon so weit gediehen, dass die Stadtwerke, die Stadt Cottbus und der Energieversorger Leag gemeinsam eine entsprechende Absichtserklärung abgegeben haben. Nur über das Wo und Wie wird noch nachgedacht.

Die Halle, die die neue Wärmepumpe beherbergen soll, müsste jedenfalls Abmessungen von 20 mal 15 mal 12 Meter aufweisen. Nach derzeitigen Berechnungen könnte mit der Pumpe 40 Prozent des Cottbuser Wärmebedarfs gedeckt werden – „ein Superding“, wie Philipp Kammer sagt. Nach jetzigen Berechnungen könnte das Seewasser über eine Pumpe nördlich oder südlich des Hafenquartiers entnommen werden und müsste dann mit einer Kapazität von 4000 Kubikmetern pro Stunde zum Standort der Wärmepumpe am Heizkraftwerk gebracht werden

Untersuchungen der BTU und eines Dresdner Instituts haben ergeben, dass das Verfahren ökologisch unbedenklich ist und die Wasserqualität nicht beeinflusst.