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| 19:07 Uhr

Kooperationsvertrag unterzeichnet
Gymnasiasten mit Herz für Förderschüler

 Keine Berührungsängste: Laura Beesk (r.) zeigt dem zwölfjährigen Ronald an der Tast- und Riechstation einen Beutel, der gefüllt ist mit Mandeln.
Keine Berührungsängste: Laura Beesk (r.) zeigt dem zwölfjährigen Ronald an der Tast- und Riechstation einen Beutel, der gefüllt ist mit Mandeln. FOTO: LR / Silke
Cottbus. Humboldt-Absolventen wollen ihr Engagement mit der Spreeschule ausbauen und schließen Kooperationsvertrag. Von Silke Halpick

Angst vor Menschen mit Behinderung hat Lina Goerlich nicht. „Anfangs war es etwas komisch,  wenn mich Kinder spontan umarmten und ‚Ich liebe Dich!’ sagten“, erzählt sie. Doch mittlerweile kennt die Humboldt-Gymnasiastin viele der Spreeschüler persönlich und freut sich, wenn diese ihr schon von Weitem zuwinken.  „Das ist schon schön hier“, sagt sie. Gymnasium und Förderschule haben am Mittwoch einen Kooperationsvertrag unterzeichnet, der die Zusammenarbeit nun auch offiziell besiegelt.

„Wir wollen beide davon partizipieren“, stellt Michaela Dallmeier, Leiterin der Spreeschule, klar. 175 Schüler lernen an der Förderschule mit Schwerpunkt auf geistige Behinderung. Aufgeteilt sind die Schüler an insgesamt drei Standorten:  an der Rudniki in Schmellwitz, in der Puschkinpromenade in der Stadtmitte und in der Makarenkostraße in Sachsendorf.

Die Förderschule will den Gymnasiasten künftig Praktikumsplätze zur Verfügung stellen, damit diese den Arbeitsalltag von Lehrern, Erziehern und Betreuern kennenlernen können. Die Humboldtschüler ihrerseits werden unter anderem wie schon in der Vergangenheit das Spiel- und Sportfest vor den Sommerferien in der Spreeschule organisieren.

Premiere erlebte am Mittwoch das Weihnachtsfest mit Stationsbetrieb, das ebenfalls die Gymnasiasten ausgestalteten. Laura Beesk und Luana Koß ließen beispielsweise die Förderschüler an Geruchsproben schnuppern. „Ja, das sind Zucker und Zimt“, lobt Laura Beesk einen der Teilnehmer für die korrekte Antwort.

„Sinnvoll und zielorientiert“ soll die Unterstützung sein, wie Dr. Jürgen Wagner, Schulleiter des Humboldt-Gymnasiums betont. Er begrüßt das Engagement seiner Schüler außerordentlich und verweist auf den passenden Leitspruch des Gymnasiums „Erziehung zur Verantwortung“.

Das Besondere an der Kooperation beider Schulen ist, dass die Initiative von den Humboldtschülern aus geht. Das Gymnasium ist seit 2012 „Schule ohne Rassismus“ (SOR). Um diesen Titel zu erhalten, müssen sich 70 Prozent der Schüler und Lehrer per Selbstverpflichtung dazu bekennen, sich gegen jegliche Form von Diskriminierung an ihrer Schule einzusetzen.  

„Im Rahmen der SOR-Arbeitsgruppe haben wir uns auch gefragt, wie wir uns für Menschen mit Handicap einsetzen können“, sagt Lina Goerlich, die selbst Vorsitzende des Gremiums ist. Für die Förderschüler wurden jetzt zwölf Roller gekauft sowie 1000 Euro beim Sponsorenlauf eingesammelt. Das Geld soll in den Schulhof sowie die Physiotherapie fließen, wie Dallmeier ankündigt.

Die Schulleiterin hofft, dass die drei Spreeschul-Bereiche bald einen gemeinsamen Standort auf dem ehemaligen Areal des  Max-Steenbeck-Gymnasiums in Sandow bekommen. Dadurch würden sich die Lern- und Arbeitsbedingungen für Schüler und Lehrer deutlich verbessern, begründet sie. Doch mit Baubeginn ist nicht vor dem Jahr 2020 zu rechnen.