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Cottbus gräbt an alten Gräben

Der Wasser- und Bodenverband Oberland Calau ist ein guter Partner für die Stadt bei der Sanierung der Grabensysteme. Derzeit arbeiten sie in Schmellwitz in der Nähe der Neuen Straße. Der Schlamm ist teils bis zu einem Meter hoch.
Der Wasser- und Bodenverband Oberland Calau ist ein guter Partner für die Stadt bei der Sanierung der Grabensysteme. Derzeit arbeiten sie in Schmellwitz in der Nähe der Neuen Straße. Der Schlamm ist teils bis zu einem Meter hoch. FOTO: Michael Helbig/mih1
Cottbus. Die alte Entwässerung fiel in Vergessenheit. Dann kamen zwei Hochwasser. Nun werden die Systeme in den Statteilen wiederbelebt. Neben Schmellwitz rückt Branitz in den Fokus. Peggy Kompalla

Ein Hochwasser hat auch eine gute Seite. Zeigt es doch genau die Problemzonen, wo Flächen unter Wasser stehen, wo Keller volllaufen. Genau das ist im Jahr 2010 passiert und 2013 gleich noch einmal. Seither investiert die Stadt Cottbus kontinuierlich in die Sanierung des Grabensystems, das zu zuvor in Vergessenheit geraten war. Derzeit sind Schmellwitz und Branitz die Arbeitsschwerpunkte. In beiden Stadtteilen sollen die Gräben bis zum Jahr 2020 auf Vordermann gebracht werden.

Umweltamtschef Stephan Böttcher versichert: "Wir schaffen keine Tatsachen, sondern wir werden unser Konzept vorstellen. Wir wollen gemeinsam mit dem Ortsbeirat die Bürger sensibilisieren." Dabei solle der Eingriff in Eigentum so gering wie möglich gehalten werden. Andreas Noack schränkt jedoch ein: "Eine Profilierung der Gräben ist ganz wichtig. Da werden wir nicht umhin kommen, einzelne Bäume rauszunehmen." Überhaupt sei Branitz ein Spezialfall. Das Bauland teuer, die Grundstücke dicht beieinander. So ist manche Bebauung ziemlich dicht an alte Gräben herangerückt, die vergessen schienen, da sie gar nicht mehr funktionieren. Darüber hinaus werden die Straßen über die Gräben entwässert. "Wir werden eine Vermessung beauftragen", so Grabenfachmann Noack. Demnach sollen in Branitz der Petgoragraben, der Dorfgraben und der Weizenackergraben ertüchtigt werden. Die Kosten dafür schätzt das Umweltamt auf 280 000 Euro. Branitzer Park und Tierpark verfügen über ein eigenes System, unabhängig vom Dorf.

Den größten Aufwand betreibt die Stadt bei der Sanierung des Grabensystems in Schmellwitz. Bis zum Jahr 2020 wird sie gut eine Million Euro dafür ausgeben. Mit der Erneuerung des Durchlassbauwerkes im Jahr 2014 konnte erstmals wieder Frischwasser ins System nachfließen. Zusätzlich wurde mit der Entschlammung begonnen, 25 Durchlässe gespült. "Damit war schon viel gewonnen, aber es wird nie wieder wie in den 90er-Jahren, als die Kinder dort noch baden gingen", sagt Stephan Böttcher. Die Eisenhydroxit-Belastung wird demnach in Schmellwitz immer höher sein, als andernorts in der Stadt. Das liegt einfach an der Lage. Denn im Untergrund liegt Raseneisenerz. Dadurch wird es immer einen Eiseneintrag geben.

Am Grabensanierungskonzept für Schmellwitz wird fortlaufend gefeilt. Denn in dem schrumpfenden Stadtteil kommt hinzu, dass die Gräben einst sehr tief und darüber hinaus für eine deutlich stärkere Bodenversiegelung im Umfeld angelegt wurden. Sprich: "Die Dimensionierung ist nicht mehr nötig und der Rückbau einzelner Wasserbauwerke möglich", erklärt Andreas Noack. Sein Chef ergänzt: "Wir bringen das System in Schmellwitz bis zur Mündung in die Spree auf Vordermann. Das ist auch für die Skadower wichtig."

Im Dezember 2016 hat die Stadt das letzte Stück des Schimmelgrabens fertiggestellt. Damit ist Sielow wichtigstes Entwässerungssystem wieder voll funktionsfähig. Kostenpunkt: 470 000 Euro. "Der eigentliche Graben war an manchen Stellen gar nicht mehr zu sehen", berichtet Andreas Noack. Das Ergebnis: Bei Starkregen floss das Wasser in Richtung Döbbricker Straße, Keller wurden feucht. Das ist passé.

Umweltamtschef Böttcher versichert: "Wir sind noch längst nicht fertig. Es werden alle Stadt- und Ortsteile bedacht."

Zum Thema:
2011 bis 2012: Ströbitz, Zahsower Landgraben, 332 000 Euro.2012: Kiekebusch, Weizenackergraben, 660 000 Euro.2012: Gallinchen, Tschugagraben, 30 000 Euro.