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| 17:02 Uhr

Bedrohte Kulturszene
Galerie Fango kämpft um ihre Existenz

 Jan Gerlach von der Galerie Fango befürchtet, die beliebte Adresse zum Jahresende ganz schließen zu müssen.
Jan Gerlach von der Galerie Fango befürchtet, die beliebte Adresse zum Jahresende ganz schließen zu müssen. FOTO: LR / René Wappler
Cottbus. Dem Verein in der Cottbuser Amalienstraße fehlt es nach nahezu 20 Jahren des Engagements an jungen Leuten. Von Rene Wappler

Eine beliebte Heimstatt der Cottbuser Kulturszene ist in ihrer Existenz bedroht. Die Galerie Fango in der Amalienstraße besteht womöglich nur noch bis zum Jahresende. Das fürchtet der Vorsitzende des Vereins, der das Projekt vor fast 20 Jahren gegründet hat. Bisher habe die Galerie vom Engagement junger Leute gelebt, sagt der 38-jährige Jan Gerlach. Was in den vergangenen Jahrzehnten funktioniert habe, entwickle sich nun zu einem Problem für die alteingesessene Institution.

Damit handelt es sich bereits um das zweite Kulturprojekt in diesem Cottbuser Viertel, das wegbrechen könnte. Denn nur wenige hundert Meter weiter kämpfen die Bewohner der Karlstraße 29 um ihre Wohngemeinschaft. Sie organisierten regelmäßig im August das Karlstraßenfest, dessen Zukunft ebenfalls in Frage steht.

Die Betreiber der Galerie Fango kennen sich mit Krisen aus. Mal sahen sie sich mit einem Wasserschaden konfrontiert. Dann lotsten sie ihren Verein erfolgreich durch finanzielle Probleme. Doch jetzt sieht alles noch dramatischer aus. So schätzt Jan Gerlach die Lage ein. „Von den 50 Mitgliedern haben nur noch wenige Leute Zeit, sich um das operative Geschäft zu kümmern“, sagt er. „Wir werden ja alle älter, und damit gehen andere Verpflichtungen einher.“

Einzigartiger Bodenbelag

Die Galerie Fango ist in Cottbus nicht nur für ihre Ausstellungen und Gesprächsrunden bekannt, sondern auch für ihren einzigartigen Bodenbelag, der den Teppich darunter verbirgt. Die Sitzmöbel sind im Wortsinne auf Sand gebaut. Aus einem Erdsiebwerk in Finsterwalde hatten ihn die Mitglieder in die Amalienstraße transportiert. Ursprünglich sollte er nur für ein paar Wochen im Haus bleiben. Inzwischen ist er mehrmals erneuert worden, aber als Markenzeichen prägt er die Galerie.

Nun kann es also passieren, dass auch die Zukunft der Galerie auf Sand gebaut ist. Geld kommt fast nur noch über die Bar hinein, die ehrenamtlich betrieben wird, wie Jan Gerlach berichtet. Im Juli fand ein Krisentreffen statt. Die Mitglieder räumten selbstkritisch ein, dass Gäste regelmäßig vor verschlossener Tür stehen, weil der Verein sich die früheren Öffnungszeiten nicht mehr leisten kann. Jan Gerlach sagt: „Das lassen sich die Besucher einmal gefallen, vielleicht auch ein zweites Mal, bis sie uns irgendwann ganz fernbleiben.“

Er selbst lebt mittlerweile in Berlin, wo er mit anderen Mitgliedern des Vereins eine Firma gegründet hat. Sie entwickeln ein automatisches Verleihsystem für Werkzeuge. Das raubt Zeit, die sie für die Galerie Fango nicht mehr haben.

Mitglieder hoffen noch

Trotzdem wird das Haus im September vorerst wieder öffnen. Die Betreiber planen Konzerte, eine Vinissage und eine Vernissage. Für den 17. Oktober steht eine Veranstaltung im Terminplan, bei der sie noch einmal darüber beraten wollen, wie die Zukunft aussehen könnte. Sie hoffen darauf, dass viele junge Cottbuser an diesem Gespräch teilnehmen, die Interesse daran haben, die Galerie zu retten. Auch auf dem Campus der Brandenburgischen Technischen Universität will der Verein um neue Mitglieder werben.

Falls das alles nichts bringt, weiß Jan Gerlach keinen Rat mehr. „Wir haben dieses Stadtviertel immer als ein besonderes Kiez betrachtet, mit dem Bebel, der Galerie Fango und der Karlstraße 29“, sagt er. „Über all die Jahre haben wir gehofft, dass daraus eine größere Szene erwachsen könnte.“ Doch das sei nur mit Hilfe junger Menschen möglich, die Energie und Zeit aufwenden.