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Cottbus früher und heute
Tüchtiger Stadtbaurat und sein jähes Ende

Die Schröder-Villa markiert auch heute noch als Eckgebäude die Leipziger Straße. In dem Haus lebte einst Stadtbaurat Hellmuth Schröder.
Die Schröder-Villa markiert auch heute noch als Eckgebäude die Leipziger Straße. In dem Haus lebte einst Stadtbaurat Hellmuth Schröder. FOTO: Dora Liersch
Cottbus. Heimatforscherin Dora Liersch erzählt die Geschichte von der Schröder-Villa an der Leipziger Straße. Als Vorlage dient ihr eine historische Ansichtskarte aus der Sammlung von Hans Krause. Von Dora Liersch

Seit dem Jahr 2017 befindet sich der Haupteigang zum Carl-Thiem-Klinikum an der Leipziger Straße, also auf der Nordseite des seit 1914 in Betrieb befindlichen und erweiterten Krankenhauses. Auf dieser Seite wurden damals keine Privathäuser gebaut. So fehlt die Leipziger Straße im Cottbuser Adressbuch von 1925 als Wohnadresse noch ganz.

Drei Jahre später sah das schon anders aus. Im Jahr 1928 hat der Inhaber des Cottbuser Baugeschäfts Julius Erling in der Leipziger Straße zwei Grundstücke mitten an der Straßennordseite erworben und bebaut. Er war Maurer und Zimmermeister und lebte an der damaligen Dresdener Straße 56 (alte Bezeichnung und Nummerierung). Gleich neben dem alten jüdischen Friedhof hatte seine Baufirma ihren Sitz.

Die beiden neuen Wohnhäuser an der Leipziger Straße waren im Jahr 1928 bezugsfertig. In der Nummer 45 lebten der Oberingenieur Max Müller, Vertreter der Firma Rietschel & Henneberg GmbH, der Amtsgerichtsrat Max Froelich und der Bergingenieur Fritz Stephan, Prokurist der Sprengluft GmbH Berlin.

In der Nummer 46 wohnten der kaufmännische Leiter Bruno Scheller, der Reichsbahnrat Rudolf Körner und der Chauffeur Hermann Kleinert. Nur wenige Jahre später verkaufte Julius Erling seine beiden Häuser in der Leipziger Straße.

In der Straße wurden aber auch weitere Gebäude errichtet. So die Häuser Leipziger Straße 39 bis 44 sowie 47 und 48. Bis zum Jahr 1940 kamen noch das Wohnhaus Leipziger Straße 38 von der Wohnbau GmbH Berlin-Dahlem dazu. Ferner war bereits im Jahr 1929 das Eckgrundstück Thiemstraße und Leipziger Straße bebaut worden. Dieses Doppelhaus hat den schweren Bombenangriff am 15. Februar 1945 überstanden, während andere Häuser total zerstört wurden und das Leben ganzer Familien ausgelöscht wurde. Dieses traurige Schicksal ereilte die Familien Hebbeler und Christiani im Haus Nummer 47.

Das interessante Eckgebäude, das ein wenig an den Bauhausstil erinnert, betont trotz grüner Hecken den Eingang zur Leipziger Straße auch noch heute. Der Entwurf zu diesem Haus stammt vom Stadtbaurat Hellmuth Schröder. Er war im April 1928 als neuer leitender Stadtbaurat in Cottbus von den hiesigen Stadtverordneten gewählt worden.

Über ihn schreibt der Cottbuser Anzeiger vom 14. April 1928: „Regierungs- und Baurat Schröder wurde 1886 (?) zu Heiligenbeil (Ostpreußen) als Sohn des Bürgermeisters Schröder geboren und ist evangelischer Konfession. Er besuchte das Kneiphöf’sche Gymnasium in Königsberg i. Pr., studierte 1907 – 1911 an der Technischen Hochschule zu Danzig Architektur und bestand dort die Diplomprüfung. Nach Ausbildung für das Hochbaufach im Staatsdienst in Königsberg und Danzig legte er 1919 die Staatsprüfung für das Hochbaufach ab und wurde zum Regierungsbaumeister ernannt. Von 1915 bis 1918 war er zum Heeresdienst eingezogen. Seit 6. November 1919 ist er als Vorstand des städtischen Hochbauamtes in Danzig und als Regierungs- und Baurat bei der Verwaltung der Stadtgemeinde Danzig tätig. Seit 1914 ist er verheiratet und hat drei Söhne im Alter von 7 bis 12 Jahren. Von Baurat Schröder liegt bereits die Zusicherung vor, daß er sein neues Amt schon in allernächster Zeit antreten wird, die ihm von seiner jetzigen vorgesetzten Behörde, die entsprechende Genehmigung erteilt worden ist.“

Die Cottbuser durften sich freuen. Hellmuth Schröder brachte neue Ideen, neuen Schwung in das Baugeschehen der Stadt. Seine Entwürfe, wie sein künftiges Wohnhaus an der Ecke von Thiem- und Leipziger Straße, aber auch die Feuerwache in der heutigen Ewald-Haase-Straße, die Bauhausschule in der heutigen August-Bebel-Straße und die Waldschule gegenüber dem Wald­erholungsheim hinter dem Südfriedhof, die leider durch den Krieg zerstört wurde, sie alle tragen Schröders Handschrift.

Nur wenige Jahre konnte der tüchtige Stadtbaurat in Cottbus wirken. Es kam zu Unstimmigkeiten. Hellmuth Schröder wurde vorzeitig in den Ruhestand geschickt. Warum? War er Mitglied einer Freimaurerloge, die im Dritten Reich aufgelöst wurden? Schröder zog mit seiner Familie schon vor Mai 1937 aus Cottbus weg. Seine kreative Arbeitszeit war vorbei.

Viel Zeit im Ruhestand war ihm nicht vergönnt. Hellmuth Schröder und seine Frau verunglückten am 6. August 1939 tödlich. Die Trauerfeier fand auf dem Hauptfriedhof in Stettin statt. Doch die Spuren des tüchtigen Stadtbaurats sind noch heute in Cottbus zu sehen.

Die historische Ansichtskarte zeigt das Schröder-Villa und den Blick in die Leipziger Straße.
Die historische Ansichtskarte zeigt das Schröder-Villa und den Blick in die Leipziger Straße. FOTO: Sammlung Hans Krause / Hans Krause
2c Cottbus Früher Heute
2c Cottbus Früher Heute FOTO: Schubert, Sebastian / LR
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