ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 13:35 Uhr

Cottbus früher & heute
Erinnerung an Turnvater Jahn

Die historische Aufnahme zeigt den Jahn-Stein in seiner ursprünglichen Form.
Die historische Aufnahme zeigt den Jahn-Stein in seiner ursprünglichen Form. FOTO: Dora Liersch
Cottbus. Heimatforscherin Dora Liersch erzählt von einem Denkmal zu Ehren Turnvater Jahns anhand einer historischen Postkarte. Sie stammt aus der Sammlung von Hans Krause.

Am 10. März 1911 hielt der Turnrat des Turnvereins von 1861 im Restaurant zum „Kap der guten Hoffnung“ unter dem Vorsitz des Herrn Mittelschulrektors Schmidt eine Sitzung ab, um sich mit verschiedenen, auf das im Mai 1911 bevorstehende 50. Stiftungsfest des Vereins beziehenden Fragen zu beschäftigen. Zunächst wurde die Denkmalsangelegenheit erörtert. Für den Turnvater Jahn soll nämlich bei Gelegenheit des Vereinsjubiläums ein Denkmal errichtet werden. Die städtischen Behörden haben für diesen Zweck einen Platz innerhalb der Wallpromenade, und zwar im Zuge der Tumstraße freundlichst in Aussicht gestellt. Das Denkmal ist in Gestalt eines Findlings gedacht, in den ein Bronzerelief mit dem Bildnis Jahns eingeschlossen werden soll. Das Relief wird von der Gießerei von Gladenbeck bezogen, nur an dem Findling mangelt es noch. Eine Ausschreibung in Turner-Zeitungen ist ergebnislos verlaufen, der Verein hofft daher, dass die städtische Verwaltung einen in ihrem Besitz befindlichen Findling spendieren wird. Die Ausführung des Denkmals wird Herrn Adler, einem Vereinsmitglied, übertragen. Unter dem Relief soll eine Inschrift folgenden Wortlauts eingemeißelt werden: Dem Turnvater Friedrich Ludwig Jahn im Jubeljahr 1911 gewidmet vom „Turnverein Cottbus 1861“ 1811 - 1861 - 1911.  Das laufende Jahr 1911 ist nämlich insofern ein Jubeljahr, als Jahn im Jahre 1811 in der Hasenheide zu Berlin den ersten Turnplatz einrichtete und damit die Tumsache in Fluss brachte.

Die Erörterung ging dann zur Denkmalsfeier selbst über. Im großen und ganzen denkt man sich diese so, dass der festgebende Verein mit den geladenen Brudervereinen am Denkmalsplatz aufmarschiert und dort mit den Ehrengästen Aufstellung nimmt. Nach einem Musikstück singt der Tumer-Gesangsverein ein Weihelied, darauf folgen die Festreden und die üblichen Ansprachen, worauf das von den Turnern gemeinsam gesungene Lied „Oh Deutschland hoch in Ehren“ den Beschluss des offiziellen Teils macht. Einladungen sollen erhalten die städtischen Behörden, das Offizierskorps, die Turnvereine der Region, die sich wohl der Hauptsache nach durch Abordnungen vertreten lassen, die Schulvorstände, selbstverständlich auch die Freiwillige Feuerwehr, die ja ein Kind des Turnvereins ist, ferner der Berliner Oberturnwart, der Tumwart der westlichen und der östlichen Niederlausitz, die alten Mitglieder des Vereins, auch die jüngeren, die inzwischen von hier verzogen sind, oder ihrer Militärpflicht genügen und andere mehr. Ferner wurde noch über die für die Jubelfeier geplante Festschrift gesprochen, die in 600 Exemplaren gedruckt werden soll.

So berichtete etwa der Cottbuser Anzeiger vom 11. März 1911. Viele Jahrzehnte stand dieser Friedrich Ludwig Jahn Gedenkstein an der Tumstraße, die nach der Eingemeindung von Sachsendorf/Madlow zum 1. Juli 1950 umbenannt wurde in Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße. Als im Jahre 1968 ein neuer Regenwasserhauptsammler in der Puschkinpromenade gebaut werden musste, stand der Jahn-Gedenkstein im Wege. Die Schmuckanlage mit Gehölzen, die Findlingspyramide, auf der der bearbeitete Gedenkstein mit der Bronzeplakette thronte, wurden nacheinander im Januar 1968 beseitigt. Zunächst stellte man die Plakette sicher, aber auch der große Findling fand anderweitige Verwendung. Er liegt an der Franz-Mehring-Straße/ Ecke Ludwig-Leichhardt-Allee und trägt nun die Lebensdaten des Australienforschers. Die Plakette befand sich noch etliche Jahre am Eingang der Badeanstalt, dem Schwimmstadion „Friedrich Ludwig Jahn“ an der Sielower Landstraße und wird heute in den Städtischen Sammlungen aufbewahrt.

Der einstige Standort des Denkmals ist heute ein Stück Wiese mit einer Sträucherhecke zur Straße. Die erhaltenen Altbäume sind groß geworden und versperren die Sicht auf den Schlossturm.

Heute zeugt nichts mehr von der früheren Stätte: Besucher finden nur noch Wiese und Sträucher.
Heute zeugt nichts mehr von der früheren Stätte: Besucher finden nur noch Wiese und Sträucher. FOTO: Dora Liersch
2c Cottbus Früher Heute
2c Cottbus Früher Heute FOTO: LR / Schubert, Sebastian
(mih)