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| 19:25 Uhr

Heimatkunde
Ein Imbiss unterm Reetdach

„Eine Bockwurst und eine rote Brause bitte.“ An der kleinen reetgedeckten HO-Gaststätte im Blechenpark holten sich die Cottbuser auf ihrem Spaziergang eine kleine Stärkung.
„Eine Bockwurst und eine rote Brause bitte.“ An der kleinen reetgedeckten HO-Gaststätte im Blechenpark holten sich die Cottbuser auf ihrem Spaziergang eine kleine Stärkung. FOTO: Liersch Dora und Heinrich / Dora und Heinrich Liersch
Cottbus. Heimatforscherin Dora Liersch erzählt die Geschichte der kleinen HO-Gaststätte im Blechenpark anhand einer historischen Postkarte. Sie stammt aus der Sammlung von Hans Krause.

Diese fast malerische Postkarte ist als echte Fotografie 1959 im Verlag VEB Bild und Heimat in Reichenbach i.V. hergestellt worden. Die Aufnahme ist gewiss während einer der beiden Gartenbauaustellungen gemacht worden. Die 9 mal 14 Zentimeter große Postkarte wurde mit dem Verbraucherpreis von 0,15 DM verkauft. Eigentlich erinnert diese Karte an die erste Ausstellung „Grünen und blühen an der Spree“ im Jahre 1954. Es war eine Bezirks-Gartenbauausstellung, die vom 21.bis 29. August 1954 in Cottbus stattfand. Das Ausstellungsgelände, ca. 7 Hektar, umfasste den Blechenpark, der seinerzeit nur halb so groß war wie heute, den Goethepark, das Mühlgrabenufer (heute Frühlingsgarten), das Areal an der Kastanienallee (heute Teil der Ludwig-Leichhardt-Allee) vom Kleinen Spreewehr bis zur Eisenbahntrasse. Im Ausstellungskatalog, der zu dieser Schau herausgegeben wurde, sind die vielseitigen Veranstaltungen angegeben, gibt es natürlich einen Lageplan und einen Wegweiser durch die Ausstellung. Dazu heißt es: „Ihr Weg zum Haupteingang der Ausstellung in der Franz-Mehring Straße führt am Thälmannplatz vorbei, der mit seinen gepflegten Rasenflächen und herrlichen Sommerblumen zu einem kurzen Besuch einlädt und Anregung geben will zur Gestaltung ähnlicher Anlagen in den Orten unseres Bezirkes ...“

Damals war dieser Platz tatsächlich ein blühendes Schmuckstück unserer Stadt, fast doppelt so breit wie heute, denn es gab noch keine nördliche Fahrbahn. Im Goethepark hatte man bereits zwei Jahre zuvor mit gestalterischen und gärtnerischen Arbeiten begonnen. Als Verbindung über die Spree vom Goethepark zum Blechenpark hatte die Firma Walter Schupp aus Betonfertigteilen die Carl-Blechen-Brücke erbaut. Man kann sich heute diese Wegeverbindung nicht mehr wegdenken. Viele Jahre, auch mit starken Hochwassern, hielt die schlichte Brücke, die inzwischen durch eine Spannbetonbrücke ersetzt wurde.

Auf der Spreeuferseite des Carl-Blechen-Parks erwartete den Besucher eine gastronomische Einrichtung, die HO-Gaststätte, direkt am mit Kastanien bestandenen Hauptweg. Eigentlich war diese mit Schilf gedeckte, pavillonartige Anlage, mit kleiner Terrasse als Musik und Tanzpavillon geplant. Es saß sich gut zwischen den blühenden Stauden, neben Gräsern und Gladiolen. Bereits ein Jahr später richtete Cottbus seine eigene Gartenbauausstellung im August 1955 selber aus. Spätere Gartenbauausstellungen. fanden in den 1970er und 1980er Jahren am Ende der Puschkinpromenade, im heutigen Familienhaus und in der Turnhalle des Oberstufenzentrums in der Sandower Straße 19 statt. Der Musik und Tanzpavillon wurde noch einige Zeit als schlichte „Bockwurstverkaufsstelle“, „HO-Kiosk“ genutzt, bis auch an diesem Gebäude der Verfall nicht mehr zu verhindern war. Der Traum, eine Gaststätte am oder im Carl-Blechen-Park blieb, erst auf der Freifläche am Parkeingang an der Sandewer Hauptstraße gedacht, dann in der Nähe des Kleinen Spreewehrs. Dieser Traum war für viele Jahre mit der gleichnamigen Gastronomie „Kleines Spreewehr“ Wirklichkeit geworden. Heute befindet sich an der Stelle des Musik- und Tanzpavillons eine kleine Freifläche, umgeben von herangewachsenen, Ende Mai verschiedenfarbig blühenden Rhododendren und weiterem Gehölzen.

So ziemlich genau da, wo jetzt dieser steinerne Halbkreis aus dem Parkboden wächst, befand sich einst die kleine HO-Gaststätte im Blechenpark.
So ziemlich genau da, wo jetzt dieser steinerne Halbkreis aus dem Parkboden wächst, befand sich einst die kleine HO-Gaststätte im Blechenpark. FOTO: Liersch Dora und Heinrich / Dora und Heinrich Liersch
2c Cottbus Früher Heute
2c Cottbus Früher Heute FOTO: LR / Schubert, Sebastian