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| 18:53 Uhr

Cottbus früher und heute
Einmal Schule – immer Schule

Friedrich Wilhelm Gymnasium
Friedrich Wilhelm Gymnasium FOTO: privat
Cottbus. Dora Liersch erzählt die Geschichte des Friedrich-Wilhelm-Gymnasium anhand einer Postkarte aus der Sammlung von Hans Krause. Von Dora und Heinrich Liersch

Das Schulgebäude in der Puschkinpromenade in Cottbus ist vielen einstigen Schülern bekannt, allerdings unter anderem Namen. Bis 1945 war dieses Haus das Friedrich Wilhelm-Gymnasium, eine höhere Bildungsstätte und nur für Knaben.

Nach Kriegsende, noch zum Oktober 1945, wurden daraus die „Vereinigten höheren Schulen der Stadt Cottbus, Gymnasium Oberrealschule für Jungen, Oberschule für Mädchen“. Bereits zum 1. September 1946 gab es in der Sowjetischen Besatzungszone ein völlig neues Schulsystem mit Einheitsschulen und Oberschulteilen. Die Idee war, dass allen Kindern eine gleich gute Schulbildung gegeben werden kann, also acht gemeinsame Schuljahre, denen sich vier weitere Jahre für das Erreichen des Reifezeugnisses, des Abiturs, anschließen konnten. Dass dies später oftmals als politisches Druckmittel angewandt wurde, daran dachte man zunächst nicht. Von den sechs Einheitsschulen, einige mit Oberschulteilen, der Stadt Cottbus, zog die 4. Einheitsschule mit Oberschulteil in das Gebäude Puschkinpromenade 6.

Durch die Einführung der 10-jährigen Schulpflicht und die Bildung der Polytechnischen Oberschulen (POS) in der DDR in den Jahren 1959/60, wurde aus der 4. Einheitsschule die 6. POS „A.S.Puschkin“. Die Klassen elf und zwölf der bisherigen Oberschulteile wurden in den neu geschaffenen Erweiterten Oberschulen zusammengefasst. Außerdem gab es noch Sonderformen. In diese Zeit 1973 bis 1975 fielen auch die Generalrenovierung des Schulhauses und die Fassadensanierung. Zeitweilig waren die Schulklassen sogar ausquartiert. 1980 erfolgte die Instandsetzung der Aula. Die Wiedervereinigung Deutschlands brachte ein verändertes Schulsystem. Die oberen Klassenstufen wurden in verschiedenen Schulformen (Gymnasien, Real-, Gesamt- und Hauptschulen) zusammengefasst. Aus der 6. POS wurde die 16. Grundschule. Das Schulhaus, eines der ältesten Schulgebäude der Stadt und auch das Nebengebäude zeigten deutliche „Alterserscheinungen“. Um die Gebäude den heutigen Ansprüchen anzupassen, waren umfangreiche Baumaßnahmen nötig. Ein sicherer Weiterbetrieb des Schulunterrichts konnte nicht gewährleistet werden. Die 16. Grundschule wurde aufgelöst. In den Jahren 2000 bis 2002 erfolgte die völlige Erneuerung der Gebäude und der Außenanlagen. Sie wurden den modernsten Unterrichts- und Sicherheitsansprüchen angepasst. Am 24. August 2002 nahmen die Kinder der 14. Grundschule, deren Schulgebäude einer anderen Nutzung zugeführt werden sollte, ihr neues Schulhaus als „Erich-Kästner-Schule“ in Besitz.

Und was hat es mit dem Namen des Preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. auf sich? Dazu müssen wir in das erste Viertel des 19. Jahrhunderts zurückblicken. In Cottbus stand an der Oberkirche das alte Schulhaus, die Lateinschule, oft auch als Lyceum bezeichnet. Teile davon haben in diesen Wochen Archäologen wieder ausgegraben. Das Gebäude war als Schulhaus, wenn auch nur für Knaben, längst viel zu klein. Die Stadt tat sich schwer mit einem ordentlichen neuen Schulgebäude, aber sie erreichte, dass die Schule 1820 den Status eines Gymnasiums bekam und den Namen des damaligen Königs, wie viele Gymnasien in Preußen. 1860/61 erwarb die Stadt auf Brunschwiger Gebiet, drei nebeneinander liegende Grundstücke außerhalb der Stadtbefestigung.

Als Architekt konnte man den Berliner Hofbaurat Adolph Lohse gewinnen, der spezialisiert auf Schulbauten war. Bedingung war, dass die Schule ein Putzbau sein müsse, da die hier angebotenen Ziegel sich nicht für einen ziegelsichtigen Bau eignen würden. Da Adolph Lohse ein Schüler von Karl Friedrich Schinkel war, sind seine Bauentwürfe überwiegend dem Klassizismus zuzurechnen. Im Frühjahr 1865 war die Grundsteinlegung und am 27. April 1867 konnte das neue Gebäude als Friiedrich-Wilhelm-Gymnasium von den Schülern in Besitz genommen werden. Es war ein humanistisches, altsprachliches Gymnasium. Das blieb es bis 1945. Aus finanziellen Gründen konnten nicht alle Wünsche erfüllt werden. Erst 40 Jahre später, 1906/07, wurde das Gebäude mit der Dienstwohnung für den Schuldirektor gebaut und 1931 erfolgte ein Anbau an dieses Direktorenhaus. Nie gebaut wurde eine eigene Turnhalle für die Gymnasiasten, obwohl das Schulgrundstück groß genug war. Sport fand für sie in der etwas später errichteten Städtischen Zentralturnhalle in der damaligen Turnstraße statt.

Friedrich Wilhem Gymnasium
Friedrich Wilhem Gymnasium FOTO: Liersch Dora und Heinrich / Dora und Heinrich Liersch