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| 16:53 Uhr

Cottbus früher & heute
Die Entstehung der Vogelsiedlung

FOTO: Heute: Dora und Heinrich Liersch - Damals: Sammlung Hans Krause
Cottbus. Heimatforscherin Dora Liersch erzählt die Geschichte von Meisen- und Finkenweg, basierend auf einer Ansichtskarte, die aus der Sammlung von Hans Krause stammt.

Vor einer Woche berichtete die LR in der Serie Cottbus früher & heute von der Entstehung der Siedlung „Eigene Scholle“, die in den Jahren nach 1912 erbaut wurde. Weitere Siedlungen im Stadtgebiet konnten erst nach dem Ersten Weltkrieg geplant werden. Zunächst erfolgte die Randbebauung der „Eigenen Scholle“. Durch die Verteuerung der Grundstücke konnte allerdings nicht mehr so großzügig geplant und gebaut werden.

Die neue Siedlung sollte zunächst aus 200 Wohnungen in Doppelhäusern entstehen. Die Wohnungen sollten aus zwei Zimmern im Erdgeschoss und einer ausgebauten Dachkammer bestehen. Das dafür vorgesehene Gelände befand sich an der „Rennbahn“. Hier möchte ich an das alte Cottbuser Vorwerk erinnern, das sich auf der Sielower Feldmark befand. Zum Anfang des 20. Jahrhunderts hatten betuchte Cottbuser Bürger sich dort draußen eine Pferderennbahn einrichten lassen und an der heutigen Sielower Landstraße in Resten des alten Vorwerks ein Restaurant eröffnet.

Der Name dieser Gaststätte „Restaurant zur Rennbahn“ dürfte auch heute bekannt sein. Viele Jahre stand er auch noch leserlich an dem ziegelsichtigen Bauwerk. Die bewilligten finanziellen Mittel reichten aber nicht aus, um die gedachte Siedlung in ihrer Größe auszuführen. Die Cottbuser gemeinnützige Baugesellschaft Rennbahn stellte für den Bau von 22 Doppelhäusern im September 1921 die Bauanträge, gleich mit dem Vermerk, dass die Häuser aber erst im Sommer 1922 fertig würden. Im Mai 1922 wird der Antrag für den Bau weiterer 28 Doppelhäuser südlich der Rennbahn gestellt, sowie der Bau von 44 Stallgebäuden beantragt

Im Cottbuser Adressbuch von 1925, Stand Herbst 1924 heißt es zu den Siedlungsbauten: Die Häuser sind Heimstätten im Sinne der preußischen Heimstättengesetzes. Dazu gehören die Häuser Windmühlenweg 17 - 42, die Häuser Meisenweg 1 - 6 und 25 - 28, Schwalbenweg 1 - 6 und 25 - 30. Interessanterweise sind die Siedlungshäuser Finkenweg 1 - 10 und 33 - 38 bereits zu dieser Zeit in Privatbesitz. Wenige Jahre später trifft dies auch auf die anderen Häuser der Straßen in dieser Siedlung zu.

FOTO: Heute: Dora und Heinrich Liersch - Damals: Sammlung Hans Krause

Eine Rennbahn gab es nicht mehr nach dem Ersten Weltkrieg, aber am Windmühlenweg stand auf einem Sandhügel, gegenüber dem Abzweig zum Meisenweg eine alte Bockwindmühle und so kommt letztlich die Bezeichnung Windmühlensiedlung auf. Doch auch die Windmühle bleibt nicht dauerhaft bestehen. Altershalber wird sie im November 1926 umgelegt. Was bleibt, sind die Straßennamen in der Siedlung. Seinerzeit also Amsel-, Drossel-, Finken-, Meisen- und Schwalbenweg und so wird aus der ursprünglichen Rennbahnsiedlung die Vogelsiedlung.

(dli)