Ein Teil des Schulgebäudes, die Elementarschule in der Dresdener Straße, ist schon einmal in dieser RUNDSCHAU-Serie vorgestellt worden. Ich erinnerte dabei an die Einweihung des ersten Teils am 14. Oktober 1886 und die Erweiterung des Hauses, besser der Seitenflügel, und deren Fertigstellung zum Herbst 1889.

Nur zwölf Jahre später hatten sich die Stadtverordneten wieder mit dem „Schulhauserweiterungsbau“ in der Dresdener Straße zu befassen. Sie stimmten am 4. September 1901 einem solchen an der Westseite des bestehenden Gebäudes zu. Gleichzeitig musste auch ein neues Abortgebäude an anderer Stelle errichtet werden, da der bisherige Platz nun von dem Schulerweiterungsbau benötigt wurde. Für eine weitere Baumaßnahme wurden die Gelder zur Errichtung einer Turnhalle bewilligt. Bereits am 9. Oktober 1901 wurde die Bauerlaubnis für den Schulanbau, einer Müllgrube und eines neuen Abortgebäudes erteilt. Für den Bau der Turnhalle erfolgte die Bauerlaubnis am 12. April 1902.

Alle Bauwerke sollten bis Ende Juni 1902 fertig gestellt sein. Die Bauentwürfe stammten von dem Regierungsbaumeister Richard Bachsmann, der nach dem Tode von J. Schneider 1891, dem ersten Stadtbaurat von Cottbus und Architekt des Schulhauses (einschließlich der ersten Erweiterung), in das Amt als Stadtbaurat in Cottbus berufen worden war.

Die Maurerarbeiten bekam die Baufirma Dümpert & Haucke zugesprochen, die Zimmerarbeiten die Firma Otto Rost, die Schiefer- und Dachdeckerarbeiten Hermann Walther, alles Cottbuser Handwerker. Die moderne Heizungsanlage lieferte die Firma Martini aus Leipzig. Die Bauarbeiten gestalteten sich etwas schwierig, da die beiden Seitenflügel nach Westen unterschiedlich lang waren.

Zunächst musste der verkürzte Westgiebel des südlichen Flügels und ein Teil der sich anschließenden Klassenräume in den beiden Etagen abgebrochen werden, um mit einem Ergänzungsbau die Symmetrie des Komplexes herzustellen. Der Westgiebel des nördlichen Seitenflügels konnte als Innenwand mit in den Neubau einbezogen werden.

Auf der Westseite des neuen Anbaus, der elf Achsen breit war, entstand als mittlere Achse ein attraktiver Haupteingang in das Schulhaus mit einem im Gebäude gegenüber liegenden eigenem Treppenhaus, das in den kleinen Hofraum hinein ragt. Die Korridore in den einzelnen Etagen wurden mit den vorhandenen in den Altbauten verbunden. Im Kellergeschoss entstanden ein Kohlen- und ein Heizkesselraum, ein Bade- und ein Ankleideraum, sowie zwei kleine Kellerräume. Im Vestibül befanden sich zwei Schulzimmer, ein Konferenz- und ein Lehrmittelzimmer. In der ersten und zeiten Etage wurden je vier Klassenzimmer ausgebaut und im Dachgeschoss gab es drei Zeichenzimmer und zwei weitere Räume zu verschiedener Nutzung. Darüber befand sich das Kehlgebälk mit freiem Bodenraum. Das neue Abortgebäude wurde 22 Meter westlich des neuen Schuleingangs in einer Größe von elf mal neun Metern, massiv und mit einem mit Teerpappe gedecktem Satteldach, errichtet. Es bekam Wasser- und Abwasseranschluss.

Auf der südlichen Grundstücksseite, entlang der Lutherstraße wurde die Turnhalle in einer Größe von 24,3 Meter mal 13,52 Meter als massiver Sichtziegelbau mit einem überstehenden, mit Schiefer gedeckten Satteldach, erbaut.

Damit war für die Kinder der Spremberger Vorstadt ein ausreichender und vorbildlicher Schulkomplex entstanden. Selbstverständlich gab es in den Folgejahren Renovierungen, kleinere Reparaturen oder Umbauten, auch den Anschluss an das Elektrizitätsnetz. Im Jahre 1933 erfolgte der Bau einer neuen Abortanlage an anderer Stelle mit einem überdachten Zugang vom Schulhaus aus.

Die Kriegsschäden 1945 hielten sich gegenüber anderen Cottbuser Schulhäusern in Grenzen. Der Schulunterricht konnte, wie angeordnet, am 1. Oktober 1945 in dem Gebäude wieder aufgenommen werden (sicher noch nicht in allen Räumen). Drei Jahre später, im August 1948, wurde berichtet, dass die Schule völlig verglast, sämtliche Putzschäden beseitigt, Dachreparaturen durchgeführt und die Räume nutzbar sind.

Die Geschichte zum Leben und Treiben an dieser Schule muss noch geschrieben werden: Elementarschule III und IV, später IVa und IVb, Gemeindeschule, Martin-Luther-Schule, 1. aber auch 3. Einheitsschule, 1. und 8. Polytechnische Oberschule (POS), Weinbergschule...

Die heutige „Bewegte Grundschule“ ist zwischen sehr gut saniert. Und an der Seitenwand des letzten Schulanbaus von 1901/02 sind heute bunte Keramik-Schmetterlinge angebracht, die als Zeichen der Hoffnung an jüdische Kinder erinnern.