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| 18:30 Uhr

Rundschau-Serie
Der verschwundene Eberthof

FOTO: Heute: Daniel Steiger - Damals: Sammlung Hans Krause
Cottbus. Heimatforscherin Dora Liersch erzählt die Geschichte des Eberthofs in Cottbus. Als Vorlage dient ihr eine historische Ansichtskarte aus der Sammlung von Hans Krause.

Fast zum Anfang dieser Serie Cottbus früher & heute, im Oktober 2014, wurde schon einmal etwas zur Bautätigkeit der Gemeinnützigen-Wohnungsbau-Genossenschaft in Cottbus veröffentlicht. Damals war die Abbildung von außen auf das Wohnquartier. Diesmal ist es eine Postkarte vom Hofbereich. Inzwischen sind rund 80 Jahre vergangen und ein direktes Vergleichsfoto ist kaum möglich, da die einst gepflanzten Bäume zu stattlichen Schattenspendem heran gewachsen sind.

In dem Buch Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland - Denkmale in Brandenburg - Stadt Cottbus, Band 2.1 von 2001 ist ein interessantes Junkers-Luftbild von diesem Wohnquartier abgebildet und nur mit einer Luftbildaufnahme könnte man heute das Vergleichsfoto machen.

Dieses rechteckige Wohnquartier zwischen Dresdener- und Gartenstraße, sowie anfangs zwischen Küstriner - und Sickingenstraße (heute Koch- und Joliot- Curie-Straße), war unter anderem von dem Architekten Willi Ludewig entworfen worden. Es waren sogenannte Kleinhäuser, mit insgesamt drei Etagen, etwas betonten Eckgebäuden, einen großen Innenhof umschließend. Die Wohnungen waren zwei- bis zweieinhalb Zimmer groß und mit den damaligen Errungenschaften der Neuzeit ausgestattet und sie waren recht preiswert. Dieser ganze Komplex war für 150 Familien mit etwa 600 Personen gedacht. Der Bauherr war die Gewoba, die Gemeinnützige Wohnungsbau-Gesellschaft. Sie hatte sich am 4. August 1926 gegründet und sich zur Aufgabe gemacht, für die vielen Wohnungssuchenden billige und gute Wohnungen zu schaffen.

Natürlich brauchte die Baugenossenschaft auch Mitstreiter, Geldgeber. An den Bauvorhaben beteiligten sich die Dewog in Zusammenarbeit mit der Arbeiterbank, die Volksfürsorge und die Bauhütte Cottbus und auch die Stadt Cottbus und die Landessversicherungsanstalt unterstützten mit Anleihen die Bauvorhaben der Gewoba. So entstanden mehrere Wohnquartiere in diesem Stadtteil. Aber speziell der Gewoba-Block, besser gesagt dessen Innenhof, in der Dresdener Straße zwischen der Küstriner- und Sickingenstraße erhielt von den Genossenschaftsmitgliedern den Ehrennamen Friedrich-Ebert-Hof.

Der erste Reichspräsident einer deutschen Republik, Friedrich Ebert, war am 28. Februar 1925 verstorben. Ihm zu Ehren wurde dieser Hof mit einer Schmuckanlage versehen. Sie bestand aus einem Gedenkstein mit der Unterschrift und einem Reliefporträt des Präsidenten. Dazu gehörten ein rechteckiges Wasserbecken und eine dreiseitige Pergola, die die Gedenkstätte umfasste.

Der Cottbuser Anzeiger vom 9. Dezember 1928 berichtete in einem größeren Artikel unter der Überschrift „Einweihung des Friedrich-Ebert-Hofs in Cottbus. Feierliche Würdigung der Gewoba-Bauten - Eine Stunde des Gedenkens für Friedrich Ebert.“

Am 17. und 18. August 1929 fand in Cottbus die Weihe des Friedrich-Ebert-Brunnens, der sich allerdings am Ende der neu benannten Friedrich-Ebert-Straße (ehemals Wallstraße) befand, statt. Dieser Brunnen wurde schon bald nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten zerstört, die Ebertstraße in Wallstraße zurückbenannt. Was mit dem gestalteten Eberthof geschah, ist bisher nicht bekannt. Am 15. Februar 1945 sind die Flieger mit den todbringenden Bomben auch besonders über dieses Wohnquartier geflogen und so waren viele Häuser zerstört worden, die speziell in diesem Bereich die Qualität der schlichten Klinkerziegelwohnhäuser im Bauhausstil dokumentierten.

Den alten Blick auf den Eberthof zwischen der Koch- und der Joliot-Curie-Straße verstellen heute der Flachbau einer Sozialstation und Garagen.
Den alten Blick auf den Eberthof zwischen der Koch- und der Joliot-Curie-Straße verstellen heute der Flachbau einer Sozialstation und Garagen. FOTO: Daniel Steiger / LR