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| 19:42 Uhr

Cottbus früher & heute
Historisches: das Kaufhaus für Deutsche Förster an der Puschkinpromenade

 Das Kaufhaus für Deutsche Förster war eine gute Adresse. Hier wohnten Juristen, Ärzte und Militärangehörige. 
Das Kaufhaus für Deutsche Förster war eine gute Adresse. Hier wohnten Juristen, Ärzte und Militärangehörige.  FOTO: Sammlung Krause
Cottbus. Stadthistorikerin Dora Liersch erzählt die Geschichte des Kaufhauses für Deutsche Förster an der Cottbuser Puschkinpromenade anhand einer Postkarte aus der Sammlung von Hans Krause. Das Gebäude gibt es heute immer noch. Von Dora und Heinrich Liersch

Der Ursprung dieses relativ großen Mietshauses geht auf das Jahr 1876 zurück. Nach dem Bau des Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums 1865 bis 1867 (heute Erich-Kästner-Grundschule), erwarben Cottbuser Kaufleute, Fabrikanten, und Rechtsanwälte Baugrundstücke an der Promenadenstraße. So entstand auf ehemals Brunschwiger Gebiet, nördlich der Altstadt, innerhalb von rund zehn Jahren eine homogene villenartige Wohnbebauung.

Der Tonkünstler Hermann Schramke ließ das Mietshaus, das seinerzeit noch die Hausnummer 6 trug, einschließlich einem Hinterhaus und einem Stallgebäude erbauen. Leider sind weder der Architekt noch die bauausführende Firma bekannt. Das Haus war dreigeschossig, elf Achsen breit und symetrisch gebaut. Die mittlere Achse war der Eingang zum Haus, betont durch zwei Säulen mit Kapitellen. Diese sind auch heute noch vorhanden. Die vierte und die achte Achse waren durch Balkonanbauten betont. Putz- und Stuckverzierungen passten sich besonders den linken Nachbarhäusern an. Ferner gab es einen größeren Vorgarten und einen schmiedeeisernen Zaun. Der Bauherr Hermann Schramke bezeichnete sich 1881 als Musikdirektor.

 Neue Schönheit: das sanierte Haus an der Puschkinpromenade
Neue Schönheit: das sanierte Haus an der Puschkinpromenade FOTO: Liersch Dora und Heinrich / Dora und Heinrich Liersch

Er wohnte im Haus und unterhielt eine Musikschule. Seine Mieter im Hause waren der Referendar Georg Nickse mit seiner Familie, der Kaufmann Grosche, eine Nopperin, ein Maler und ein Arbeiter, ferner der Pr. -Lieutenant von Pfuhl und der Oberst und Regiments-Commandeur Arthur von Kretschman. Aus dieser Zeit gibt es sogar noch eine alte Fotografie, auf der ein Schildehäuschen vor dem Grundstück steht. Zehn Jahre später, 1891, hießen die Bewohner Albert Fritsch, Fabrikant, Dr. phil. Otto Fritsch, Max Meyer, Fabrikant, Oberst Eugen von Schkopp, Reserve-Lieutenant Graf zur Lippe mit seiner Familie und weitere Mieter.

Hermann Schramke ging noch vor der Jahrhundertwende, vor 1899, als Musikdirektor nach Berlin. Die Mieter waren weiterhin Militärpersonen, Juristen, Gymnasialprofessoren, Tuchfabrikanten, Kaufleute, unter anderem auch Wilhelm Michovius. Nach dem Tode von Hermann Schramke (vor 1905) übernahm seine Witwe das Haus, die aber auch in Berlin lebte. Im Jahre 1921 war dann das Haus in der Promenade, inzwischen mit der Nummer 10, im Besitz des „Kaufhaus für Deutsche Förster E.G.m.b.H.“, das in der Karlstraße 41 seinen Anfang hatte. Im gleichen Jahr wurde das Hintergebäude von der Firma Schmidt & Arnold umgebaut.

Älteren Cottbusem ist dieses Kaufhaus noch bekannt. Die Verkaufsräume befanden sich im Erdgeschoss, aber auch in der ersten Etage. Ferner waren auch weiterhin zahlungskräftige Mieter im Haus, so der Arzt Dr. med. Georg Burscher, der Stadtrat a.D. Oskar Schulz, die Referendare Hans und Georg von Otto, der Tuchkaufmann Otto Hoppe und sogar das Lausitzer Zentralheizungswerk, schließlich gab es auch Hintergebäude

Schon 1935 steht ein anderer Eigentümer für das Grundstück im Cottbuser Adressbuch. Da heißt es dann „Niederlausitzer Hefefabrik“ und so ist es bis 1945 geblieben. (Die Hefefabrik selbst befand sich Merzdorfer Weg 31a). Mieter in der Promenade waren die Studienräte Friedrich Alfke, Erich Stielow, Erhard Schilling, Gerhard Schumann, aber auch der Apotheker Max Dietrich, Emst Franze mit seinem Tuchversand im sogenannten Gartenhaus, die Firma „F. Reichelt AG, pharmazeutische Spezialitäten“ und andere.

Als am 22. April 1945 die Sowjetische Armee die Stadt Cottbus einnahm, belegte sie unter anderem die Gebäude der Promenade, auch die Schulen, die Dreifertstraße und weiter nach Norden. Ein Teil der Häuser blieb in sowjetischer Nutzung, speziell als Lazarett hergerichtet, bis 1993. Danach mussten erst die Eigentumsverhältnisse geklärt werden und besonders das Haus Puschkinpromenade 10 bereitete Schwierigkeiten. Vandalismus sorgte dafür, dass das Gebäude langsam verkam. Aber zuletzt fand sich ein Käufer, der das Haus wieder zu einem Schmuckstück werden ließ.

Inzwischen ist das Haus um ein Stockwerk erhöht, mit neuen, zum Teil doppelt breiten Balkons, jetzt an den Achsen 1 und 2, über der Tür und den Achsen 10 und 11 ausgestattet. Innen ist natürlich auch alles modernisiert worden. Seit dem Frühjahr 2016 erfreuen sich Mieter und Wohneigentümer über ihr neues Zuhause mit neu gestaltetem Vorgarten und dem Blick auf das Grün der einstigen Stadtwallanlage, dem Puschkinpark.