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Cottbus früher und heute
... und die Bäume stehen noch

So sah die Cottbuser Siegessäule um 1910 aus.
So sah die Cottbuser Siegessäule um 1910 aus. FOTO: Sammlung Hans Krause / Medienhaus Lausitzer Rundschau
Cottbus. Heimatforscherin Dora Liersch erzählt die Geschichte der Cottbuser Promenadenstraße, basierend auf einer Ansichtskarte, die aus der Sammlung von Hans Krause stammt.

Diese interessante Ansichtskarte stammt aus der Zeit noch vor dem ersten Weltkrieg und man mag es gar nicht glauben, dass ein Teil der Bäume der Lindenallee, wo die Kinder für den Fotografen sich aufgestellt hatten, sogar noch heute an ihrem angestammten Platz stehen. Im Cottbuser Stadtarchiv gibt es zwei alte Fotografien der Promenadenstraße mit der damaligen neuen Bebauung.

Aus ihr lässt sich eine ungefähre Zeit ermitteln. Die Fotos dürften um 1881 gemacht worden sein. DasKriegerdenkmal steht schon, von dem Gymnasialgebäude ist die Attika entfernt worden, hinter der sich das Regenwasser vom Dach staute und zu Schäden führte. Die neue Schmuckanlage ist erkennbar und auch die junge Lindenallee ist zu sehen.

Sie muss nur wenige Jahre vor 1881 gepflanzt worden sein. Der 1872 gegründete Verschönerungsverein hatte es sich zur Aufgabe gemacht, als erste größere Arbeiten, natürlich nach Absprache mit dem Cottbuser Magistrat, den damals sogenannten „Luckauer Wall“ als Schmuckanlage stückweise zu gestalten. Der alte, noch wasserführende äußere Stadtgraben war zu verfüllen, für Pflanzungen Mutterboden und Material für den Wegebau anzufahren, Gehölze zu erwerben.

Wichtigster Bereich war mitten in der Fläche, etwa den Grundstücke Nummer vier und fünf (heutige Nummerierung) gegenüber, denn der Cottbuser Magistrat hatte im „Kottbusser Wochenblatt“ vom Erscheinungstag 13. April 1872 die Bevölkerung dazu aufgerufen, Vor- und Zuname, Geburtsort, Truppenteil der im Kriege 1870/1871 Gefallenen oder an den Verwundungen und den Folgen von im Kriege zugezogener Krankheiten nachher Verstorbenen und bis jetzt Vermissten  anzugeben, um ihnen ein würdiges Denkmal zu setzen. Die Stadtverordneten bestätigten am 20. August 1872 ein solches Denkmal und den Platz für dessen Aufstellung auf dem Luckauer Wall, wie der heutige Puschkinpark hieß.

Die Bäume stehen noch – ansonsten hat sich viel verändert.
Die Bäume stehen noch – ansonsten hat sich viel verändert. FOTO: Dora Liersch / Med

Ein eigens für das geplante Denkmal gebildete Komitee und der Ratsmaurermeister Theodor Schneider kümmerten sich um Spendengelder, so wie um die Baulichkeiten. Am 18. Oktober 1872 fand die Grundsteinlegung statt.

Nach acht Monaten Bauzeit konnte das Kriegerdenkmal am 27. Juni 1873 in einer würdevollen Feierstunde geweiht werden. Umfangreich berichtete der „Cottbuser Anzeiger“ von den Festlichkeiten.

Das Denkmal stand erhöht auf Granitstufen. Den unteren Teil des quadratischen Sockels zierten gusseiserne Girlanden und Adler mit ausgebreiteten Flügeln, der obere Teil wurde von einer dachartigen Schräge abgedeckt. Dazwischen befanden sich vier Tafeln, eine davon mit gedenkenden Worten und den Kriegsdaten, die anderen drei trugen die Namen der Gefallenen aus Cottbus-Stadt und -Land. Auf jeder Tafel standen die Namen in zwei Reihen, insgesamt 180.

An den Ecken dieses Sockelteils standen vier Göttinnen. Darüber erhob sich eine Säule verziert mit einem Kranz, auf dem das Kriegsleben ehrenhaft dargestellt wurde. Die schlanke Säule endete mit einem mit Blättern verzierten Kapitell. Darüber stand die „Viktoria“ als Engelsfigur, mit der rechten Hand einen Lorbeerkranz hochhebend. Das ganze Denkmal war aus Gusseisen und war vermutlich in Lauchhammer gegossen worden.

Da es in Berlin ein ähnliches, nur größeres Kriegerdenkmal gab – die heute noch existierende „Siegessäule“ – nannten die Cottbuser ihr Kriegerdenkmal auch eines Tages „Siegessäule“. Dieses Bauwerk, links auf der alten Postkarte zu sehen, überstand den Zweiten Weltkrieg und die Nachkriegsjahre unbeschadet.

Am 21. Juni 1949 beschlossen die Cottbuser Stadtverordneten auf Antrag des Rates der Stadt die Promenade nördlich der Altstadt in Puschkinpromenade umzubenennen, was einstimmig erfolgte. Heute hat man nicht mehr die Möglichkeit, zwischen den schattenspendenden Bäumen zu prominieren.

Bei der umfangreichen Erneuerung der Grünanlage „Puschkinpromenade“ Anfang der 1950er-Jahre, ist der Promenadenweg südlich der Lindenallee neu geschaffen worden. Dieser wird auch heute noch wie selbstverständlich genutzt. Die bisherige Allee wurde mit Gehölzen zugepflanzt, überwiegend mit Eiben, aber auch Schneebeeren und Ranukelsträuchern. Damit wurde ein guter Abschluss von dem Park zur Straße geschaffen.

Auf der alten Karte sind rechts an der Promenadenstraße die Häuser Nummer 4, 3a, 3 und 2 nach Westen gezählt erkennbar. Sie wurden in den Jahren 1875 bis 1885 erbaut. Im Januar 1964 wurde Hand an die Siegessäule gelegt.

Die Öffentlichkeit erfuhr erst im Nachhinein von der Beseitigung des Kriegerdenkmals. Deshalb gibt es nur wenige Fotos eines Beobachters von diesem unrühmlichen Ereignis. Nach dem Entfernen des Sockelumbaus mit den Namensplatten konnte die Verschraubung des Säulenschaftes gelöst werden.

Ein zuvor unter den Füßen der Viktoria angebrachtes Seil diente zum Umstürzen der Säule nach Westen. Das geschah am 27. Januar 1964, genau auf den Tag, an dem der letzte deutsche Kaiser Wilhelm II. Geburtstag gehabt hätte. Allein dieses Datum für die Entfernung des Kriegerdenkmals weist auf eine bewusste Zerstörung desselbenhin. Die Cottbuser „Siegessäule“ wurde sofort zerlegt und zur Verschrottung abtransportiert.

Die gusseisernen Tafeln dienten noch viele Jahre als Wasserschachtabdeckungen auf dem Südfriedhof. Die Stufen fanden Verwendung in der Straße der Jugend als Kantenabschluss zum Bürgersteig von kriegszerstörten, inzwischen begrünten Grundstücken.

Aufmerksame Bauarbeiter fanden bei Schachtarbeiten für den Regenwasserhauptsammler im Jahre1968 in der Puschkinpromenade in den Fundamentresten des ehemaligen Kriegerdenkmals, die 1964 in der Erde geblieben waren, noch die Schatulle von der Grundsteinlegung mit den beigelegten Dokumenten. Diese wurden dem Cottbuser Stadtarchiv übergeben. Der Standort der „Siegessäule“ ist nicht mehr erkennbar.

Sie umgebende Rosenbeete gab es schon nach 1945 nicht mehr und heute ist es eine einfache schlichte Rasenfläche innerhalb der gesamten Anlage.