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Cottbus: Freiheits-Oper im Gefängnishof

Noch ist es ein nur wenig ansehnlicher Gefängnishof im Menschenrechtszentrum Cottbus. Im kommenden Sommer soll hier an sieben Abenden eine Opernaufführung erklingen.
Noch ist es ein nur wenig ansehnlicher Gefängnishof im Menschenrechtszentrum Cottbus. Im kommenden Sommer soll hier an sieben Abenden eine Opernaufführung erklingen. FOTO: Helbig
Cottbus. Es soll das Ereignis des kommenden Sommers in der Lausitz werden. Auf dem Gelände des Menschenrechtszentrums wird sieben Mal die Oper "Fidelio" aufgeführt. Eine ungewöhnliche Verbindung von Kunst und Geschichte. Simone Wendler

Den Anfang nahm das Projekt am 13. August 2010, als Sylvia Wähling, geschäftsführende Vorsitzende des Menschenrechtszentrums Cottbus, in der Gedenkstätte Deutsche Teilung in Marienborn (Sachsen-Anhalt) die Freiluft-Aufführung der Oper "Nabucco" erlebte. So etwas konnte sie sich auch in dem damals im Aufbau befindlichen Menschenrechtszentrum in Cottbus vorstellen. Jetzt wird dieser Plan Realität.

Der Stiftungsrat der Kulturstiftung des Bundes hat am Montagabend entschieden, die Aufführung der einzigen Beethoven-Oper "Fidelio" im Menschenrechtszentrum Cottbus in das Förderprogramm 2014 aufzunehmen. Das bedeutet nach Rundschau-Informationen eine Zuwendung von 270 000 Euro. Die Sparkassenstiftung legt eine in der Größe nicht bekannte Summe dazu.

Damit ist der Weg frei, dass es Ende Juni, Anfang Juli nächsten Jahres innerhalb von knapp zwei Wochen sieben "Fidelio"-Aufführungen des Cottbuser Staatstheaters im Hof der ehemaligen Haftanstalt geben wird. Martin Röder, geschäftsführender Direktor des Staatstheaters, begleitet das Projekt: "Wir sind Kooperationspartner des Menschenrechtszentrums."

Das ehemalige Cottbuser Gefängnis sei ein Sediment der Geschichte und stehe für viel Unrecht zweier Epochen, so Martin Röder: "Das ist ein Ort zum Nachdenken über Gerechtigkeit und Freiheit."

"Fidelio", die einzige Oper Ludwig van Beethovens, auch Freiheits-Oper genannt, scheint dafür ein ideales Stück. Es geht darin um die Willkür der Mächtigen, ungerechte Haft, treue Liebe und die Hoffnung, die Freiheit wieder- zuerlangen. Ort der Handlung, die in der Zeit der französischen Revolution spielt, ist ein Gefängnis. Brisanten Bezug zur DDR zeigte die Aufführung dieser Oper schon einmal. Am 7. Oktober wurde sie in der Dresdener Semperoper anlässlich des 40. Jahrestages der DDR aufgeführt.

Während mit Stacheldraht und Sichtbeton im Bühnenbild die DDR-Realität in die Aufführung geholt wurde, gingen Hunderte Demonstranten draußen vor der Tür schon auf die Straße und wurden von der Polizei zusammengeknüppelt.

Das Staatstheater Cottbus wird die Kosten für die Gagen seines Orchesters und anderer Mitwirkender an dem Open-Air-Ereignis übernehmen. Darüber hinaus wird nach Angaben des geschäftsführenden Direktors rund eine halbe Million Euro benötigt, um dieses Projekt zu finanzieren. Das ist nun durch die Gelder von Kultur- und Sparkassenstiftung zum größten Teil gesichert.

Vor den technischen Problemen so einer Freiluft-Inszeneriung ist Röder nicht bange: "Das ist eine Herausforderung, die wir stemmen können." Es stehe auch schon ein Partner bereit, der sich zusammen mit den Theatertechnikern um Bühne, Zuschauerplätze und alle nötigen Genehmigungen kümmern kann. Das Staatstheater selbst wird auch eine Regenvariante im Großen Haus vorhalten.

Eingebettet werden soll die Fidelio-Aufführung in ein Freiheits- und Demokratiefest, das das Menschenrechtszentrum im kommenden Sommer veranstaltet. Anlass dafür sind zahlreiche historische Gedenktage. Dann 2014 jähren sich zum 100. Mal der Beginn des Ersten und zum 75. Mal der Beginn des Zweiten Weltkrieges. Es ist das 25. Jahr des Mauerfalls, das 10. Jahr nach der EU-Osterweiterung. Für die Beethoven-Oper "Fidelio" ist es im nächsten Sommer 200 Jahre her, dass sie uraufgeführt wurde.

www.menschenrechtszentrum-

cottbus.de

Zum Thema:
Das Cottbuser Zuchthaus wurde 1860 eröffnet. Ab 1937 war es Frauengefängnis, auch Gegnerinnen des Naziregimes litten hier. In der DDR war das Cottbuser Gefängnis Männerhaftanstalt und entwickelte sich in den 70er-Jahren zu einer wichtigen Haftanstalt für politische Gefangene. Etwa 15 000 politische Häftlinge durchliefen die Cottbuser Anstalt. Etwa die Hälfte von ihnen wurde vom Westen freigekauft. Nach 1989 wurde das Gefängnis umgebaut und bis 2002 als Haftanstalt genutzt. 2007 wurde es an einen Investor verkauft. 2011 kaufte der Häftlingsverein Teile der Anlage zurück und begann mit dem Aufbau der Erinnerungs- und Bildungsstätte. Der Bund und das Land Brandenburg haben dafür bisher 2,3 Millionen Euro bereitgestellt. Ende 2013 soll die Dauerausstellung des Zentrums eröffnet werden.