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Einlauf für den Ostsee ist fertig
Ostsee-Planer müssen nachsitzen

Cottbuser Ostsee
Cottbuser Ostsee FOTO: Leag
Cottbus. Stadt stellt neue Forderungen im Planverfahren. Hammergrabenwehr kleiner als notwendig. Von Peggy Kompalla

Der Einlauf für den Ostsee ist fertig. Theoretisch muss nur noch der Wasserhahn aufgedreht werden. Doch bis es auch praktisch soweit ist, müssen noch einige rechtliche Hürden genommen und viel Papier beschrieben werden. Zwölf Aktenordner füllen die Anmerkungen in der zweiten Runde des wasserrechtlichen Planfeststellungsverfahrens. Bis Ende des Monats soll es vorliegen. Dabei zeigt sich schon jetzt ein praktisches Problem.

Der Ostsee soll über den Hammergraben geflutet werden. Am Großen Spreewehr zweigt er von der Spree ab. Er ist dafür ausgelegt, sieben Kubikmeter je Sekunde aufzunehmen, um das Wasser zum See zu transportieren. Doch nun haben Versuche gezeigt: Durch das Wehr passt gar nicht so viel Wasser durch. Das berichtet Dr. Christoph Gerstgraser während des jüngsten Wirtschaftsausschusses. Das habe natürlich Auswirkungen auf den Flutungszeitraum. Der Fachmann für Gewässer und Renatuierung unterstützt die Stadt in dem Planfeststellungsverfahren. In der Stellungnahme wird die Kommune einige Nachbesserungen fordern.

„Es muss klar sein, welche Wassermengen am Großen Spreewehr für die Flutung entnommen werden können“, betont Gerstgraser. Denn allein die Wasserkraftanlage an dem Wehr benötige 15 Kubikmeter Wasser je Sekunde. „Deshalb ist eine Rangfolge nötig. Es muss klar sein, wie viel Wasser für den See aus der Spree entnommen und abgeleitet werden kann und wie lange die Flutung tatsächlich dauern wird.“

Darüber hinaus werde die Stadt eine Prognose zur Vereisung des Ostsees fordern. „In Cottbus herrscht Kontinentalklima, da sind auch Temperaturen von minus 20 Grad Celsius möglich“, sagt der Gewässerexperte. „Der Ostsee wird ein relativ flacher See und kann damit schnell zufrieren. Deshalb ist eine Einschätzung der Häufigkeit und der Mächtigkeit des Eises notwendig. Das ist wichtig als Eingangsgröße für die Planungen des Hafens, denn eine Vereisung setzt wahnsinnige Kräfte frei.“

Für den Auslauf wird Cottbus ein Bewirtschaftungskonzept einfordern. „Das sind im Grunde Bedienvorschriften“, erklärt Christoph Gerstgraser. Damit solle beispielsweise verhindert werden, dass bei einer starken Durchfeuchtung des Umlandes noch mehr Wasser aus dem See hinzukommt, wenn es doch die Möglichkeit bietet, Wasser zurückzuhalten. „Das braucht eine klare Regelung.“

Geklärt werden müsse zudem wie die beiden Amphibien-Tümpel bei Willmersdorf künftig ausreichend mit Wasser versorgt werden. Sie waren unter anderem als Ersatz für das Abbaggern der Lakomaer Teiche angelegt worden.

Auch wenn für die Stadt Cottbus der zu erwartende Sulfatgehalt mit 500 bis 600 Milligramm je Liter unproblematisch sei, werde ein Sulfatmonitoring gefordert. „Der Sulfatwert entspricht dem italienischen San Pelegrino“, sagt Christoph Gerstgraser. Doch was im Mineralwasser als heilende Wirkung nachgesagt wird, ist in Trinkwasser nicht so gern gesehen. Der gesetzlich festgeschriebene Grenzwert für Trinkwasser liegt deshalb bei 250 Milligramm je Liter. Berliner und Frankfurter Wasserbetriebe treibt deshalb die Sorge um, dass sich der Ostsee negativ auf den Sulfatgehalt der Spree auswirken könne. Aus dem Spreewasser gewinnen sowohl die Berliner als auch Frankfurter ihr Trinkwasser. Für das Bergbauunternehmen Leag sind diese Ängste unbegründet. Der Konzern beteuert, dass durch das Flutungsmanagement des Sees der Sulfatgehalt der Spree nicht erhöht, sondern sogar verringert werde.

Im Mai rechnet Christoph Gerstgraser mit dem öffentlichen Erörterungstermin in dem Planverfahren. Ende des Jahres wird der Beschluss erwartet. Das Bergbauunternehmen hat derweil bereits angekündigt, dass es zum 1. November zur Flutung bereit ist.

Cottbuser Ostsee 4c
Cottbuser Ostsee 4c FOTO: leag