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| 10:40 Uhr

Cottbus
Porträt einer zerrissenen Stadt

Klartext in der Cottbuser City. Bilder aus der RBB-Dokumentation „Schnauze voll?“
Klartext in der Cottbuser City. Bilder aus der RBB-Dokumentation „Schnauze voll?“ FOTO: Rbb / RBB
Cottbus. Der neue Dokumentarfilm des RBB „Schnauze voll?“ beleuchtet die derzeitigen Auswirkungen der Flüchtlingspolitik in Cottbus. Von Jenny Theiler

Seit Anfang des Jahres sorgt Cottbus für Negativschlagzeilen in den bundesweiten Medien. Wiederholte Gewaltausbrüche zwischen Deutschen und Geflüchteten schüren seit Januar Angst und Hass und treiben tausende Cottbuser auf die Straße. Ein Blick auf die Demonstrierenden zeigt, wie gespalten die Stadt wirklich ist. So fordert die eine Seite Toleranz und Vielseitigkeit, wohingegen sich der andere Teil für einen konsequenten Zuwanderungsstop und Ausweisung gewalttätiger Flüchtlinge ausspricht.

Doch wo liegen die eigentlichen Probleme und wie sehen Cottbuser und Flüchtlinge selbst die derzeitige Situation? Anne Holzschuh und Phillip Manske sind dieser und weiteren Fragen im aktuellen Dokumentarfilm „Schnauze voll? – Zwischen Frust und Integration“ nachgegangen. Die beiden großen Demonstrationen vom 3. Februar, bei der mehr als 3000 Menschen getrennt voneinader demonstriert haben sind der Anstoss für eine Reportage, bei der beide Seiten intensiver beleuchtet werden sollen – die Reporter geben nicht nur Geflüchteten und besorgten Bürgern eine Plattform, sondern lassen auch Lehrer, Polizisten, Beamte, Sozialarbeiter und Vertreter der Stadt zu Wort kommen.

„Es ging uns nicht darum, einen Flüchtlingsfilm zu drehen“, stellt Anne Holzschuh klar. „Vielmehr wollten wir die Zerrissenheit der Stadt und die derzeitigen Probleme aufzeigen“, betont die RBB-Reporterin. Das Fragezeichen im Titel lässt Spielraum für verschiedene Interpretationsansätze. Denn wie auch im Untertitel „Zwischen Frust und Integration“ angedeutet wird, spiegelt sich die allgegenwärtige politische Verdrossenheit auf mehreren Ebenen wieder. „Der Film kreist außerdem um die Frage, ob nun wirklich die Flüchtlinge das Problem sind, oder ob sie nur ein Ventil für Probleme darstellen, die schon viel länger bestehen“, ergänzt Autor Phillip Manske.

Die Reporter waren in Sandow, Sachsendorf, Schmellwitz und der Cottbuser Innenstadt unterwegs. Mit den verschiedenen Aussagen der Bürger fängt der Film eine Atmosphäre ein, die sich fernab des üblichen Schwarz-Weiß-Denkens bewegt und vielmehr die vielen Grau-Stufen politischer Meinungen aufzeigt, die auf Verunsicherung und Überforderung zurückzuführen sind. Gleichzeitig wird ein enormes Mitteilungsbedürfnis deutlich, denn ungewöhnlich ehrlich reden Cottbuser Bürger und Geflüchtete vor der Kamera über ihre Ängste und Probleme im Umgang miteinander. „Wir haben gestaunt, dass die Leute mit uns so offen geredet haben“, so Anne Holzschuh.

Der Film zeigt unverblümt die Missstände einer gescheiterten Politik auf, ohne dabei eine Wertung vorzunehmen - darin liegt die eigentliche Leistung der Dokumentation.

Die komplette Dokumentation „Schnauze voll?“ gibt es hier zum Nachschauen.