Von Peggy Kompalla

So viel Dank gibt es selten. Er kommt auch noch von Herzen. Doch das reicht den Feuerwehrleuten in den 16 Wehren der Stadt nicht mehr. Sie fordern eine stärkere Würdigung ihrer geleisteten Arbeit – auch in Form von Geld und nicht nur Worten. Das ist am Donnerstagabend während der Delegiertenversammlung des Stadtfeuerwehrverbandes Cottbus deutlich geworden.

Präsident Wolfgang Bialas gab das Ziel vor: „Wir fordern von Land und Landesfeuerwehrverband, dass ein einheitliches Prämiensystem für aktive Kameraden eingeführt wird.“ Damit solle das starre Alterssystem ersetzt werden. An die Stadt gerichtet ergänzte Bialas: „Wir fordern eine Anpassung der Aufwandsentschädigungssatzung an die realen Funktionen in den Wehren. Und wir fordern ein ehrliches Nachdenken der gesamten Kommunalpolitik über eine Cottbuser Ehrenamtscard für alle nachweisbar aktiven Ehrenamtler in der Stadt.“ Allen drei Forderungen verliehen die Delegierten durch einen entsprechenden Beschluss Nachdruck. Er fiel einstimmig.

Ordnungsdezernent Thomas Berg­ner konnte den Feuerwehrleuten zwar keine großen Versprechungen machen, doch eine Besserung sei trotz angespannter Haushaltslage in Sicht. „Wir wollen in mehreren Schritten zu einer Erhöhung gelangen“, erklärte er. „2018 wird die Erhöhung für die stellvertretenden Ortswehrführer, stellvertretende Jugendwarte und das doppelte Engagement in den Fachgruppen honoriert.“ In den Folgejahren solle eine weitere Überarbeitung der Aufwandsentschädigung folgen.

Was die Männer und Frauen der freiwilligen und der Berufsfeuerwehr leisten, machte Feuerwehrchef Jörg Specht deutlich. Im vergangenen Jahr haben sie 225 Brände gelöscht und 1766 technische Hilfeleistungen abgearbeitet. Dabei retteten die Feuerwehrleute unmittelbar 162 Menschen und halfen rund 500. Hinzu kommen 333 Fehleinsätze. „So wurden im vergangenen Jahr 2324 Feuerwehreinsätze bewältigt. Das sind 125 mehr als im Jahr 2016“, sagte der Feuerwehrchef.

Während Einsätze seit Jahren stetig zunehmen, sinkt gleichzeitig die Zahl der Einsatzkräfte. Für die 16 freiwilligen Wehren von Cottbus gingen 2017 sieben verloren. Somit sind nur noch 383 Ehrenamtler dienstbereit, wenn der Alarm tönt. Und die Zahl wird weiter sinken. Genau diese Diskrepanz zwischen Einsatzgeschehen und Einsatzkräften will die Stadt Cottbus mit Stützpunktfeuerwehren entgegentreten. Eine erste wird im Süden entstehen. Der erste Spatenstich soll im September gesetzt werden, Fertigstellung ist für Ende 2019 avisiert. Die Stadt Cottbus wird dafür 900 000 Euro ausgeben. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 2,3 Millionen Euro.

Dieser Weg ist nicht unumstritten. Schließlich werden dafür die Feuerwehren in Groß Gaglow, Kiekebusch, Gallinchen und Madlow zusammengelegt. Derzeit werden Konzepte zur Nachnutzung der Gerätehäuser in den betroffenen Ortsteilen erarbeitet. Doch die Befürchtung ist, dass darunter der gesellschaftliche Zusammenhalt leiden wird. Allen voran bei Präsident Wolfgang Bialas: „Ich bleibe stur bei der Forderung, dass Feuerwehr und Gerätehaus wie Kirche und Friedhof zu einem lebenswerten Ortsteil gehören. Wer diese Wurzeln kappt, der zerstört Identität, Heimat und somit Werte.“

Erfolge und Hindernisse des Stützpunkt-Systems in Cottbus werden auch in Potsdam vom Landesfeuerwehrverband genau verfolgt. Doch um Änderungen werden die Feuerwehren nicht umhin kommen. Das machte Landesfeuerwehrpräsident Werner-Siegwart Schippel anhand von zwei Zahlen deutlich: „Die Prognose lautet, dass wir im Jahr 2020 noch über 35 000 Einsatzkräfte verfügen und im Jahr 2025 nur noch über 30 000.“