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| 02:33 Uhr

Cottbus feiert eine "ExCHORsion"

Glücklich nach dem ersten Konzert: (von rechts) Ulrich Barthel, Christian Möbius, Benjamin Saupe, Thomas Hennig, Achim Zimmermann, Christian Henneberg (Bariton), Carola Fischer (Alt) und Dirk Kleinke (Tenor).
Glücklich nach dem ersten Konzert: (von rechts) Ulrich Barthel, Christian Möbius, Benjamin Saupe, Thomas Hennig, Achim Zimmermann, Christian Henneberg (Bariton), Carola Fischer (Alt) und Dirk Kleinke (Tenor). FOTO: Jannis Ufer/jur1
Cottbus. Eine musikalische "ExCHORsion" zu Pfingsten haben elf Chöre aus Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern geboten. Das Cottbuser Publikum hatte dabei die einmalige Gelegenheit, in kürzester Zeit eine große Bandbreite an Chorwerken von Bach bis Orff kennenzulernen. Jannis Ufer / jur1

"Erschallet ihr Lieder, erklinget ihr Saiten" - so lautet der Titel von Johann Sebastian Bachs Kantate zum Pfingstfest. In Cottbus diente sie als Namensvorlage des von Christian Möbius, 2. Kapellmeister und Chordirektor des Staatstheaters, initiierten Chortreffens. Elf Chöre aus Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern kamen mit insgesamt 450 Sängern. Neben den zwei Chören der Singakademie Cottbus und dem Kammerchor der BTU Cottbus-Senftenberg und dem Kinder- und Jugendchor des Staatstheaters wirkten die Chöre der Singakademien aus Berlin, Frankfurt/Oder, Potsdam, Schwerin und Stralsund und der Berliner Oratorienchor mit.

"So eine Veranstaltung zu organisieren, ist eine Herausforderung, aber wir stellen uns ihr gerne", sagte Roland Knappe, Vorsitzender der Singakademie Cottbus, der die große Unterstützung des Staatstheaters lobte. Solche Höhepunkte schweißten zusammen. Der Auftakt der dreiteiligen Konzertreihe erfolgte im Großen Haus des Staatstheaters. Nicht weniger als sechs Chöre betraten im Verlauf des Abends die Bühne.

Den Auftakt wagten die Singakademien aus Stralsund und Schwerin, die Ludwig van Beethovens ruhige, dann stürmische und am Ende von allen Turbulenzen gelöste "Meeresstille und glückliche Fahrt" aufführten. Johannes Brahms' düsteres und zugleich hoffnungsvolles "Schicksallied" folgte. Interessanterweise wurde der Chor dabei von unterschiedlichen Dirigenten geleitet. Mit Ulrich Barthel (Schwerin), Thomas Hennig (Potsdam), Christian Möbius (Cottbus), Benjamin Saupe (Stralsund) und Achim Zimmermann (Berlin) standen fünf Dirigenten am Pult. Somit war das Konzert auch eine Herausforderung fürs Orchester: Zum einen mussten sich die Musiker in kürzester Zeit auf verschiedene Dirigenten einstellen, zum anderen hatte mit einigen Chören nur einmal gemeinsam geprobt werden können.

Für einen wuchtigen Abschluss des ersten Teils sorgte die Potsdamer Singakademie mit ihrer Interpretation von Antonin Dvoraks feierlichem "Te Deum", einst zur 400-Jahr-Feier der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus komponiert.

Der zweite Teil wurde mit Felix Mendelssohn-Batholdys mitreißender "Erster Walpurgisnacht" eröffnet. Mendelssohn, der die gleichnamige Ballade Johann Wolfgang von Goethes als literarische Vorlage seiner Komposition verwendete, führte die Zuhörer in die alte Welt des Aberglaubens. In den neun bildhaften Szenen lässt er allerlei Spuk und Furcht erscheinen. Der Chor der Berliner Singakademie, im übrigen der selbe Chor, der Mendelssohns Werk 1833 uraufführte, überzeugte dabei durch große stimmliche Ausgewogenheit und Textdeutlichkeit. Mit Dirk Kleinke (Tenor), Carola Fischer (Alt) und Christian Henneberg (Bariton) sorgten drei Solisten des Staatstheaters für zusätzliche Glanzpunkte.

Zum Abschluss des Konzerts standen noch einmal alle sechs Chöre des Abends unter der Leitung von Christian Möbius auf der Bühne. Die stimmgewaltige Darbietung von Georg Friedrich Händels strahlendem "Zadok, the Priest", auch bekannt als "Krönungshymne", sorgte noch einmal für Gänsehaut im Theater. Unter den Zuschauern wie Beteiligten war die Begeisterung groß.

"Ich bin stolz, dass ich bei so etwas mitwirken durfte", sagte Roswitha Knappe von der Singakadamie Cottbus. Monika Argleben, ebenfalls von der Singakademie, freute sich über das Privileg, den Menschen mit solcher Musik zeigen zu dürfen, dass das Leben schön sei. Neben der viel gelobten Atmosphäre der "ExCHORsion" ernteten auch die Musiker des Staatstheaters viel Lob von den Sängern. "Das Orchester war sehr gut", lobte Katrin Heinl aus Schwerin. Adolf Gröger aus Stralsund sagte, dass Cottbus sich glücklich schätzen könne, so ein Orchester zu haben.

In der Kreuzkirche am Bonnaskenplatz erklang wenig später Bachs Pfingstkantate "Erschallet ihr Lieder" und Vivaldis "Magnificat". Mit Carl Orffs szenenischer Kantate "Carmina Burana", bei dessen Aufführung im Audimax der BTU am Sonntagmittag noch einmal alle beteiligten Chöre auftraten, fand das Chortreffen mit einem großen Höhepunkt seinen Abschluss.