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| 13:05 Uhr

Jubiläen
Jubelfeier zum falschen Termin

1930 wollten die Cottbuser eine 1000-Jahr-Feier begehen. 2006 kam dann die 850-Jahr-Feier. Von Torsten Richter-Zippack

Um es vorwegzunehmen: Die für das Jahr 1930 geplante 1000-Jahr-Feier in Cottbus hat nie stattgefunden. Und dennoch brachte dieses vermeintliche Jubiläum der Spreestadt eine perspektivische Stadtplanung. Urheber des angeblichen Jubiläums war der damalige Cottbuser Oberbürgermeister Erich Kreutz (1884-1943), der im Jahr 1927 in sein Amt gewählt worden war. Unter dem Eindruck der 1000-Jahr-Feier in Brandenburg (Havel), die Kreutz Ende der 1920er-Jahre selbst besucht hat, versuchte er nun auch in Cottbus, selbige auf die Beine zu stellen. In einem Manuskript des Stadtoberhauptes, aus dem der Leiter des Cottbuser Stadtmuseums, Steffen Krestin, während der Herbsttagung der Niederlausitzer Gesellschaft für Geschichte und Landeskunde zitierte, geht hervor, dass Erich Kreutz bereits im Oktober 1927, nur wenige Monate nach seinem Amtsantritt, die aktuelle Situation in Cottbus schildert und gleichzeitig die 1000-Jahr-Feier für 1930 ankündigt. Allerdings wird bereits damals der geschichtliche Hintergrund des Jubiläums stark in Zweifel gezogen. So stellen laut dem Cottbuser Anzeiger vom 14. Oktober 1927 die Stadthistoriker, beispielsweise Karl Liersch, die Feier in Frage, weil es keine entsprechende Überlieferung gibt.

Die Jahreszahl 930 als angebliche Cottbuser Ersterwähnung soll indes auf den schlesischen Möchtegern-Historiker und Hochstapler Abraham Hosemann (1561-1617) zurückgehen. Dieser hatte diversen Städten geschichtliche Forschungen angeboten. Das mündete laut Steffen Krestin letztlich in Werke, in denen lediglich der Name der jeweiligen Stadt ausgetauscht werden musste. Darüber hinaus beziehen sich weitere Historiker des 18. Jahrhunderts auf das Jahr 930. Angeblich soll die Cottbuser Ersterwähnung auf Kaiser Heinrich den Finker beziehungsweise den Vogler zurückgehen.

Zeitgleich mit seiner Ankündigung der 1000-Jahr-Feier entwirft der Cottbuser Oberbürgermeister eine Vision zur perspektivischen Stadtentwicklung im Hinblick auf das bevorstehende Jubiläum. So skizziert Erich Kreutz den Bau einer Stadthalle mit Garten, Ausstellungshallen, einen Vergnügungspark und plant eine Gartenbauausstellung. Das Veranstaltungsgelände soll sich am Spreebogen in Richtung des Schlachthofes befinden. Ferner zieht der Oberbürgermeister den Neubau eines Rathauses auf dem Markt, eine neue Kapelle auf dem Südfriedhof, die Erweiterung des Krankenhauses sowie den Neubau einer Berufsschule ins Auge. Allerdings ahnte im Jahr 1927 noch niemand, dass nur zwei Jahre später aufgrund der Weltwirtschaftskrise kaum mehr ein Bauprojekt finanziert werden konnte. Immerhin: Die Stadthalle wurde Mitte der 1970er-Jahre errichtet, zwei weitere Jahrzehnte später wurde Cottbus Gastgeber der Bundesgartenschau 1995.

Eine der ersten korrekten Darstellungen der Cottbuser Ersterwähnung findet sich bereits anno 1822 durch den schlesischen Historiker Johann Gottlob Worbs (1760-1833). Worbs benennt die bis heute richtige Jahreszahl 1156. So wurde 2006 die 850-Jahr-Feier begangen. Übrigens: Die Cottbuser 1000-Jahr-Feier fand nie statt. Lediglich zwei entsprechende Publikationen wurden veröffentlicht.

In Spremberg hingegen wurde bereits im Jahr 1893 die falsche 1000-Jahr-Feier mit großem Pomp begangen. Laut Museumsleiter Eckbert Kwast gingen die Spremberger damals davon aus, dass ihre Stadt von Kaiser Arnolf von Kärnten (850-899) gegründet worden war. Zweifelslos dürfte die Spreestadt älter sein als 700 Jahre, aber die derzeit bekannte Ersterwähnungsurkunde datiert aus dem Jahr 1301.

Auch Hoyerswerda beging anno 1924 eine 1000-Jahr-Feier. Damals, so hat Stadtchronistin Elke Roschmann im Jahr 2016 publiziert, ging man von einer Schlacht am Koschenberg aus, die aber bereits 923 stattgefunden haben soll. Letztlich fand vom 9. bis 11. Juni 1924 ein großes Heimatfest in der Elsterstadt statt. Allerdings wurde nach dem Bekanntwerden des nicht korrekten historischen Hintergrundes noch im gleichen Jahr die Gesellschaft für Heimatkunde gegründet. Heute nehmen die Historiker ein Dokument aus dem Jahr 1268 als erste urkundliche Erwähnung Hoyerswerdas an. Aus diesem Anlass wird 2018 das 750-jährige Bestehen des Ortes begangen.

Tatsächlich mehr als 1000 Jahre zählt in der Region die Oberlausitzer Hauptstadt Bautzen. Sie findet erstmals anno 1002 ihre Ersterwähnung. Aus diesem Anlass fand am 1. September 2002 der große historische Festumzug statt.