Das denkwürdige Konzert fand vor 24 Jahren im Cottbuser Glad House statt. Der Sänger der Vorband trat mit einer Schweißerbrille auf die Bühne. Eben hatten die Musiker ihr erstes Album unter dem Titel „Herzeleid“ veröffentlicht. Nach ihrem Auftritt folgte die Hauptband des Abends, Sandow aus Cottbus. Ihr neues Werk hieß „Anschlag“.

Mit ihrer Vorband unternahmen die Musiker von Sandow damals eine Tour durch Deutschland.  Die Reise ging unter anderem nach Rostock, Halle und Berlin.

Ihre Vorband trug den Namen Rammstein. Heute gibt sie Konzerte auf der ganzen Welt. Ihre aktuelle Tournee führt sie durch Europa.

In einem RUNDSCHAU-Interview erinnerte sich der Sänger von Sandow später an die gemeinsame Tournee und an die Zeit danach. „Rammstein hat zu Recht seinen Weg gemacht hin zu einer Weltkarriere“, sagte Kai-Uwe Kohlschmidt. „Ich versuche mal einen schrägen Vergleich: Da ist der Holzkünstler, der keine Massenkultur bedient, und da ist die Großtischlerei, die Riesenbaustellen beliefert.“ Die einen könnten kaum von ihrer Kunst leben. Die anderen müssten das immergleiche Format gnadenlos bedienen, wie er weiter ausführte.

Dabei hatte es zuvor lange so ausgesehen, als käme Sandow für die Riesenbaustellen in Betracht. Nach dem Ende der DDR, im Jahr 1990, veröffentlichte die Band aus Cottbus ihr Album „Der 13. Ton“, dem das Kunststück gelang, bombastisch und minimalistisch zugleich zu klingen. Das Plattencover hatte der Cottbuser Künstler Hans Scheuerecker gestaltet.

Auf den späteren Erfolg von Rammstein deutete unterdessen nur das erste offizielle Album der ostdeutschen Punkband Feeling B hin.  Zu den Musikern, die bei Feeling B mitspielten, zählten der Keyboarder Christian „Flake“ Lorenz und der Gitarrist Paul Landers. Sie sollten später mit Rammstein berühmt werden.

Sowohl Feeling B als auch Sandow hatte im Jahr 1988 der Dokumentarfilm „Flüstern und Schreien“ porträtiert, der in ostdeutschen Kinos gezeigt wurde. Allerdings hinterließ dieser Film bei den Musikern ein zwiespältiges Gefühl. Der Sänger von Feeling B, Aljoscha Rompe, erklärte später in einem Interview für das Buch „Wir wollen immer artig sein“ über die alternative Musikszene in der DDR: „Flüstern und Schreien hat ja auch deshalb einen so paradiesischen Effekt, weil alle Frust verbreitenden Dinge draußen blieben. Der Film lief dann auch auf den Filmfestspielen in West-Berlin und wirkte auf die Leute da wie aus einer anderen Welt.“

Die Musik aus jener anderen Welt ist jedoch bis heute nicht vergessen. Die international erfolgreiche Fernsehserie „Deutschland  ´86“, im vergangenen Jahr auf Amazon erschienen, baut gleich zwei Songs von Feeling B auf ihrem Soundtrack ein. Die Jury des Rundfunksenders Radioeins wählte „Born in the G.D.R.“ von Sandow im Juli auf Platz Vier der besten DDR-Songs.

Nach einer längeren Pause hat die Cottbuser Band im Jahr 2017 nach einer längeren Pause ihr jüngstes Album veröffentlicht. Es heißt „Entfernte Welten“.

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