| 02:33 Uhr

Cottbus erinnert an die Mauertoten

Gino Kuhn am Mahnmal, das er entworfen hat. 272 Spender ermöglichten den Bau mit 24 000 Euro.
Gino Kuhn am Mahnmal, das er entworfen hat. 272 Spender ermöglichten den Bau mit 24 000 Euro. FOTO: mey1
Cottbus. Zum Tag des Mauerbaus ist am Sonntag im Cottbuser Menschenrechtszentrum ein Mahnmal eingeweiht worden. Es erinnert an jene Opfer, die an der Berliner Mauer und an den Grenzen des Eisernen Vorhangs bei der Flucht den Tod fanden. Stephan Meyer / mey1

Bernhard Cofalla, einer von vielen ehemaligen Häftlingen in Cottbus, ist bei der Einweihung dabei. "Ich finde das Denkmal wichtig. Man soll nicht vergessen, was mit uns damals gemacht worden ist. Das war eine schlimme Zeit." Der heute 76-jährige wagte die Flucht in den Westen und hatte dabei Glück im Unglück. Er musste nicht mit seinem Leben bezahlen. Sein Schicksal, wie auch das der meisten ehemaligen Insassen, ist auch der Grund warum dieses Mahnmal auf dem Gelände des einstigen Cottbuser Zuchthauses steht und nicht an einer ehemaligen Grenze. Menschenrechtszentrum-Chefin Sylvia Wähling betont: "Das hier war das Gefängnis, in dem hauptsächlich Republikflüchtlinge gefangen genommen wurden."

Sechs Jahre hat es von der Planung bis zur Einweihung am 13. August gedauert. 2011 startete das Menschenrechtszentrum die Gedenkaktion "Ein Ziegel für ein Maueropfer", durch die das Mahnmal zustande gekommen ist. Unterstützer spendeten Geld, indem sie einen Ziegel mit dem eingebrannten Namen eines Todesopfers für 20 Euro kauften. Für Gino Kuhn, der das Mahnmal entworfen hat, war der Bau eine große Herausforderung. "Ich hatte viele schlaflose Nächte", gibt er zu. "Da nicht nur an der Berliner Mauer Flüchtende zu Tode kamen, sondern auch an der innerdeutschen Grenze, in der Ostsee und an den osteuropäischen Grenzen, kam ich auf die Idee die Umrisse der ehemaligen DDR nachzubauen." Auf diese Weise konnte jeder Ziegelstein an den richtigen Ort platzieret werden.

Gino Kuhn hat auch einen persönlichen Bezug zum Denkmal. Mitte der siebziger Jahre zog der Walldürener nach Westberlin und geriet in Fluchthelferkreise. Bei einer Fluchtaktion wurde er verraten und vom Bezirksgericht Cottbus wegen staatsfeindlichen Menschenhandels zu sechs Jahren Haft verurteilt. Er saß in Cottbus ein, zweieinhalb Jahre später kaufte ihn die Bundesrepublik frei.

Weil der Forschungsverbund SED-Staat der Freien Universität Berlin erst in diesem Jahr die Erforschung der Namen der Todesopfer an der innerdeutschen Grenze beendet hat, dauerte der Denkmalbau in Cottbus sechs Jahre. Das Mahnmal erinnert an 207 Todesopfern.