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| 20:09 Uhr

Organspende
Die Niere bleibt in der Familie

 Elke und Bernd Hähle mit Hund Ren. Sie hat ihrem Ehemann eine Niere gespendet und damit ein neues Leben ermöglicht. Am 21. Juli wird er 65 Jahre alt.
Elke und Bernd Hähle mit Hund Ren. Sie hat ihrem Ehemann eine Niere gespendet und damit ein neues Leben ermöglicht. Am 21. Juli wird er 65 Jahre alt. FOTO: Peggy Kompalla
Bernd Hähle feiert am Sonntag seinen 65. Geburtstag zum zweiten Mal. Denn im Januar bekam er eine neue Niere – von seiner Ehefrau Elke.

Hähles haben ein neues Familienmitglied – den aufgeweckten Deutschen Pinscher Ren. Sein Name bedeutet nicht nur auf Latein Niere. Er kam auch an dem Tag auf die Welt, als das Ehepaar im Januar dieses Jahres in der Berliner Charité aufgenommen wurde. Zwei Tage später folgte die große Operation: Bernd Hähle erhielt die Niere seiner Frau Elke. Das hat das Leben für beide grundlegend verändert. Deshalb feiert Bernd Hähle seinen 65. Geburtstag am Sonntag eigentlich zum zweiten Mal.

Hähles gehen offen mit ihrer Geschichte um, weil sie auf das Thema Organspende aufmerksam machen wollen. „Das ist immer noch ein Tabu“, sagt Elke Hähle. Dabei sei es wichtig, darüber zu sprechen. Ihr Mann ergänzt: „Ich habe selbst gespürt, wie wichtig es ist, dass es Spender gibt.“ 

Das weiß Dr. Ulrike Wolf. Sie leitet gemeinsam mit Elke Wecke-Harbarth das Nephrologicum Lausitz, das Dialyse-Zentrum für Nieren- und Hochdruckerkrankungen in Cottbus, in dem auch Bernd Hähle behandelt wird. Das Zentrum betreut nach eigenen Angaben 300 Dialyse-Patienten aus Südbrandenburg. „50 bis 60 stehen auf der Transplantationsliste“, sagt Ulrike Wolf. Deshalb gehört für das Praxis-Team die Aufklärung genauso zur Arbeit, wie die Behandlung der Patienten. „Es ist wichtig, dass jeder in einer Familie weiß, wie der Einzelne zur Organspende steht.“ Die Ärztin begrüßt den Vorstoß von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), für die Organspende die Widerspruchslösung einzuführen. „Das Gesetz wäre gut, weil die Menschen damit gezwungen werden, eine Entscheidung zu treffen.“ Bislang, so die Erfahrung der Ärztin, drücke sich die Mehrzahl der Menschen davor. Mit harten Konsequenzen für die Betroffenen. „Einer unserer Patienten hat vor kurzem eine neue Niere bekommen“, erzählt Ulrike Wolf. „Er hat elf Jahre auf die Transplantation gewartet.“

Bei Bernd Hähle nahm der Leidensweg vor 19 Jahren seinen Anfang. Im Jahr 2000 litt er an einer Autoimmun-Erkrankung, die seine Nieren angriff. Mit festem Willen kämpfte sich der Cottbuser zurück ins Leben. Seine Nieren erfüllten allerdings fortan ihre Aufgabe nicht nicht mehr wie gesunde Organe. Um eine Dialyse zu vermeiden, stellte der Cottbuser seine Ernährung radikal um. „Die strenge Diät war schon eine Einschränkung“, sagt er. Die Krankheit bestimmte das Leben und damit auch das Zusammenleben der Familie.

Doch irgendwann war selbst die disziplinierteste und gesündeste Lebensweise nicht mehr genug. „Da hat mein Arzt eine Organspende angesprochen und gefragt, ob ich darüber mit der Familie reden könnte“, erzählt Bernd Hähle. Seine Frau hörte zu und brachte sich selbst ins Spiel. Beide haben die gleiche Blutgruppe. Tatsächlich passte es. „Die Entscheidung war auch selbstsüchtig“, sagt sie und schickt dem Satz ein Lachen hinterher. Es dauerte noch ein Jahr bis zur Operation. „Ich konnte die Aufklärungsreden nicht mehr hören.“ Zweifel gab es nie. „Ich hatte keine Angst.“ Der Sportpark in Gallinchen und die beiden Geschäfte auf Rügen halten das Paar auf Trab. Die Arbeit habe bei der Genesung geholfen. „Sie ist eine gute Motivation.“

Am 31. Juli führen Hähles den Sportpark seit zehn Jahren. Das wird gefeiert. „Die Leute sollen nichts mitbringen, sondern einfach eine Spiel-Golf-Runde machen“, wünscht sich Elke Hähle. „Die Gebühr dafür wird gesammelt und wir spenden sie für den Charity-Lauf für Organspenden vom Nephrologicum im nächsten Jahr.“