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Cottbus drückt aufs Internet-Tempo

Das Startsignal für die neue Technik gaben Angelas Gross, Rüdiger Caspari (beide Telekom) und Oberbürgermeister Holger Kelch (v.l.).
Das Startsignal für die neue Technik gaben Angelas Gross, Rüdiger Caspari (beide Telekom) und Oberbürgermeister Holger Kelch (v.l.). FOTO: Hering
Cottbus. Cottbus verfügt ab sofort praktisch flächendeckend über schnelle Internetzugänge. Am Montag hat die Telekom für die letzten 24 000 Haushalte die Anschlüsse eingerichtet. Insgesamt sind so für rund 51 000 Haushalte, darunter vor allem in den ländlichen Ortsteilen, innerhalb von 18 Monaten breitbandfähige Zugänge hergestellt worden. Sven Hering

Gemächlich zuckelte die Parkeisenbahn mit den geladenen Gästen am Montag vom Sandower Dreieck zum Bahnhof Friedenseiche. Ziel war das nur einen Steinwurf vom Haltepunkt entfernt gelegene neue Multifunktionsgehäuse in Branitz. Es beherbergt die neue Technik, die dafür sorgt, dass sich die Internetnutzer statt mit Bimmelgustentempo künftig mit ICE-Geschwindigkeit im weltweiten Netz bewegen können. 260 dieser Verteiler wurden in den vergangenen anderthalb Jahren im Stadtgebiet installiert.

Mit dem Abschluss des dritten Bauabschnitts in dieser Woche profitieren nun auch Bewohner der Stadtteile Mitte, Ströbitz, Sandow, Merzdorf, Dissenchen und Branitz sowie des Ortes Haasow aus der Gemeinde Neuhausen von der neuen Technik. Ab sofort können diese Anschlüsse mit Geschwindigkeiten bis zu 100 Megabit pro Sekunde (MBit/ s) im Download und bis zu 40 Mbit/s beim Heraufladen gebucht werden. Fast 140 Kilometer Glasfaserkabel wurden dafür neu verlegt.

"Wir haben rangeklotzt", erklärte Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) die Zusammenarbeit mit der Telekom. Der Rathauschef konnte sich gleich mehrfach freuen. Zum einen darüber, dass nunmehr nahezu alle Cottbuser, insbesondere auch in den dörflich geprägten Stadtteilen, vom Hochgeschwindigkeitsnetz profitieren können. "Damit sind wir eine der ersten Städte im Land Brandenburg mit entsprechend flächendeckender Versorgung", so Kelch. Zum anderen, weil sich die Stadt finanziell nicht an der Infrastrukturinvestition beteiligen musste.

"Wir wissen, wie wichtig ein leistungsfähiger Internet-Anschluss ist, deshalb treibt die Deutsche Telekom seit Jahren den Breitband-Ausbau nach Kräften voran", sagte Angela Gross, Leiterin des Infrastrukturvertriebes der Telekom in Brandenburg. Pro Jahr investiere das Unternehmen in Deutschland rund vier Milliarden Euro. "Gleichzeitig wachsen damit auch die Chancen für weitere Investitionen der Wirtschaft in den Standort Cottbus - das liegt uns bei allen unseren Ausbauvorhaben auch sehr am Herzen: einen Beitrag für mehr Arbeitsplätze, Wachstum und Fortschritt in Deutschland zu leisten", ergänzte sie.

"Die Kooperation mit der Stadt hat sehr gut geklappt", lobte Rüdiger Caspari, Leiter Technik Niederlassung Region Ost. Das sei nicht selbstverständlich.

"Vor allem für unsere vielen Unternehmer ist das eine gute Sache", freute sich Christian Lelanz, Vize-Chef des Branitzer Ortsbeirates. Diese hätten in den vergangenen Monaten immer wieder schnellere Internetverbindungen angemahnt. Dieses Problem sei jetzt gelöst.

Kommentar: Blaupause für gute Wirtschaftspolititk

Zum Thema:
Um das schnelle Internet zu realisieren, waren drei Schritte notwendig: 1. Auf der Strecke zwischen der örtlichen Vermittlungsstelle und dem Multifunktionsgehäuse wurde das Kupferkabel durch Glasfaserkabel ersetzt. In Glasfaser können Daten in Lichtgeschwindigkeit übertragen werden. 2. Die Multifunktionsgehäuse wurden so verteilt, dass die Entfernung zwischen Kunde und Verteiler möglichst gering ist. Das ist Voraussetzung für hohe Übertragungsraten. 3. Auf der Kupferleitung, die vom Multifunktionsgehäuse zum Kunden führt, kommt Vectoring-Technik zum Einsatz. Sie macht den Daten auf dem Kupferkabel Beine, denn sie beseitigt die elektromagnetischen Störsignale, die es zwischen Kupferleitungen gibt.