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| 13:09 Uhr

Bei Attentat am 20. Juli getötet
Soll Cottbus Grab von Hitler-Stenograf erhalten?

 Das Grab von Heinrich Berger in Cottbus.
Das Grab von Heinrich Berger in Cottbus. FOTO: LR / Daniel Roßbach
Cottbus. Ein Cottbuser starb vor 75 Jahren beim missglückten Bomben-Attentat Claus Graf Schenk von Stauffenbergs auf Adolf Hitler in der Wolfsschanze. Das Grab Heinrich Bergers wird in Cottbus bis heute gepflegt. Von Daniel Roßbach

Am 20. Juli 1944 scheiterte ein Attentat auf Adolf Hitler, mit dem das Nazi-Regime und dessen Krieg beendet werden sollten. Bei dem Attentat, das Hitler leicht verletzt überlebte, starben drei Militärs und der Cottbuser Stenograf Heinrich Berger. Sein Grab liegt noch immer in Cottbus.

Fraglich ist aber, wie lange das noch so ist. Denn die Nutzungszeit ist, so die Cottbuser Friedhofsverwaltung, abgelaufen. Da Bergers Familie das Grab nicht weiter pachte, folgt eigentlich, dass es eingeebnet wird. Dana Ziesche, die Leiterin der Freidhofsverwaltung, sagt, es sei „nicht konkret absehbar“, wann das geschehen werde.

Das liegt auch daran, dass der Bürgerverein Ströbitz das Grab sauber hält. Ein Umstand, den die Stadt Cottbus Sprecher Jan Gloßmann nach zur Kenntnis nimmt, selbst aber keine Aufwendungen zur Erhaltung des Grabes unternimmt.

Bürgerverein in Cottbus erhält das Grab von Hitler-Stenograf

Rüdiger Galle vom Bürgerverein begründet die Erhaltung des Familiengrabes so: „Das Leben von Berger ist ein Stück Ströbitzer Geschichte.“

Dabei verwahrt sich der Verein gegen eine Vereinnahmung des Grabes durch Faschisten. „Dass sich der braune Mob auf dem Friedhof versammelt, können wir gar nicht gebrauchen“, sagt dessen Vorsitzender Detlef Buchholz.

Für Galle ist Bergers Grab auch deshalb erhaltenswert, weil „sich aus dem, was über Berger bekannt ist, ableiten lässt, dass er dem Nationalsozialismus latent ablehnend gegenüber stand“.

Cottbuser Historiker: Hitler-Stenograf war systemtreu

Dieser Einordnung von Berger kann sich der Leiter der Stadtgeschichtlichen Sammlungen, Steffen Krestin, nicht anschließen: „Als Assistent bei Hitlers Lagebesprechungen, tätig zu sein, setzte eine starke Systemtreue voraus. Und an diesen Sitzungen teilzunehmen bedeutete auch, viel zu wissen über das Handeln und die Verbrechen der Nationalsozialisten“, sagt der Historiker.