ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 16:47 Uhr

Tourismus
Cottbus – Hauptstadt der Kreuzfahrer

Jahr für Jahr machen mehr als 2 Millionen Deutsche Urlaub auf einem Kreuzfahrtschiff - Tendenz steigend.
Jahr für Jahr machen mehr als 2 Millionen Deutsche Urlaub auf einem Kreuzfahrtschiff - Tendenz steigend. FOTO: fotolia / Romolo Tavani
Cottbus. Studie zeigt auf, dass Cottbuser pro Kopf am meisten für Hochseekreuzfahrten ausgeben. Von Georg Zielonkowski

Studien und Erhebungen bieten zuweilen völlig überraschende Ergebnisse und Aussagen an. So war kürzlich zu lesen, dass Deutsche pro Kopf alljährlich 1020 Euro für Urlaubsreisen ausgeben. Der Hotspot für Badereisen ans Mittelmeer liegt laut GfK-Studie in Düsseldorf, wo die Menschen 28 Prozent mehr als der Bundesdurchschnitt für diesen Reisetyp ausgeben.

Die Stadt Cottbus nimmt in der Kategorie Kreuzfahrten einen wohl überraschenden Spitzenplatz ein, was die Geldausgaben in diesem Bereich betrifft. Für jeden der hier lebenden etwa 100 000 Einwohner wurde 2017 ein Kaufkraft für Hochseefahrten von 99 Euro errechnet.

Cottbus also die Stadt der notorischen Kreuzfahrer? Auch die Mitarbeiter verschiedener Reisebüros der Stadt zeigten sich angesichts dieser Erhebung halbwegs überrascht. „Sicher sind die Kreuzfahrten inzwischen ein recht beliebtes Segment, doch konnten wir extreme Zuwächse in 2017 nicht feststellen“, merkt Ingrid Kroneßer an. Doch meint die Inhaberin des Sandower Claro-Reisebüros einen Grund des Spitzenplatzes an der im Cottbuser Raum lebenden stets älter werdenden Bevölkerung festzumachen: „An Land haben die reisefreudigen älteren Leute inzwischen schon viele Ziele bei ihren Pauschal- und Rundreisen gesehen. Geblieben ist die Neugier nach Neuem, doch muss das altersbedingt möglichst bequem ablaufen. Da kommt eine Schiffskabine gerade recht.“ Ihr Kunde Herbert Heydemann pflichtet ihr bei, wobei er noch ein weiteres Argument anführt: „Bei den Busrundreisen steigen alle am neuen Ort aus und fahren Stunden später gemeinsam weiter. Alle tun fast immer alles gemeinsam. Bei der Schiffsreise muss und kann man auch mal einen Ort weglassen und an Bord bleiben, weil es einem vielleicht gerade mal nicht so gut geht. Was für unsere Jahrgänge wirklich ein Thema ist“, so der 70-Jährige.

Auch Klaus Blum ist passionierter Kreuzfahrer, der schon viele Ziele angesteuert hat. „Um dennoch immer wieder etwas Neues zu sehen, muss man weiter weg fliegen, da geht es schon mit den höheren Anfahrtskosten los. Auch die Kreuzfahrt auf der anderen Seite der Erdkugel ist entsprechend teuer. Und da der Altersdurchschnitt der Urlauber an Bord gerade bei solchen weiten und teuren Reisen ziemlich hoch ist, erklären sich die finanziellen Zuwächse quasi von selbst“, so der Weltenbummler mit seinen 75 Lebensjahren.

Einen Grund, dass aktuell tatsächlich häufiger auf Kreuzfahrten zurückgegriffen wird, sieht Frank Meisel, der Inhaber von Tui-Travelstar-Reisen im Kaufland, in der Sorge um die Sicherheit. „Oft genug kommen Leute ins Büro und fragen zuerst, ob es am Zielort X oder Y sicher ist. Garantien kann ich da natürlich für kein Ziel der Welt geben. Aber ich kann eine Kreuzfahrt empfehlen. Auf den Meeren dieser Welt ist noch kein Schiff Opfer terroristischer Angriffe gewesen. Und die Sicherheitsmaßnahmen beim Zutritt zum Schiff sind ja beim Check In ebenso intensiv, wie in jedem Hafen nach jedem Landgang der Leute. Darum biete ich gern den ängstlichen Reisenden – vornehmlich sind das ältere Kunden – diese Urlaubsart an.“

Auf so einem Kreuzfahrtschiff (hier ein Bild der „Voyager of the Seas“) gibt es alles: Hunderte Zimmer auf 14 Stockwerken, mehrere Restaurants, ein gutes Dutzend Bars, eine Eisbahn und sogar eine eigene Bäckerei.
Auf so einem Kreuzfahrtschiff (hier ein Bild der „Voyager of the Seas“) gibt es alles: Hunderte Zimmer auf 14 Stockwerken, mehrere Restaurants, ein gutes Dutzend Bars, eine Eisbahn und sogar eine eigene Bäckerei. FOTO: dpa / Chris Melzer