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Cottbus: Die Fassade an der BTU-Bibliothek bröckelt

Ein provisorisches Vordach schützt die Studenten vor möglichem Glasregen.
Ein provisorisches Vordach schützt die Studenten vor möglichem Glasregen. FOTO: Michael Helbig
Video Cottbus. Drei Scheiben sind innerhalb kurzer Zeit aus der Fassade der Cottbuser Unibibliothek gefallen. Zum Schutz vor einem erneuten Regen aus Glasstücken steht nun ein Zaun um das Gebäude. Am heutigen Mittwoch beraten Experten über das weitere Vorgehen. Juliane Preiß

Ein Bauzaun windet sich um die geschwungene Glasfassade BTU-Bibliothek. Im Eingangsbereich steht ein provisorisches Vordach, gebaut aus einem Gerüst. Das alles dient dem Schutz vor einem erneuten Splitterregen. Zuletzt sind am 1. und 8. Januar Scheiben aus der Fassade herabgestürzt, geblieben sind nur würfelzuckergroße Glasstückchen. Verletzt wurde bisher niemand. Ob oder wann die nächste Scheibe zerspringt, ist ungewiss.

"Wir hatten Glück, dass die Glasbrüche an Sonntagen passiert sind, da ist in der Bibliothek generell wenig los", sagt Wilfried Bulkow, Leiter der Hochschulgebäudemanagements. Seit acht Jahren ist die Bibliothek in Betrieb, kaputte Scheiben habe es schon mehrere gegeben, meist durch Vandalismus.

Die Ursachen der jüngsten Glasbrüche sind jedoch noch völlig unklar. "Es kann Fehler in der Glasproduktion gegeben haben oder die Scheiben können einen Schlag beim Transport bekommen haben", vermutet Winfried Bulkow. Fehler in der Konstruktion der Fassade schließt er aber aus. "Es waren nur drei Scheiben in immerhin acht Jahren", begründet er.

Am heutigen Freitag treffen sich Fachleute zu einem Krisengespräch. Die BTU, ein Fassadenplaner und der Brandenburgische Landesbetrieb für Liegenschaften und Bauen (BLB), Bauherr der Bibliothek, beraten über das weitere Vorgehen. "Am wichtigsten ist jetzt die Sicherheit für Studenten, Angestellte und Touristen", sagt Bulkow. Mit großen Kosten für die Universität rechnet er nicht: "Ich will der Beratung nicht vorgreifen." Das Bibliotheksgebäude, welches von dem Schweizer Architektenbüro Herzog und De Meuron geplant wurde, hat insgesamt 29 Millionen Euro gekostet. Die 5133 Glasscheiben sind aus speziellem Einscheiben-Sicherheitsglas (siehe Hintergrund) gefertigt. Ein teure Sanierung würde auf das Land Brandenburg, als Bauherren zurückfallen. Doch der BLB ist optimistisch: "Ich gehe nicht davon aus, dass die Fassade komplett saniert werden muss", sagt BLB-Pressesprecher Mathias Radowski. "Das Dach des Berliner Hauptbahnhofes musste schließlich auch nicht komplett erneuert werden." Dort rissen nach dem Sturm Kyrill 2007 mehrere Glasscheiben und auch sonst ist die Problematik an Glasfassaden bekannt. Am Gebäude der Deutschen Bahn am Potsdamer Platz in Berlin bröckelte die Fassade.

Wieso haben sich BLB und Uni trotz der bekannten Problematik für die Glasfassade entschieden? Radowski: "Die Entscheidung für die Gestaltung der Fassade fiel 2001, die Probleme traten Jahre später auf. Es hilft nicht mit dem Wissen von heute, Entscheidungen von vor zehn Jahren zu kritisieren." Gebäudemanager Winfried Bulkow sagt dazu: "Ich bin nur Techniker, kein Architekt."

Welche Kosten dem Land als Bauherr entstehen und welche Maßnahmen ergriffen werden, entscheidet sich heute. Die Ursachensuche wird jedoch schwer werden, weiß Winfried Bulkow: "Eine kaputte Scheibe kann man nicht mehr untersuchen."

Hintergrund:

Für die Fassade der BTU-Bibliothek wurde speziellen etwa ein Zentimeter starke Einscheiben-Sicherheitsglas verwendet. Bei der produktion werden die Scheiben erst stark erhitzt und dann schnell abgekühlt, so dass sich eine Spannung aufbaut. Dadurch wird sie stoßfest und unempfindlich gegeüber großen Temperaturschwankungen. Bekommt die Scheibe einen Schlag, zerfällt sie in kleine Krümel ohne scharfe Kanten.

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