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| 17:14 Uhr

Interview
„Wir passen auf, dass nichts schiefgeht“

 Die drei Schülerlotsinnen aus der 5a: Carlotta Peters, Sarah Wiezorrek und Floriane Herfurth (v.l.).
Die drei Schülerlotsinnen aus der 5a: Carlotta Peters, Sarah Wiezorrek und Floriane Herfurth (v.l.). FOTO: LR / Peggy Kompalla
Cottbus. Die RUNDSCHAU sprach mit Floriane, Sarah und Carlotta über den verantwortungsvollen Job.

Beim Landeswettbewerb der Schülerlotsen haben drei Mädchen aus der 5 a der Sportbetonten Grundschule die ersten drei Plätze belegt. Das ist einmalig. Die RUNDSCHAU sprach mit Floriane Herfurth, Carlotta Peters und Sarah Wiezorrek über den besonderen Job, komplizierte Formeln und Stau in der Drebkauer Straße. Kon-Rektorin Heike Steinbach war auch dabei.

Wieso seid ihr eigentlich Schülerlotsen geworden?

Floriane: Weil ich es toll finde, Menschen über die Straße zu helfen und Unfälle zu verhindern. Und weil meine Schwester auch Schülerlotsin war. Ich habe sie immer dabei beobachtet. Und sie hat auch beim Landeswettbewerb mitgemacht.

Welchen Platz hat sie denn belegt?

Floriane: Den dritten.

Und Du?

Floriane: Den ersten.

Dann ist Schülerlotse quasi Familientradition?

Floriane: Kann man so sagen.

Was ist denn so cool daran?

Carlotta: Wir passen auf, dass nichts schiefgeht und sich keiner verletzt.

Das ist eine große Verantwortung.

Sarah: Schon. Besonders bei den Kleinen, die die Geschwindigkeit der Autos nicht so gut einschätzen können.

Wo arbeitet ihr als Schülerlotsen?

Sarah: Vorn an der Drebkauer Straße vor unserer Schule.

Kon-Rektorin Heike Steinbach: Das ist wirklich einer der gefährlichsten Straßenübergänge vor einer Schule in Cottbus.

Ist eure Schule so gut, weil die Verkehrswacht gleich um die Ecke liegt?

Heike Steinbach: Es ist einfach Tradition. Das machen wir seit zehn Jahren. Die Viertklässler machen einen Test mit Geschwindigkeitschätzen und Erste-Hilfe-Lehrgang. Außerdem wird an der Straße gezeigt, wie die Kinder zu stehen haben und wie sie die Straße absperren. Zum Schluss sind in der Regel über 20 Kinder aus zwei Klassen dann bei den Schülerlotsen dabei.

So viele aus zwei Klassen?

Heike Steinbach: Ja, die Sportklassen haben früh Training. Deshalb können sie nicht mitmachen. Aber weil wir so viele Schülerlotsen haben, ist nur alle vier Wochen eine Klasse dran. Deshalb ist das auch recht entspannt für die Kinder. Allerdings müssen sie wirklich früh um 7 Uhr an der Straße stehen. Aber auch die Eltern unterstützen das.

Wie habt ihr euch auf den Wettbewerb vorbereitet?

Carlotta: Ich habe mich gar nicht richtig vorbereitet. Weil ich beim Stadtausscheid nur Siebente geworden bin und eigentlich nur als Helfer dabei war. Dann war einer nicht da und so habe ich doch mitgemacht und bin Zweite geworden.

Das ist ja ein Ding! Aber trotzdem stelle ich mir eine Vorbereitung schwer vor.

Sarah: Ich habe mich am Abend davor noch mal hingesetzt.

Was lernt man da?

Sarah: Ich habe noch mal die Geschwindigkeit angeguckt, wie man den Anhalteweg berechnet. Bremsweg und Reaktionsweg, die Gefahrenbremsung, wie man Druckverband macht, stabile Seitenlage. Wen man anruft, wenn ein Unfall passiert ist, was man sagen muss.

Habt ihr auch zusammen gelernt?

Floriane: Wir drei nicht. Aber meine Schwester hat mich abgefragt und den Anhalteweg berechnen lassen.

Wie berechnet man den Anhalteweg? Ich habe keine Ahnung.

Sarah: Das ist die Geschwindigkeit des Autos – also 30 km/h – durch zehn. Das macht drei. Das nimmt man mal drei. Das ist 15. Dann hat man den Reaktionsweg in Metern.

Floriane flüstert: Drei mal drei!

Sarah lacht: Drei mal drei ist neun! Also neun Meter.

Mensch, den Fehler habe ich gar nicht bemerkt. Gut aufgepasst!

Sarah: Den Bremsweg berechnet man auch mit der Geschwindigkeit des Autos – also 30 km/h – durch zehn. Das ist drei. Und noch mal 30 durch zehn. Das sind wieder drei. Drei mal drei ist neun.

Ich bin raus.

Floriane: Neun plus neun sind also 18 Meter Anhalteweg. Aber da die Autos heute neueste Technik haben, ist der Anhalteweg meist etwas kürzer.

Also wenn ein Auto 30 km/h fährt, dann ist der Reaktionsweg neun Meter. Das Auto fährt also neun Meter bevor der Fahrer auf die Bremse treten kann. Und der Bremsweg ist dann 18 Meter?

Floriane: Nein, der Bremsweg ist auch neun Meter. Aber der Anhalteweg ist 18 Meter. Der setzt sich aus Reaktionsweg und Bremsweg zusammen.

Carlotta: Man muss Reaktionsweg und Bremsweg zusammenrechnen.

Jetzt verstehe ich! Das ist kompliziert. Aber sagt mal, fahren die Autos in eurer Straße vor der Schule wirklich ordentlich 30 km/h?

Carlotta: Nicht alle.

Habt Ihr schon mal eine gefährliche Situation erlebt?

Carlotta: Ich nicht.

Floriane: Ich auch nicht.

Sarah: Nee.

Man sieht euch immer gut, weil ihr Warnwesten tragt und auch eine Kelle in der Hand haltet?

Sarah: Ja. Man muss nur aufpassen, dass kein Stau entsteht. Deshalb muss man Sichtkontakt zu den Autofahrern halten.

Ist da wirklich so viel Betrieb am frühen Morgen?

Floriane: Ja. Meistens schon.

Ihr kennt euch so gut mit den Verkehrsregeln aus. Korrigiert Ihr da auch manchmal eure Eltern?

Carlotta: Ja. Meinen Papa manchmal. Mama macht das nicht.

Zu schnell fahren, oder? Aber wie sieht es mit Verkehrsregeln aus? Ich habe meinen Führerschein vor Ewigkeiten gemacht. Da macht ihr mir doch was vor.

Carlotta: Das mache ich nur, wenn ich mir wirklich sicher bin. Manchmal denke ich auch, dass ich ein Schild nicht gesehen habe.

Wie lange wollt ihr den Job als Schülerlotsinnen noch machen?

Floriane: Bis zur Sechsten.

Echt? Schon um sieben Uhr da sein?

Sarah: Ich stehe sowieso um halb sechs auf.

Okay! Und wer von euch geht jetzt zum Bundeswettbewerb?

Calotta: Floriane. Sie ist Erste geworden.

Floriane: Wir freuen uns, dass wir drei gewonnen haben. Das ist für unseren Rektor, Herrn Weinreich, der sein letztes Schuljahr hat.

 Die drei Schülerlotsinnen aus der 5a: Carlotta Peters, Sarah Wiezorrek und Floriane Herfurth (v.l.).
Die drei Schülerlotsinnen aus der 5a: Carlotta Peters, Sarah Wiezorrek und Floriane Herfurth (v.l.). FOTO: LR / Peggy Kompalla