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| 11:44 Uhr

Tipps zum richtigen Umgang
Die Angst vor dem Wolf wächst

André Pfeiffer, Wolfsbeauftragter des Spree-Neiße-Kreises, ist fast täglich mit seinem Schäferhund in den Wäldern der Region unterwegs.
André Pfeiffer, Wolfsbeauftragter des Spree-Neiße-Kreises, ist fast täglich mit seinem Schäferhund in den Wäldern der Region unterwegs. FOTO: Hilscher Andrea / LR
Cottbus. André Pfeiffer, Wolfsbeauftragter in Spree-Neiße, gibt Tipps zum Umgang mit dem wilden Tier.

Seit zwischen Kolkwitz, Dissen und Cottbus mehrere junge Wölfe gesichtet wurden, werden viele Stadtbewohner unruhig und fragen sich:  Wie böse ist er denn nun wirklich, der Wolf? Die RUNDSCHAU hat deshalb die wichtigsten Fragen mit einem Wolfsbeauftragten des Spree-Neiße-Kreises André Pfeiffer besprochen.

Haben sich die jungen Wölfe fest im Areal zwischen Kolkwitz und Cottbus eingenistet?

Die drei Jungtiere waren einige Tage lang regelmäßig gesichtet worden, jetzt sind sie abgetaucht. André Pfeiffer: „Entweder sind sie weitergezogen oder haben sich in tiefere Regionen ihres Reviers zurückgezogen.“ Ein Wolfsrevier ist bis zu 250 Quadratkilometer groß. Die Tiere legen darin pro Tag enorme Wege von 20 bis 40 Kilometern zurück.

Gehört der junge Wolf, der auf der Autobahn bei Cottbus totgefahren wurde, zu den Kolkwitzer Jungtieren?

Ist unklar. Die Rudelzugehörigkeit kann nur durch einen DNA-Abgleich festgestellt werden, der wird in ein paar Wochen erwartet. Daher ist bisher auch offen, zu welchem Rudel die Kolkwitzer Tiere gehören. Rund um Cottbus leben derzeit vier Rudel:  Das Lieberoser Rudel im Norden, das teils bis an die Stadtgrenze kommt. Das Teichland-Rudel im Osten, im Süden das Hornower Rudel, im Westen das Großräschener Rudel. Auch im Bereich Welzow-Süd versucht ein Wolfspaar seit Jahren, sich anzusiedeln. Offenbar verschwindet aber das weibliche Tier immer wieder aus dem Blickfeld der Beobachter. Welpen hat es dort seit 2013 nicht mehr gegeben.

Verliert der Wolf seine Scheu vor den Menschen? Oft sind Autofahrer oder Bauern erschrocken, wie nah sie an die Tiere herankommen.

Sitzen Menschen in Autos, Lkw oder Traktoren, können die Wölfe ihre Witterung nicht aufnehmen., die direkte Anwesenheit nicht wahrnehmen. Öffnet man aber eine Tür, fliehen die Wölfe. André Pfeiffer: „Jungtiere sind allerdings neugierig, erkunden die Welt und zeigen noch wenig Scheu.“ Von ihnen gibt es daher zahlreiche Amateur-Fotos oder Videos. Erwachsene Tiere sind selbst von Experten schwer aufzuspüren. Ruhende Wölfe haben eine Fluchtdistanz von etwa 30 Metern. Erst, wenn ein Mensch diese Distanz unterschreitet, ziehen sich die Tiere zurück. „Wenn sie schlafen, sind sie kaum auszumachen“, weiß Pfeiffer. „Es kann also passieren, dass man im Wald relativ dicht an einem Wolf vorbeiläuft, ohne es zu merken.“

Oft berichten Spaziergänger, dass sie Wolfsfährten im Wald gesehen haben.

Es ist schwer, Wolfsspuren von Hundespuren zuverlässig zu unterscheiden. Wölfe laufen zwar in der Regel zielstrebiger geradeaus als ein Hund, der schnüffelnd viele Umwege nimmt. Hat ein Hund freilaufender allerdings ein Ziel, sind seine Spuren denen des Wolfes sehr ähnlich.

Was tun, wenn ich mit meinem Hund in den Wald möchte?

Der Hund gehört im Wald immer an die Leine, mahnt André Pfeiffer zur Vorsicht. „Meinen eigenen Schäferhund habe ich gerade in der Fortpflanzungszeit von Januar bis März  an der Leine. Ich möchte nicht, dass er in eine Auseinandersetzung verwickelt wird aus der er ganz gewiss als Verlierer herausgeht .“

Sind Reiter mit ihren Pferden jetzt besonders gefährdet?

Auf dem Pferd nehmen Wölfe Menschen offenbar kaum wahr. Im Bereich des Spremberger Pulsberges sind regelmäßig Reiter unterwegs – obwohl hier immer wieder Wölfe gesichtet wurden ist bisher nichts von Unfällen oder unliebsamen Zusammenstößen bekannt.

Landwirte fordern den gezielten Abschuss von Wölfen, um den Tieren wieder die Angst vor Menschen und Siedlungen beizubringen.

„Das wird nicht funktionieren“, sagt André Pfeiffer. Die überlebenden Artgenossen riechen zwar, dass ein Wolf gestorben ist, ein Verkehrsunfall hinterlässt aber für die Wölfe die gleichen Spuren des Menschen. Dass er aber von einer Kugel getroffen wurde,  wissen sie nicht. Einen „Lerneffekt“ gibt es nur wenn ein zweites Tier den Vorgang beobachtet oder erlebt hat. Zerstörte Rudelstrukturen führen nur zu vermehrten Weidetierrissen, die leichtere Beute.

Und wie hält es der Wolfsbeauftragte selbst mit der Angst?

Seit über zehn Jahren hat er sich der Wolfsbeobachtung verschrieben, hat seitdem zahllose Tage und Nächte in den Wäldern der Region verbracht. Angst? „Hatte ich bisher noch nie. Von den Wölfen ertappt fühlte ich mich schon oft.“

(hil)