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Stadtpolitik
Der schwierige Kampf um Kita-Plätze

In Cottbus werden mehrere Möglichkeiten diskutiert, um kurz- und mittelfristig benötigte Kitaplätze zu schaffen.
In Cottbus werden mehrere Möglichkeiten diskutiert, um kurz- und mittelfristig benötigte Kitaplätze zu schaffen. FOTO: Patrick Pleul / dpa
Cottbus. In Cottbus fehlen mehrere hundert Kita-Plätze für die nächsten Jahre. Die Politik ringt um Lösungen. Von Andrea Hilscher

Übervolle Kitas, lange Wartelisten, genervte Eltern und überforderte Erzieherinnen: Die Situation in den Cottbuser Kindereinrichtungen ist, gelinde gesagt, angespannt. Seit Monaten arbeitet die Stadtverwaltung daran, neue Kita-Plätze zu schaffen, doch der Mangel ist kurzfristig nicht zu beheben. Erst in ein bis zwei Jahren, so beteuert Sozialdezernentin Maren Dieckmann (parteilos) immer wieder. Den Eltern, die hier und heute einen Betreuungsplatz brauchen, hilft das nicht. Die SPD hat sich daher des Themas angenommen und einen Antrag formuliert, der jetzt im Jugendhilfeausschuss beraten wurde.

Die SPD fordert darin den Oberbürgermeister auf, „kurzfristig die Voraussetzungen für die Einrichtung von mindestens 150 zusätzlichen Kindertagesstätten-Plätzen zu schaffen“. Er solle im Haushalt die dafür nötigen Mittel einstellen, um eventuell städtische Gebäude zu erweitern, außerdem solle kurzfristig der aktuelle Bedarf an Kindertagesstätten-Plätzen ermittelt und bekannt gemacht werden.

Letzteres klingt simpel, scheint aber dennoch kaum lösbar: In der Kita-Entwicklungskonzeption 2017 bis 2022 ist zwar ein wachsender Bedarf an Kita-Plätzen erkennbar, der Zuzug von Flüchtlingsfamilien ist in die Konzeption allerdings noch nicht eingeflossen. André Schneider, Leiter des zuständigen Jugendamtes: „Wir werden im Herbst beginnen, die Entwicklungskonzeption zu überprüfen und konkrete Bedarfe zu ermitteln.“ Zwar sei klar, dass Kita-Plätze fehlen – „wir dürfen aber auch keine Überkapazitäten schaffen.“

Gunnar Kurth (SPD) war eigens in den Ausschuss gekommen, um für den Antrag seiner Partei zu werben. Man könne, so seine Idee, zahlreiche bestehende Kitas erweitern und so neue Plätze schaffen. Das allerdings passiert ohnehin: In bestehenden Einrichtungen werden 90 Plätze geschaffen, neue Kitas in den nächsten zwei Jahren bringen weitere 420 Plätze. André Schneider: „Wenn wir einen Träger jetzt überreden, Personal einzustellen, um neue Gruppen aufzumachen, muss er die Leute vielleicht in ein oder zwei Jahren wieder entlassen, weil die Kapazitäten nicht mehr gebraucht werden.“

Die Verwaltung rechnet pro Kita-Platz mit rund 20 000 Euro Baukosten. Eine preiswertere Lösung wären sogenannte „Container-Kitas“ auf der grünen Wiese. „Doch auch für die Errichtung dieser Kitas bräuchten wir mehrere Monate Zeit“, so Schneider. Außerdem bestünde die Gefahr, dass in einer solchen komplett neuen Einrichtung nur Flüchtlingskinder angemeldet würden. „Das widerspricht unserem Integrationsgedanken, ist auch pädagogisch wenig ratsam“, so Schneider.

Auch der Vorschlag, mit einzelnnen Containern bestehende Kitas zu erweitern, ist schon oft diskutiert worden. Problem: Durch die Container reduziert sich die Freifläche, auf der Kinder spielen können. Zunächst würden hohe Kosten für Installationen und Anschlüsse anfallen, in wenigen Jahren dann steht ein ebenso teurer Rückbau an. Für die Verwaltung derzeit die einzige denkbare Option: Im bereits als Kita genutzten Gebäude in der Gartenstraße weitere Räume nutzbar machen. „Hier wäre der Aufwand nicht verloren, die Räume könnten später wieder als Ausweichquartier bezogen werden, wenn wir städtische Einrichtungen sanieren“, sagt André Schneider. Der Vorschlag, die frühere KIta in der Schopenhauerstraße wieder zu reaktivieren, mache wenig Sinn: Das Gebäude wurde gerade erst mit Fördermitteln zu Flüchtlingsunterkunft umgebaut, außerdem gibt es den größten Platzbedarf in Mitte und nicht in Sachsendorf.

André Kaun (Linke) ergriff als amtierender Ausschussvorsitzender das Wort und bat den Kollegen der SPD, den offenbar wenig zielführenden Antrag zurückzuziehen und eventuell zu ändern. Gunnar Kurth ging auf diesen Vorschlag nicht ein – und raubte Kaun letztlich die Geduld. Mit kaum verholenem Ärger rügte der Ausschussvorsitzende die SPD. „Deren Beteiligung an unserem Ausschuss ist äußerst dürftig. Da geht es einfach nicht an, mit einem solche Antrag die Arbeit des Ausschusses und des Jugendamtes schlechtzureden,“ schimpfte Kaun.

Bei der Abstimmung über den Antrag enthielten sich alle Abgeordneten.

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