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| 10:02 Uhr

Update: Wahlen in Cottbus
Der Kampf um den Wahlkreis

 Wahlleiter Carsten Konzack und seine Mitarbeiterinnen halten von der Zentrale aus Kontakt zu allen 84 Cottbuser Wahlbüros.
Wahlleiter Carsten Konzack und seine Mitarbeiterinnen halten von der Zentrale aus Kontakt zu allen 84 Cottbuser Wahlbüros. FOTO: LR / Andrea Hilscher
Cottbus . Kerstin Kircheis (SPD) hat ihren Wahlkreis verloren. Sie saß seit 2007 im Landtag. Jetzt braucht sie einen Plan B. Von Andrea Hilscher

Von Andrea Hilscher

Das Warten fällt schwer. Am Sonntagvormittag besucht Kerstin Kircheis einen Open-Air-Gottesdienst in Groß Gaglow, dann besucht sie ihre Mutter. Ab dann heißt es nur noch: warten.

Die Cottbuserin weiß: „Entweder schaffe ich es direkt oder gar nicht.“ Ihre Mitstreiterin in Cottbus, Martina Münch, ist auf der Landesliste von Platz 2 auf Platz 14 gekracht, Kircheis rutschte mit, auf einen aussichtslosen Listenplatz 26. Sie weiß, dass es eng wird. In ihrem Wahlkreis tritt Lars Schieske für die AfD an. Nicht unbedingt ein bekannter Mann. Aber die AfD ist stark in der Gegend, bei der Kommunalwahl holten zwei Kandidaten der AfD zusammen fast 8500 Stimmen. Wenn diese Stimmen auf Lars Schieske wandern, ist er kaum einzuholen.

 Kerstin Kircheis (l.) wartet auf das Ergebnis des Wahlabends. Sie sagt: „Das es so hart wird, hätte ich mir nicht träumen lassen.“
Kerstin Kircheis (l.) wartet auf das Ergebnis des Wahlabends. Sie sagt: „Das es so hart wird, hätte ich mir nicht träumen lassen.“ FOTO: LR / Hilscher Andrea

Kircheis sitzt seit 2007 im Potsdamer Landtag, damals war sie als Nachrückerin ins Parlament eingezogen. „Niemand kannte mich, eine seltsame Situation“, erinnert sich die Sozialversicherungsfachangestellte. Aus der Not machte sie eine Tugend: besuchte jeden Termin in ihrem Wahlkreis, organisierte Stammtische. Ortsrundgänge, Jubiläen, Einweihung – Kerstin Kircheis war immer da. „Und das hat geholfen“, sagt sie. „Denn nur vor Ort kommst du wirklich mit den Leuten ins Gespräch und merkst, wo es hakt.“

Ob ihr das am Wahltag hilft? Sie zuckt die Achseln. „Vielleicht war es zu viel, vielleicht sind die Leute einfach daran gewöhnt, dass ich immer da bin.“ Sie blickt aufs Handy, sucht erste Prognosen.

Im Cottbuser Wahlzentrum laufen derweil die Drähte heiß. Wahlleiter Carsten Konzack und seine Mitarbeiter halten Kontakt zu allen 84 Wahllokalen, beantworten Fragen, helfen bei Problemen. Plötzlich meldet sich das Wahllokal im Carl-Thiem-Klinikum. Samstag wurde dort ein Mann als Notfall aufgenommen, der jetzt wählen möchte. Schnell wird in der Zentrale ein Wahlschein ausgedruckt, per Kurier bei dem Patienten abgegeben. „Das Klinikum ist in einem anderen Wahlkreis als sein Wohnort, daher war alles etwas kompliziert“, erzählt Carsten Konzack. Das Problem wird gelöst, der Patient kann an der Briefwahl teilnehmen. „Toll“, freut sich Konzack, auch die insgesamt hohe Wahlbeteiligung in Cottbus macht ihn zufrieden.

Kerstin Kircheis ist inzwischen in einem Lokal auf dem Cottbuser Altmarkt angekommen. Immer wieder der Blick auf die Uhr. Die Zeit vergeht nicht. Die Nerven liegen blank. „Ich bin 63. Selbst mit Übergangsgeld komme ich nicht bis zum Renteneintritt.“ Ihr Mandat im Stadtparlament bleibt, sie wird sich die nächsten Jahre im Rechts- und im Sozialausschuss engagieren. Wenn sie ihr Direktmandat verliert? „Schlafe ich Montag aus und räume meine Büros aus. Dann muss ein Plan B her.“

Kerstin Kircheis hat ihr Mandat mit rund 600 Stimmen Unterschied deutlich an Lars Schieske verloren.